Ausdauersport

Dr. Steffen Neuendorff ist auch mit über 80 Jahren noch topfit

Der Wald-Michelbacher Dr. Steffen Neuendorff hat in der Altersklasse über 80 Jahre keine Konkurrenz und holt sich die WM-Titel im Wintertriathlon und Winterduathlon.

Ausdauersportler Dr. Steffen Neuendorff schaffte bei der Weltmeisterschaft im Winterduathlon und Wintertriathlon zweimal das Zeitlimit und holte sich zwei Titel innerhalb von 20 Stunden auf der Olympiapiste der Nordischen Kombinierer von 2006 in Pragelato (Italien). Foto: Marianne Grünebach
Ausdauersportler Dr. Steffen Neuendorff schaffte bei der Weltmeisterschaft im Winterduathlon und Wintertriathlon zweimal das Zeitlimit und holte sich zwei Titel innerhalb von 20 Stunden auf der Olympiapiste der Nordischen Kombinierer von 2006 in Pragelato (Italien).

Die Weltmeisterschaften im Winterduathlon und Wintertriathlon fanden auf der Olympiapiste der Nordischen Kombinierer von 2006 in Pragelato (Italien) statt. Die Wettkampfstrecken liegen auf 1600 Meter Höhe und 350 Athleten aus 19 Ländern waren zu diesem Ereignis angereist. Die deutsche Altersklassen-Nationalmannschaft war mit 20 Athleten nominiert. Für den Wald-Michelbacher Dr. Steffen Neuendorff war es der 40. Start bei einer internationalen Meisterschaft. Inzwischen startet er in der Altersklasse 80 bis 84 Jahre und sagt: „So ein Rennen ist eine wirkliche Herausforderung für jeden einzelnen.“

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Innerhalb von zwei Tagen finden die Weltmeisterschaften im Duathlon (Laufen und Skaten) und Triathlon (Laufen, Radfahren und Skaten) statt und insgesamt über 1000 Höhenmeter sind auf äußerst schwierigen Pisten zu überwinden. Die größte Herausforderung für die Altersklassenathleten ist das Zeitlimit, das für alle gleich ist, egal welchen Alters. Wenn bereits nach dem Laufen ersichtlich ist, dass das Limit von einem Sportler nicht geschafft werden kann, wird er aus dem Rennen genommen.

Skating-Training in Oberhof

Der Odenwälder, der wie immer für den Skiclub Beerfelden startet, wurde in der Vorbereitungsphase beim Lauftraining häufig von seiner Frau begleitet. Das Radtraining für die Crossstrecke hatte er in der bergigen Umgebung von Wald-Michelbach absolviert. Und da wenig Schnee in diesem Winter im Odenwald und Schwarzwald lag, fuhr er zum Skating-Training nach Oberhof. Wichtiger Teil des Trainings ist immer auch kontinuierliche Gymnastik und Kraftaufbau, um den Herausforderungen einer WM gewachsen zu sein.

„Das Training erlebe ich als Gesundbrunnen, für mich ist der Weg das Ziel“, sagt Neuendorff.

Wichtig war zunächst einmal, sich an die Höhe zu akklimatisieren. Da es seit Längerem nicht geschneit hatte, waren die Pisten mit Kunstschnee präpariert. Beim Training erlebten die Sportler eine Wettkampfstrecke mit hohen, bissigen Anstiegen und steilen Abfahrten, die ein hohes Können forderten. Die Laufstrecke war hügelig, teilweise mit Schneeresten und Eisplatten bedeckt. Die Radstrecke hatte es in sich. Es ging teilweise über Schneepisten, herausfordernde Steigungen und querfeldein. An manchen Stellen war klar, dass die Räder getragen werden mussten. Die Skating-Strecke enthielt heftige Anstiege und steile Abfahrten auf hohem Niveau.

Bei der Weltmeisterschaft im Winterduathlon (6 km Laufen und 10 km Skating) war die olympische Strecke gut präpariert. Neuendorff startete alleine in seiner Altersklasse. Er hielt sich an die Gruppe der 70-Jährigen: „Für mich war das Wichtigste, bei jeder der drei Laufrunden im Zeitlimit zu bleiben und nicht aus dem Rennen genommen zu werden, was mir gut gelang.“ Nach der Wechselzone ging es auf die schmalen Skating-Ski. „Hier wurde mir klar, was es bedeutet, die olympische Strecke der Nordischen Kombinierer zu befahren. Die Strecke war äußerst anstrengend, sehr steile Anstiege wechseln sich mit schnellen schmalen Abfahrten ab. Mir war es wichtig, schnell, aber sicher zu fahren. Und als ich feststellte, dass ich mir gegenüber dem Zeitlimit ein schönes Polster herausgefahren hatte, konnte ich es etwas langsamer angehen. So konnte ich mir ein paar Reserven für den Wettkampf am nächsten Tag aufheben“ meinte der Wald-Michelbacher, der einige Sekunden hinter dem Österreicher Hergouth ins Ziel kam, der in der AK 75-79 gestartet war und ein guter Skater ist.

20 Stunden nach dem Duathlon fand dann bereits der Wintertriathlon statt. Dieser war noch einmal deutlich anspruchsvoller als der Wettkampf tags zuvor. Insgesamt war das Ziel nach etwa 25 km mit etwa 650 Höhenmetern zu erreichen. Davon 5 km Lauf, 10 km Mountainbike-Runden und 10 km Skaten. Die Skier waren frisch gewachst. Die Regenerationszeit war sehr kurz, viele Athleten hatten trotz Massage noch schwere Beine.

Eine erhebliche Überwindung

„Es war eine erhebliche Überwindung, sich für den Wettkampf aufzuwärmen. Das Rennen vom Vortag spürte ich noch heftig in den Beinen“, meinte Neuendorff. Für den erneut konkurrenzlos startenden Wald-Michelbacher ging es zunächst auf die Laufstrecke, die er im Zeitlimit schaffte. Mit dem Mountainbike ging es entlang der Schneepiste mit sehr steilen Anstiegen und engen, schwierigen Abfahrten. Hier galt es vor allem konzentriert zu fahren, Nerven zu bewahren, auf Eisplatten zu achten und in den Kurven einen Sturz zu vermeiden. Der Übergang in die schlammige Querfeldeinstrecke forderte viel Aufmerksamkeit von den Athleten. Die Reifen drehten teilweise durch, wichtig war, in der Fahrrinne zu bleiben. Bei steilen Aufstiegen musste das Rad geschoben werden. Die Abwärtsfahrten erforderten noch einmal besonderes Geschick von den Fahrern. Es kam zu vielen Stürzen.

Nach der ersten Runde wurde ein Deutscher wegen Überschreiten des Zeitlimits aus dem Rennen genommen. Für die Fahrer folgten noch zwei weitere Radrunden. Der Wald-Michelbacher blieb ohne Sturz und war mit seiner Zeit für die Strecke zufrieden. Mit ziemlich verschmutzter Kleidung ging es auf die Skating-Ski. „Es war eine weitere Herausforderung auf der schwierigen Strecke“, sagte Neuendorff, der das Zeitlimit einhielt und sich den zweiten Weltmeistertitel innerhalb von 20 Stunden holte.