Schlaflos in Melbourne
Holger Giebel aus Fürth berichtet aus Australien von der Fußball-WM der Frauen.
Der 24. Juli hat gerade begonnen. Es ist kurz nach 0 Uhr. Es ist der Tag, an dem ich mein erstes Fußballspiel auf australischem Boden sehen und dabei meinen 18. Länderpunkt einsammeln werde. Länderpunkte sind beim Groundhopping ein Merkmal, wie fleißig man im Sammeln von Stadien in unterschiedlichen Ländern war.
Auf Futbology, der App, die für Groundhopper als zentrales statistisches Werkzeug gilt, hat die aktuelle Nummer eins 216 Länderpunkte gesammelt. Im Vergleich dazu fällt meine Bilanz bislang freilich mickrig aus. Mein Fokus liegt nicht primär auf der Anzahl der Länder, sondern auf der Anzahl der besuchten Stadien an sich.
Der 428. Stadionpunkt in der Sammlung
Der AAMI Park, das Stadion in Melbourne, wird heute mein 428. Sportgelände sein. Der Umstand, dass der bisherige Führende in der Futbology-Statistik in diesem Bereich 7366 Fußballplätze (in der Fachsprache wird das englische Wort Grounds verwendet) vorweisen kann, lässt die Frage aufkommen, ob diese Person die Sache hauptberuflich betreibt. Denn obwohl ich meinem Hobby sehr viel Zeit gebe, werde ich diese Anzahl nur schwer irgendwann erreichen können.
Dass ich um kurz nach Mitternacht in meinem Hotelzimmer in Melbourne diesen Text schreibe, hat damit zu tun, dass sich mein Körper offenbar dagegen zu wehren versucht, ihn in zeitliche Abläufe zu pressen, die sich jenseits des Gewohnten befinden. Obwohl ich nach meiner langen Anreise sehr müde bin, konnte ich bisher nur drei Stunden schlafen. Mein Körper lässt mich nicht.
Große Euphorie in Australien
In Australien selbst herrscht wegen der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen offenkundig eine große Euphorie. Zumindest konnte ich dies aus den Worten des Zollbeamten am Flughafen schließen, der mich fragte, ob ich auch vorhätte Spiele der WM zu besuchen. Als ich dies bejahte, fragte er gleich nach, ob ich auch Tickets hätte. Als ich auch das bejahte, fügte er an, dass dies auch notwendig sei, weil es unglaublich schwer sei, noch welche zu bekommen. Das klingt nach ausverkauften Stadien und guter Stimmung. Sehr gut.
In ein paar Stunden werde ich mehr wissen. Hoffentlich werde ich dann nicht ganz so müde sein, wie ich es befürchte. Aber zumindest werde ich mir jetzt eine weitere Chance geben, mich schlafend zu regenerieren. Ich hoffe, dass mein Körper auch mit mir ein Einsehen hat.