Ein Unter-Flockenbacher hofft auf die Nationalelf von Mauritius
Nach dem Siegtor gegen Walldorf will der 21-jährige Angel Arthee vom SV Unter-Flockenbach auch mit der Nationalmannschaft seines Heimatlandes erfolgreich sein. Er kocht gerne kreolisch, isst aber am liebsten Schnitzel mit Pommes.
Unter-Flockenbach. Lange stand Angel Arthee nach seinem Wechsel im Sommer vom VfR Mannheim in der Offensive von Hessenliga-Aufsteiger SV Unter-Flockenbach im Schatten der Mitspieler. Am Samstag avancierte der 21-jährige Mauritier im Heimspiel gegen RW Walldorf zum Sieggaranten – und hofft, dass es der Auftakt zu einer persönlich besseren Restrunde war.
Nach einer tollen Leistung seines Teams sorgte er für das Sahnehäubchen im ersten Spiel des SV Unter-Flockenbach nach der Winterpause: Acht Minuten waren gegen Spitzenreiter RW Walldorf regulär noch auf der Uhr, da hatte Angel Darel Denzel Arthee seinen großen Auftritt.
„Meine Eltern haben wirklich sehr viel für mich getan. Ich möchte ihnen auf jeden Fall etwas zurückgeben – in dem Sinne, dass sie merken, ihre Unterstützung hat sich für mich gelohnt“ - Angel Arthee
Der 21-Jährige aus Mauritius verschaffte sich nach Doppelpass mit Müslüm Arikan im Strafraum den entscheidenden Freiraum, behielt im Gedränge den Überblick und sorgte per Linksschuss ins linke Eck für den 2:1-Überraschungscoup des SVU (82.).
Lange am Knöchel verletzt
„Die ganze Mannschaft hat sich für mich gefreut. Es war ein schöner Moment, einfach ein gutes Gefühl. Und auch für die vielen Zuschauer, die uns toll unterstützt haben, hat es mich gefreut“, blickt der Angreifer auf sein Siegtor, das für ihn eine Premiere war: „Ich bin sehr glücklich mit meinem ersten Heimtor. Das gibt mir nach meinem Verletzungspech viel Selbstvertrauen für alles weitere“, hofft er auf einen Wendepunkt, nachdem Arthee im ersten Halbjahr länger an einer Knöchelverletzung zu knabbern hatte. Bei 14 Einsätzen reichte es nur vier Mal zur Startelf.
Erst die Wintervorbereitung brachte Besserung für den ehemaligen Jugend-Nationalspieler des zu Afrika zählenden und westlich von Madagaskar gelegenen Inselstaats Mauritius, der bald auch auf die erste Einladung zur A-Nationalelf hofft. Im März will er in der afrikanischen WM-Qualifikation in den Spielen unter anderem gegen Kap Verde (17.) sein Debüt für das A-Nationalteam seines Heimatlandes geben. „Körperlich ist alles wieder klar, die Vorbereitung war richtig gut“, betont Arthee, dem jetzt auch wegen des Ausfalls von Toptorschütze Lotfi Graidia die Stunde schlug. „Ich bin froh, dass Dalio mir wieder das Vertrauen geschenkt hat“, dankt er SVU-Trainer Dalio Memic.
Zuvor hatte der Mauritier im ersten Pflichtspiel des Jahres beim 7:3 im Kreispokal-Viertelfinale bei der FSG Riedrode bereits mit einem Doppelpack geglänzt. Mit dem Siegtor gegen Walldorf ist es jetzt nur umso mehr der erhoffte Umschwung beim neuen Verein geworden – so wie er es mit der Familie „besprochen“ hatte. „Ich war im Dezember auf Mauritius im Urlaub, konnte neue Kraft tanken und mich sortieren. Der Familie habe ich gesagt, dass es fürs Selbstvertrauen wichtig wäre, in den ersten Spielen gleich zu treffen, und sie haben mir gut zugeredet und Mut gemacht, vielleicht hat es deshalb auch so gut geklappt“, lächelt Arthee.
Die Eltern geben Unterstützung
Seinen ersten Vornamen, übersetzt „Engel“, trägt Arthee ob des christlichen Glaubens seiner Familie in der Heimat, wo viele verschiedene Religionen vorkommen. Seine Muttersprache ist kreolisch, auch Französisch und Englisch sind auf Mauritius gängig. „Meine Eltern haben wirklich sehr viel für mich getan. Ich möchte ihnen auf jeden Fall etwas zurückgeben – in dem Sinne, dass sie merken, ihre Unterstützung hat sich für mich gelohnt.“
Sein erstes Liga-Tor hatte Arthee beim TuS Hornau erzielt, wo er als „Joker“ kurz vor Ende zum 1:1-Endstand erfolgreich war. Nach dem verheißungsvollen Auftakt soll das zweite Halbjahr nun deutlich besser werden. „Das Spiel gegen Walldorf war mein bisher bestes. Das Selbstvertrauen ist zurück. Ich freue mich auf die nächsten Spiele, hoffe für Samstag auf weitere Tore oder Vorlagen“, sagt er vor der Partie des Tabellenzehnten (33 Punkte) beim Ligasiebten Hünfelder SV (15 Uhr).
Drei Jahre ist es her, da ließ Arthee die Heimat hinter sich, tat es seinen fünf älteren Geschwistern gleich, die es vom Inselstaat mit den 1,3 Millionen Einwohnern ebenfalls in die weite Welt hinauszog. „Meine zwei Schwestern leben in Belgien und Frankreich. Zwei Brüder in Kanada und mein ältester Bruder Waren in Aschaffenburg. Auch sie spielten alle Fußball“, erzählt der schnelle, technisch starke und beidfüßige Stürmer, dessen linker Fuß etwas stärker ist. „Mein Abschluss ist eigentlich auch nicht schlecht“, sagt Arthee, was er in den 13 Liga-Partien hin zum großen Ziel Ligaverbleib nun öfter zeigen will.
Während Bruder Waren seit sieben Jahren mit seiner Frau, der Tochter einer Mauritierin und eines Deutschen, in Aschaffenburg lebt, verließ Angel seine Heimat primär für Fußball: „Von klein auf ist es mein Traum, in Europa zu spielen und Profi zu werden. Ich möchte mir hier ein gutes Leben aufbauen“, erklärt der aus der Hauptstadt Port Louis stammende Mauritier.
Kreolische Gerichte
Das erste Jahr sei „etwas schwierig wegen der Sprache“ gewesen. Inzwischen spricht Arthee sehr gut Deutsch und hat nach dem FSJ beim Verein „Anpfiff ins Leben“ in Heidelberg-Kirchheim, der junge Sportler und Menschen mit Behinderung unterstützt, im Vorjahr eine Ausbildung in Lagerlogistik begonnen. Auch fußballtechnisch ist der in Lützelsachsen wohnhafte Neuzugang spätestens mit dem jüngsten Tor vollends angekommen. Gleiches gilt kulinarisch: „Ich koche jetzt für mich selbst, habe mir bei meinem Bruder, der ein guter Koch ist, viel abgeschaut. Etwa kreolische Gerichte oder Nationalgerichte aus Mauritius, wie Farata, ein mit Curry und Gemüse gefülltes Fladenbrot. Oder Dholl Puri, das mit Linsen und verschiedenen Gewürzen zubereitet wird.“ Auch an die deutsche Küche habe er sich schon gewöhnt: „Mein Lieblingsessen ist Schnitzel mit Pommes“, verrät er. Nur Tore für „schmecken“ ihm noch besser.