Hopping Holger

Ein Auftakt nach Maß

Holger Giebel aus Fürth berichtet aus Australien von der Fußball-WM der Frauen. Heute schildert er seine Eindrücke vom 6:0-Sieg der deutschen Elf gegen Marokko.

Im AAMI Park von Melbourne fand am Montagmorgen deutscher Zeit das erste WM-Spiel der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft statt. Foto: Holger Giebel
Im AAMI Park von Melbourne fand am Montagmorgen deutscher Zeit das erste WM-Spiel der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft statt.

Als Alexandra Popp bei der Verkündung der deutschen Mannschaftsaufstellung vorgelesen wird, brandet Jubel auf. Deutlich lauter als bei den anderen Nationalspielerinnen. Als „Poppi“ ausgewechselt wird, wird es wieder richtig laut, wofür sich die Kapitänin artig bedankt. Weshalb das eigentlich immer so ist, hat sie beim WM-Auftakt in Melbourne unterstrichen: Sie erzielte beim 6:0 über Marokko die ersten beiden Tore selbst, kniete sich einmal mehr rein ohne Ende und wurde völlig zu Recht zur Spielerin des Spiels ernannt.

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Alexandra Popp erzielte beim 6:0 über Marokko die ersten beiden Tore selbst, kniete sich einmal mehr rein ohne Ende und wurde völlig zu Recht zur Spielerin des Spiels ernannt. Foto: Holger Giebel
Alexandra Popp erzielte beim 6:0 über Marokko die ersten beiden Tore selbst, kniete sich einmal mehr rein ohne Ende und wurde völlig zu Recht zur Spielerin des Spiels ernannt.

Ich durfte auf vielerlei Ebenen einen Auftakt nach Maß erleben. Mein erstes Spiel in einem australischen Stadion, ein weiteres Land in meiner Kollektion – und veredelt wurde das Ganze auch noch mit einem deutlichen und verdienten Sieg im ersten WM-Spiel. Was will man mehr?

„La Ola“ macht die Runde

Auch die Stimmung war gut. Ein deutsches Grüppchen schaffte es sogar, „La Ola“ durchs Stadion schwappen zu lassen. Das Herz der neutralen Australier gehörte aber eher dem Underdog aus Marokko. Zu gern hätten sie den Nordafrikanerinnen ein Tor gegönnt, doch als Torhüterin Merle Frohms tatsächlich mal hinter sich greifen musste, ging dem eine Abseitsposition voraus.

Ich selbst bin als Eintracht-Fan unterdessen froh, dass mit Sara Doorsoun, Nicole Anyomi und Laura Freigang gleich drei Frankfurterinnen ihr Turnierdebüt feiern durften. Die Ränge waren fast ausverkauft. Lediglich im Areal der Scampi-Spieße taten sich größere Lücken auf. Viele VIPs wurden wohl eher von den feinen Leckereien angezogen. Und andere erschienen erst gar nicht.

Der AAMI Park von Melbourne ist bereits das 428. Stadion in der Sammlung unseres Groundhoppers. Foto: Holger Giebel
Der AAMI Park von Melbourne ist bereits das 428. Stadion in der Sammlung unseres Groundhoppers.

Mexikanischer Australier

So richtig schön wird Groundhopping übrigens durch die Begegnungen mit anderen Menschen. Eine solche hatte ich auch in Melbourne. Mein Sitznachbar – mit Deutschland-Trikot und DFB-Schal um den Hals – hieß Pablo, ist Mexikaner und lebt seit 28 Jahren in Australien. Ein paar Jahre verbrachte er aber auch in Deutschland, einen Teil seiner Ausbildung absolvierte er bei BASF in Ludwigshafen. In Heidelberg besuchte er einen Sprachintensivkurs. Später verschlug es ihn auch noch ins Sauerland. Übrig geblieben sind sehr beachtliche Deutschkenntnisse. Pfälzisch, mit dem er in Ludwigshafen des Öfteren konfrontiert war, habe er damals schon nicht verstanden, berichtete er lachend.

Seit langer Zeit verfolgt Pablo den deutschen Frauenfußball, besonders dem VfL Wolfsburg drückt er die Daumen. Außerdem ist sein Blick nach England gerichtet, wo es ihm die Arsenal Ladies angetan haben. Irgendwie logisch, denn mit Caitlin Foord und Steph Catley stehen zwei Australierinnen in deren Kader.

Hektik ist in Melbourne ein Fremdwort

Melbourne ist eine sehenswerte, sehr saubere, quirlige Großstadt mit einer Skyline, bei der selbst Frankfurter nicht schlecht staunen würden. Das Schöne: Während ich mich in deutschen Großstädten nicht selten von der Hektik anstecken lasse, besteht diese Gefahr hier nicht. Hektik? Was ist das?

Eines habe ich sehr schnell erkannt: Gelassenheit wird in Melbourne großgeschrieben. Sehr angenehm, wie ich finde. Ich wäre deshalb noch gerne etwas länger hier, doch es geht nun weiter nach Perth. Ich muss weiterhoppen. Und auch darauf bin ich schon gespannt.

Melbourne ist eine sehenswerte, sehr saubere, quirlige Großstadt mit einer Skyline, bei der selbst Frankfurter nicht schlecht staunen würden. Foto: Holger Giebel
Melbourne ist eine sehenswerte, sehr saubere, quirlige Großstadt mit einer Skyline, bei der selbst Frankfurter nicht schlecht staunen würden.