Handball

Warum die HSG Weschnitztal jetzt sogar ein Titelkandidat ist

Der Tabellenführer der Verbandsliga treibt den Umbruch schnell voran. Die HSG Weschnitztal entfacht bei den Fans neue Euphorie. Wir sagen, wohin das noch führen kann.

Trainer Marcus Gutsche reitet mit der HSG Weschnitztal derzeit auf einer Erfolgswelle.    Bild: Fritz Kopetzky Foto: Fritz Kopetzky
Trainer Marcus Gutsche reitet mit der HSG Weschnitztal derzeit auf einer Erfolgswelle. Bild: Fritz Kopetzky

Sie sind die Mannschaft der Stunde in der Verbandsliga: die Handballer der HSG Weschnitztal. Das Team von Trainer Marcus Gutsche eilt zuletzt von Sieg zu Sieg, führt die Tabelle mit 11:1 Punkten an – und der bislang einzige Punktverlust rührt aus dem 28:28-Unentschieden vom zweiten Spieltag beim TSV Wieblingen, der als Tabellenzweiter den Odenwäldern noch im Nacken sitzt.

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Am Samstagabend um 19 Uhr kommt nun der Liga-Elfte TSV Rintheim in die Weschnitztalhalle nach Mörlenbach und alles andere als ein weiterer Sieg der Odenwälder wäre eine Überraschung. Wir analysieren die Situation.

Was macht die HSG Weschnitztal in dieser Runde bislang so stark?

Eindeutig die Ausgeglichenheit. Der neue HSG-Trainer Marcus Gutsche hat es in kurzer Zeit geschafft, aus vielen guten Individualisten eine homogene Mannschaft zu formen, die auch in schwierigen Situationen Lösungen findet. „Inzwischen ist die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Das ist eine sehr gute Entwicklung“, sieht der Trainer einen positiven Trend.

Gibt es dennoch Schlüsselspieler?

Ja, eindeutig. Spieler wie der routinierte Gerrit Fey oder natürlich Torjäger Aleksandar Mitrovic gehen voran. Doch gerade zuletzt beim 34:24-Erfolg in Eggenstein, als Mitrovic wegen muskulärer Probleme nur wenige Spielminuten hatte, wurde wieder deutlich, dass Weschnitztal über die nötige Tiefe im Kader verfügt und viel Qualität von der Bank bringen kann. Da waren es dann Spieler wie Stefan Dietrich, Markus Wiegand oder auch Lars Heckmann, die in die Bresche sprangen. Und auch von den Außenpositionen kommt Torgefahr, gerade in den letzten Partien war hier deutliche Entlastung für den bis dahin so durchsetzungsstarken Rückraum zu erkennen.

Kann man einen Mannschaftsteil hervorheben?

Nein. Und das ist ein ganz großes Plus der HSG. Sowohl in der Deckung als auch im Angriff kann Weschnitztal variabel spielen und auf verschiedene Systeme zurückgreifen. „Klar ist aber auch, dass eine stabile Deckung es immer einfacher macht. Und da sind dann auch unsere Torhüter ein ganz wichtiger Faktor. Wenn wir hinten gut arbeiten, keine Gegentore kassieren, dann können wir auch ein schnelles Umschaltspiel praktizieren“, so Gutsche.

Ist das Mannschaftsgefüge nach dem Umbruch vor der Saison gefestigt?

Ja, davon muss man ausgehen. Die neuen Spieler haben sich glänzend eingefügt und die Erfolge sorgen natürlich auch dafür, dass die Stimmung gut ist. Für Marcus Gutsche war sogar die Rote Karte vor zwei Wochen gegen Timo Zehrbach in gewisser Weise ein gutes Zeichen: „Da hat man gesehen, dass Leben im Team ist und jeder für jeden einsteht“, so der erfahrene Coach, der aber dennoch froh ist, dass die Drei-Spiele-Sperre für den Leistungsträger nun vorbei ist und er gegen Rintheim wieder mitspielen kann. Ebenfalls wieder dabei ist am Samstag Linkshänder Marius Ott. Und der Trainer ist bestrebt, das Team weiter zusammenzuschweißen. Ein Beispiel: Als Belohnung für die zuletzt starken Leistungen stand am Dienstagabend eine Regenerationseinheit im Miramar in Weinheim an. „So etwas gehört einfach dazu“, findet Gutsche.

Gelingt es der HSG Weschnitztal, das Umfeld mitzunehmen?

Ja, hier wächst etwas, was vor einem Jahr erhofft wurde, aber nicht zwingend zu erwarten war. Nach dem Wechsel aus dem Hessischen Handball-Verband in die Badische Verbandsliga fielen viele Derbys weg, ein Zuschauerschwund war zu befürchten. Doch jetzt – natürlich auch dank des erfolgreichen Saisonstarts – ist Marcus Gutsche begeistert, welch Stimmung bei den Heimspielen herrscht. „Wir haben hier schon Euphorie entfacht und das trägt meine Mannschaft auch ein Stück weit“, so der Trainer.

Ein Sieg am Samstag gegen Rintheim ist am Samstag nur noch Formsache?

„Nein“, widerspricht Gutsche vehement. „Rintheim ist ein absolut ernst zu nehmender Gegner, der schon sehr gute Ergebnisse erzielt hat.“ Bislang sah der HSG-Coach den Liga-Elften zwar nur auf Videos, „aber sie verfügen schon über Qualität und die Liga ist so ausgeglichen, dass man mit ein paar Prozent weniger gegen keinen Gegner gewinnen kann.“

Was ist für die HSG Weschnitztal in dieser Runde noch möglich? Hat sie vielleicht sogar schon das Zeug, um Meister zu werden?

Ja, wenn man von Verletzungen weitestgehend verschont bleibt. Doch der Trainer will – natürlich – das Wort Meisterschaft noch nicht in den Mund nehmen: „Wir sind jetzt die Gejagten und müssen Woche für Woche unsere Leistung bestätigen. Wir tun gut daran, uns auf unsere Spiele zu konzentrieren und weiter gut arbeiten.“

Während die Entwicklung der ersten Mannschaft überaus positiv ist, sieht es bei der HSG Weschnitztal II nicht so gut aus. Droht nach dem Abstieg aus der Landesliga in die Bezirksliga 1 nun schon der nächste Abstieg?

Nein. Zwar war der Saisonstart mit 0:8 Punkten alles andere als ideal, doch Marcus Gutsche hat sich schon Spiele der zweiten Mannschaft angeschaut, unter anderem bei der Niederlage gegen Spitzenreiter Brühl. „Da waren die Jungs lange Zeit auf Augenhöhe. Das sah schon gut aus“, so Gutsche, der überzeugt ist, dass bald die ersten Punkte geholt werden – im Idealfall schon am Samstag ab 17 Uhr im Heimspiel gegen den TSV Rot-Malsch.

Zudem soll zukünftig das Team von Trainer Sascha Clemens auch von dem ein oder anderen spielberechtigten Erstmannschaftsakteur unterstützt werden. „Darauf werden wir in den nächsten Wochen und Monaten schon achten“, verspricht Gutsche, der das Bezirksliga-Team als wichtigen Unterbau ansieht.