Hopping Holger

Der halb-irische Odenwälder

Holger Giebel aus Fürth berichtet aus Australien von der Fußball-WM der Frauen. Für ein Spiel der Ladies in green fliegt unser Groundhopper auch schon mal quer durchs Land.

Mitten im irischen Block: Holger Giebel fühlte sich fast wie in einem seiner Lieblingsländer. Foto: Holger Giebel
Mitten im irischen Block: Holger Giebel fühlte sich fast wie in einem seiner Lieblingsländer.

Zu Irland habe ich eine ganz besondere Beziehung, seit ich das Land erstmals bereist habe. Ich mag die herzliche Freundlichkeit der Menschen, ich mag die Landschaft, ich mag die Musik. Insofern war es klar, dass ich den irischen Fußballerinnen beim Besuch der Fußball-Weltmeisterschaft im Spiel gegen Kanada die Daumen drücken würde.
Wie es der Zufall wollte, war ich inmitten irischer Fans gelandet. Wunderbar. Dass diese sehr sangesfreudig sind, ist bekannt. Und da ich eben auch den einen oder anderen irischen Folksong kenne, habe ich bei „The Fields Of Athenry“ – der Kultsong unter den irischen Fußballfans – mit eingestimmt.
Schon hatte ich Linda und Michael kennengelernt. Da ich mit meinem Eintracht-Trikot nicht sonderlich irisch aussah, sprach Linda mich an und fragte, woher ich das Lied so gut kenne. So kommt man ins Gespräch

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Stadion unter Palmen: In Perth zeigt der Stadioneingang ein ungewohntes Gesicht. Foto: Holger Giebel
Stadion unter Palmen: In Perth zeigt der Stadioneingang ein ungewohntes Gesicht.


Das Ehepaar erzählte mir, dass sie aus Irland stammen, aber seit 15 Jahren in Australien leben. Jetzt freuen sie sich, dass die Irinnen Down Under spielen und sie deren Partien besuchen können. Da ich nicht nur mitgesungen, sondern auch mitgelitten habe, bezeichnete mich Linda noch als den irischsten Nicht-Iren, den sie je beim Fußball getroffen hat.
Am Ende hat alles nichts genutzt. Das Favorit aus Nordamerika hat sich trotz irischen Wetters – Regen und trockene Phasen wechselten sich im Fünf-Minuten-Takt ab – durchgesetzt, doch die „Girls in green“ haben sich bei der knappen 1:2-Niederlage sehr teuer verkauft, wofür sie auch vom Anhang gefeiert wurden.

Die Ruhe vor dem Sturm: Holger Giebel ist auch in Perth lange vor Anpfiff im Stadion, um die Stimmung aufzunehmen. Foto: Holger Giebel
Die Ruhe vor dem Sturm: Holger Giebel ist auch in Perth lange vor Anpfiff im Stadion, um die Stimmung aufzunehmen.

Die irischen Fans stammten übrigens überwiegend aus Australien, wie mir Michael verriet. Dort gebe es viele Iren, die fernab der Heimat ihr Glück versuchten.
Das erklärt, weshalb im HBF Park in Perth die Sympathien eindeutig zugunsten Irlands verteilt waren. Bei den neutralen Australiern dürfte zudem der Underdog-Bonus gezogen haben. Perth selbst ist kleiner als Melbourne, aber ebenfalls interessant.

Tiefenentspannt im Bus

Dass ein freundliches und tiefenentspanntes Wesen übrigens nicht nur eine Eigenschaft der Menschen in Melbourne, sondern auch in Perth ist (das spricht für ein gesamtaustralisches Phänomen), zeigte sich schon bei meiner Anreise, als ich mit dem Bus vom Flughafen in die Stadt fuhr. Den Preis von 5,10 Dollar musste ich in bar beim Busfahrer entrichten, weil dort keine Kartenzahlung möglich ist. Allerdings kommt das Geld in eine Box, die nicht geöffnet werden kann, weshalb es kein Wechselgeld gibt. Ergo: Das Geld muss abgezählt sein.
Leider hatte ich neben einem Fünf-Dollar-Schein aber nur noch eine Ein-Dollar-Münze. Der Busfahrer sagte, ich solle ihm nur den Schein geben, weil es doch lächerlich sei, wegen zehn Cent einen Dollar auszugeben. Ich solle eben das nächste Mal gerade zehn Cent mehr geben. Ich bin sicher, dass dies andernorts nicht möglich gewesen wäre.