„Sind noch nicht da, wo wir hinwollen“
SV Lörzenbach ist aufgrund der Relegation später in die Vorbereitung gestartet und zeigt sich bei den Zielen in der Kreisliga A eher zurückhaltend.
Zwei sehr intensive Jahre liegen hinter dem SV Lörzenbach. Zunächst legte die Mannschaft von Trainer Jan Schörling eine überragende Runde in der Fußball-Kreisliga A hin und wurde ohne eine Niederlage Meister, um dann nach einer schwierigen Saison mit vielen Verletzungssorgen in der dramatischen Relegation gegen die SG Reichenbach mit dem entscheidenden Gegentreffer in der 119. Minute gleich wieder aus der Kreisoberliga abzusteigen.
Akku leer
Diese zwei Jahre haben Spuren hinterlassen, deshalb hatte Spielertrainer Jan Schörling entschieden, erst in der zweiten Juli-Woche in die Vorbereitung auf die neue Runde einzusteigen. „Bei den Spielern war der Akku einfach leer, zudem waren viele angeschlagen und brauchten einfach die Zeit, um sich zu erholen“, erklärt er.
Auch wenn die Lörzenbacher als Absteiger zu den Favoriten in der Kreisliga A gezählt werden, bremst Schörling die Erwartungen: „Der Abstieg ist noch nicht bei allen aus den Köpfen. Deshalb ist es das erste Ziel, den Spaß am Fußball wieder zu finden. Die Jungs sollen wieder mit Lust auf den Platz gehen.“
Mannschaft wird noch einmal verjüngt
Dazu kommt, dass die sowieso junge Mannschaft noch einmal verjüngt wird, denn die Neuzugänge kommen vorrangig aus der eigenen Jugend. Dabei hat sich Noah Mades schon in der vergangenen Runde für die erste Mannschaft empfohlen und gerade in den Relegationsspielen gegen Reichenbach mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. „Da hat man gesehen, dass er Qualität hat, aber mit seinen 18 Jahren muss er sich schon noch an den Seniorenbereich gewöhnen“, sagt Schörling, der das Talent für die Stammelf auf dem Zettel hat. Ein Jahr in der A-Jugend dürfte eigentlich noch Dean Hebling absolvieren, doch er rückt schon jetzt in die erste Mannschaft auf und soll dort zusammen mit dem etablierten Torjäger Tim Krauß für Torgefahr sorgen. Der 18-Jährige hat eine hervorragende Ausbildung bei Profivereinen wie dem 1. FC Kaiserslautern und der TSG Hoffenheim genossen und schließlich über den JFV Bensheim/Auerbach wieder den Weg zu seinem Heimatverein gefunden. Der Trainer weiß, dass er mit dem jungen Stürmer über ein großes Talent verfügt, aber „auch er muss sich erst einmal bei den Senioren zurechtfinden, das wird schon eine Umstellung für ihn“.
Das erste Ziel ist es, den Spaß am Fußball wieder zu finden.
Dritter im Bunde ist Luis Berg, ein hochgewachsener, wuchtiger Offensivspieler, dem der Coach viel Potenzial bescheinigt, der aber erst einmal in der zweiten Mannschaft Erfahrung sammeln soll. Dort wird auch der einzige externe Neuzugang, Marcel Strelow vom FSV Zotzenbach, auflaufen. Dafür hat der SVL zwei Leistungsträger verloren, die beide die Herausforderung Gruppenliga bei der SG Wald-Michelbach angehen wollen: Denis Dörsam und Luca Franck. Die beiden hinterlassen eine Lücke, auch deshalb gibt sich Schörling beim Blick auf die Runde eher zurückhaltend.
Angesichts des späten Starts der Vorbereitung kann der Spielertrainer den aktuellen Stand der Mannschaft nur schwer einschätzen, zumal er bei den Testpartien immer wieder auf Urlauber verzichten musste. Zudem kommen noch Verletzte aus der vergangenen Saison dazu. So müssen weiterhin die Defensivakteure Niels Kubitza und Jan Landzettel aufgrund von Knieproblemen pausieren. Gerade für die Abwehr problematisch ist, dass sich Oliver Weigold gleich im ersten Vorbereitungsspiel eine schwere Knieverletzung zugezogen hat und operiert werden musste. Mit ihm fällt ein weiterer Akteur aus, der für die Innenverteidigung vorgesehen war.
Das Feld in der Kreisliga A ist für Schörling eine Wundertüte. „Da sind einige Mannschaften nur ganz schwer einzuschätzen“, denkt er vor allem an die neuen Spielgemeinschaften Lindenfels/Winterkasten, Brandau/Gadernheim und Auerbach/Bensheim II. „Aber auch die TG Jahn Trösel hat sich sehr gut verstärkt. Es sind einige Mannschaften dabei, die ein sehr gutes Niveau haben.“
Auftakt beim VfR Bürstadt
Dazu zählt er auch den VfR Bürstadt, bei dem der SVL zum Rundenstart antreten muss. Die Bürstädter haben im Kreispokal mit einem klaren 5:1-Sieg beim B-Liga-Favoriten SV Affolterbach aufhorchen lassen. Da Schörling davon ausgeht, dass die Partie auf dem holprigen Naturrasen in Bobstadt ausgetragen wird, erwartet er eine schwere Aufgabe für seine Mannschaft.
„Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Daran werden wir in den nächsten Wochen intensiv arbeiten. Deshalb müssen wir jetzt erst einmal abwarten, wie wir in die neue Runde kommen. In acht bis zehn Wochen werden wir wissen, wo wir stehen und ob wir die Ziele neu definieren können“, erklärt er. Natürlich wollen die Lörzenbacher möglichst vorne mitmischen, aber Schörling macht klar, dass „es da keinen Druck für die Mannschaft gibt“.
Aufbruchstimmung herrscht indes bei der zweiten Mannschaft des SVL, die über die Relegation den erstmaligen Aufstieg in die Kreisliga C geschafft hat – einen Tag nach dem Abstieg der Ersten. Für sie wird der Klassenerhalt das oberste Ziel sein. Dafür muss sich das Team schnell in der neuen Liga etablieren, wobei ihr aber ein großer Kader zur Verfügung steht.