So darf der SV Unter-Flockenbach nicht absteigen
Der SV Unter-Flockenbach verliert trotz einer guten Leistung mit 0:1 gegen Türk Gücü Friedberg - die Niederlage macht aber Mut in der Fußball-Hessenliga.
Nico Schütz hatte einen recht ruhigen Arbeitstag, denn zu halten bekam der Torwart des Fußball-Hessenligisten SV Unter-Flockenbach eigentlich nichts. Vieles wurde gut wegverteidigt, die wenigen Abschlüsse von Türk Gücü Friedberg verfehlten – wenn auch teils haarscharf – ihr Ziel. Das hört sich so weit ganz gut an, wäre da nicht der Eckball gewesen, der dann doch zum alles entscheidenden Tor führte. Schütz war chancenlos, die Gäste aus der Wetterau bejubelten einen unter dem Strich unverdienten 1:0-Sieg.
Glück im Unglück für die „Flockies“: Die Konkurrenz im Tabellenkeller vermochte es ebenfalls nicht, Punkte einzustreichen, weshalb im Abstiegskampf alles beim Alten bleibt und der Aufsteiger sich weiter berechtigte Hoffnung machen darf, dass der Aufenthalt im hessischen Oberhaus kein einjähriges Intermezzo bleibt. Die im Spiel gegen den Tabellenvierten Türk Gücü Friedberg gezeigte Leistung war jedenfalls keine, die prototypisch für einen Absteiger stehen kann. Die Elf vom Wetzelsberg zeigte eine von Beginn an sehr engagierte Leistung, war in der Defensivarbeit recht konsequent und wusste in der Offensive gerade über die von Lotfi Graidia und Julian Marquardt besetzten Außenpositionen mit schnellen Aktionen immer wieder für viel Gefahr zu sorgen.
Schneider ist stolz auf sein Team
„Ich bin stolz darauf, der Trainer dieser Mannschaft zu sein. Sie hat heute über die gesamten 90 Minuten ein überragendes Spiel gemacht. Leider haben wir uns dafür nicht belohnt“, zollte SVU-Trainer Mirko Schneider seinen Schützlingen für die gezeigte Leistung viel Respekt. Und dies völlig zurecht, denn sonderlich viele Akzente vermochte die hochgelobte Offensive der Friedberger um Noah Michel und Toni Reljic nicht zu setzen. Zweimal wurde es für das Unter-Flockenbacher Tor im ersten Durchgang aus dem Spiel heraus gefährlich, doch beide Male verzog Demyan Imek im Abschluss knapp (9., 15.).
Doch in diesem Fall gilt die alte Regel: Wenn nicht viel geht, dann muss man es eben mit Standards richten. Genau dies ist dem Tabellenvierten gelungen. Es war in der 41. Minute, als Türk Gücü einen Eckball zugesprochen bekam. Der segelte nach innen, Noah Michel schlich sich in den freien Raum und verlängerte die Hereingabe per Kopf ins lange Eck. Es sollte letztlich das Tor des Tages sein.
Zu diesem Zeitpunkt hätten die Platzherren allerdings schon führen müssen. In steter Regelmäßigkeit wurden über außen schnelle Angriffe vorgetragen, doch entweder fischte der starke Friedberger Schlussmann Vladan Grbovic in höchster Not den Ball bei einem Querpass (11., 27.) oder im Abschluss verpassten die Gastgeber äußerst knapp einen Torerfolg. Die beste Gelegenheit vergab Graidia, der nach einer Rechtsflanke von Kamuff am langen Pfosten lauerte, seinen Kopfball aber nur ans Außennetz setzte (33.).
Nach dem Seitenwechsel wurde es nur einmal gefährlich fürs SVU-Tor, doch Michel verzog knapp (71.). Die Talemer hatten mit Zyprian (50.) und Blüm (53.) gute Chancen. Beide scheiterten an Grbovic. Geschlagen war der Friedberger Schlussmann in der ersten Minute der Nachspielzeit, als Marquardt aus spitzem Winkel abzog. Doch für ihn rettete ein Mitspieler auf der Linie. „Wenn es uns gelingt, diese Leistung in den beiden noch ausstehenden Spielen zu bestätigen, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir uns noch die Punkte holen, die wir benötigen, um weiter in der Hessenliga zu bleiben“, zeigte sich Schneider trotz der Niederlage optimistisch.
Letztes Heimspiel am Sonntag
Deshalb wird es aller Voraussicht auch keine personellen Wechsel geben, wenn der SVU am kommenden Sonntag (14 Uhr) sein letztes Heimspiel der Hessenliga-Saison gegen den designierten Vizemeister FC Gießen bestreitet, obwohl dann voraussichtlich auch wieder Abwehrspieler Ilias Tzimanis zur Verfügung stehen wird. „Die Mannschaft hat heute sehr gut harmoniert, unsere Fünferkette hat gut gestanden. Ich sehe erst einmal keinen Grund, daran etwas zu ändern“, betont der SVU-Coach.
Zwar bleibt abzuwarten, ob der Tabellenzweite noch mit viel Motivation ans Werk gehen wird, nachdem verkündet wurde, dass man nicht an der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga teilnehmen möchte und deshalb die Runde faktisch gelaufen ist. In Erlensee scheinen die Gießener nicht unbedingt vor Engagement gesprüht haben. Zumindest wäre es ein Erklärungsansatz für die deutliche 0:3-Niederlage der Mittelhessen. Doch auf die Lustlosigkeit des Gegners zu vertrauen, wäre für die Unter-Flockenbacher ein Spiel mit dem Feuer. „Wir wissen, was Gießen kann. Wir wissen, welch überragende Offensive sie haben, wir wissen, dass mit Ex-Profi Michael Fink hinten einer steht, der souverän so ziemlich alles wegverteidigt. Insofern müssen wir zusehen, dass wir ihnen bestmöglich den Schneid abkaufen und ihnen den Spaß am Fußball nehmen“, erklärt Schneider.
Niclas Blüm geht nach Bensheim
Derweil basteln die Unter-Flockenbacher bereits eifrig am Kader für die neue Saison – unabhängig davon, ob sie nun weiter in der Hessenliga spielen oder doch den Gang zurück in die Verbandsliga antreten müssen. Wie der Sportliche Leiter Markus Müller bestätigte, sind etliche Gespräche schon weit fortgeschritten. Den SVU verlassen wird indes Niclas Blüm, der zum FC 07 Bensheim zurückkehrt.
SV Unter-Flockenbach: Schütz - Kamuff, Blüm, Graidia, Zyprian, Hebling, Heckhoff, Eckstein, Hammann, Mulligan, Marquardt.
Tor: 0:1 Michel (41.).
Beste Spieler: Mulligan, Graidia, Marquardt – Grbovic. Zuschauer: 300. gie