Aus und vorbei
Holger Giebel aus Fürth besucht in Australien die Spiele der Fußball-WM der Frauen. Hautnah erlebte er somit am Donnerstag auch das deutsche Vorrunden-Aus mit.
Aus und vorbei. Ein 1:1 gegen Südkorea war für die deutschen Fußballerinnen einfach zu wenig. Doch es war hausgemacht. Schlampige Pässe, ein bisweilen haarsträubendes Defensivverhalten und die Tatsache, dass erst in der Nachspielzeit das Gaspedal richtig gefunden wurde. Dieser Cocktail war dann doch recht ungenießbar.
Vielleicht hat das 6:0 gegen Marokko – ironischerweise die Mannschaft, die die Vorrunde überstanden hat – über vieles hinweggetäuscht, was schon in der äußerst dürftigen WM-Vorbereitung zu sehen war. Zwangsläufig stellt sich die Frage, wo die Mannschaft geblieben ist, die vor einem Jahr bei der EM einen solch mitreißenden Fußball gezeigt hat.
Favoritensterben geht weiter
Doch ich möchte mich zu dem Spiel selbst gar nicht weiter äußern. Mir stand nach dem Schlusspfiff die Enttäuschung mindestens genauso ins Gesicht geschrieben wie den Spielerinnen, die belämmert über den Platz trotteten. Es scheint eine WM zu sein, bei der sich die vermeintlich großen Frauenmannschaften schwertun.
Deutschland raus, Brasilien raus, USA mit einem tiefblauen Auge gerade so in die K.o.-Runde eingezogen. Man befindet sich also in guter Gesellschaft – was es nicht weniger enttäuschend macht.
Die Südkoreanerinnen sind zwar auch raus, feierten aber den Punkt wie einen Sieg. Wenigstens nicht mit einem leeren Punktekonto ausgeschieden. Deshalb raus mit Applaus, den sie von ihren Fans, dem neutralen Publikum, aber auch anerkennend von etlichen Deutschen im Publikum bekamen.
Immerhin ein schöner Ground
Das Suncorp Stadium in Brisbane ist ein wunderschöner, lohnenswerter Ground. Ich hatte einen Top-Platz, die Spielerinnen beinahe zum Greifen nah.
Bereits am Morgen war ich dort, um bei Helligkeit ein paar Fotos zu machen. Dass ausgerechnet in dieser Zeit tiefschwarze Wolken aufzogen und einen heftigen Regenschauer entluden, war wahrscheinlich ein kleines symbolhaftes Zeichen dafür, was ein paar Stunden später im Stadion geschehen sollte.
Vielleicht hätte ein kleines Stoßgebet in der direkt ans Stadion grenzenden Kirche noch etwas bewirken können. Doch das wird man nicht mehr herausfinden können.
Keine Lust auf Bier und Bratwurst
In der Metropole von Queensland war man in den zahlreichen Kneipen in der angrenzenden Caxton Street bestens vorbereitet, wie die Schilder mit der Aufschrift „German beer“ und „German sausages“ erkennen ließen. Allerdings hat das Vorrundenaus einigen deutschen Fußballreisenden die Lust auf Bier und Bratwurst verdorben.
Ich selbst habe an diesem Abend es auch vorgezogen, mich recht schnell ins Hotelzimmer zu verziehen.
Morgen geht's zurück
Damit endet auch meine Zeit in Australien. Morgen geht’s zurück. Auf den zu erwartenden Jetlag freue ich mich gar nicht. Aber ich werde mit Freude auf die Tage Down Under zurückblicken. Das weiß ich jetzt schon.