Warum sich der SV Fahrenbach aus der Oberliga zurückzieht
Der SV Fahrenbach will sich neu ausrichten. Der Vorsitzende Tino Gölz gibt Einblick in die Planungen. Ein Aushängeschild verlässt den Verein.
Im vergangenen Jahr endete mit dem Rückzug von Eintracht Wald-Michelbach aus der Fußball-Verbandsliga eine Ära im Odenwald. Jetzt ziehen auch die Ringer des SV Fahrenbach einen Schlussstrich und verzichten auf den Startplatz für ihre erste Mannschaft in Oberliga Hessen. In der vergangenen Saison belegten die Fahrenbacher, die zum Oberliga-Inventar gehörten, den sechsten Platz unter sieben Mannschaften.
Fahrenbachs "Neue Mitte"
Kommentar von Bernd Graber
Der SV Fahrenbach ist mehr als ein Verein – der SV ist Fahrenbach. Die vereinseigene Sporthalle ist nicht nur geografisch der Mittelpunkt im Fürther Ortsteil mit seinen rund 800 Einwohnern, wo fast jeder Mitglied im SVF ist. Vieles dreht sich um den betagten Bau, der in den 1950er-Jahren errichtet wurde und später erweitert wurde. Der Zahn der Zeit nagt aber am Fahrenbacher „Herzstück“ und so steht eine aufwendige Sanierung ins Haus, wobei sich der Verein den Ski-Club Fahrenbach mit ins Boot geholt hat.
Das alles kostet sehr viel Geld und die Finanzierung für das Millionenprojekt „Neue Mitte“ steht noch lange nicht. Aber dass es den Vereinsverantwortlichen ernst ist mit der Umsetzung des ambitionierten Vorhabens. zeigt, dass an anderer Stelle gespart wird. Der Rückzug aus der Ringer-Oberliga Hessen hat natürlich noch andere Gründe. Beispielsweise rüsten die Konkurrenten von Jahr zu Jahr mit ausländischen Ringern auf. Um im Spiel zu bleiben, musste auch der SV Fahrenbach mitmachen.
Nicht zuletzt wollte man den Zuschauern, aber vor allem auch dem eigenen Nachwuchs eine attraktive Klasse anbieten. Doch bis auf Dominic Arnold taten sich die Eigengewächse schwer, wenn sie auf einmal gegen internationale Meister oder ehemalige Nationalringer antreten müssen. Letztlich werden 200 Zuschauer auch kommen, wenn die Gegner nicht mehr Goldbach, Gailbach oder Großostheim heißen, dafür aber Fahrenbacher Namen wie Steingrüber, Fellner oder Keil auf der Matte stehen.
Die Schere ging zu weit auseinander und jetzt wurde eben der Schnitt gemacht. Rückzüge sind bei den Ringern sowieso gang und gäbe – vor zwei Jahren wollte beispielsweise die SVG Nieder-Liebersbach den Kraftakt in der nordbadischen Regionalliga (vergleichbar mit der Oberliga Hessen) nicht mehr stemmen. Auch beim KSV Rimbach, immerhin ein Spitzenklub in der 2. Bundesliga, gab es schon Überlegungen, inwieweit man sich diesen Riesenaufwand (in dieser Saison ging es regelmäßig in den tiefen Osten) Jahr für Jahr noch antun will – gerade angesichts in Zeiten, wo überall der Gürtel enger geschnallt wird.
Eine lebendige Dorfgemeinschaft ist in jedem Fall mehr wert, als eine Platzierung in der Oberliga, die im übernächsten Jahr schon wieder vergessen ist.
Der Verein steht damit vor einer Neuausrichtung, heißt es in einer Pressemitteilung des SV Fahrenbach. Die Verbandsrunde war erst wenige Tage abgeschlossen, da liefen bereits die vereinsinternen Abstimmungen zur Planung für die kommende Verbandsrunde 2025. Nach intensiven Beratungen innerhalb der Sportlichen Leitung, mit den Trainern und dem engeren Vorstand fiel die Entscheidung zu einer Veränderung.
20 Jahre eine feste Größe
„Nachdem wir über die vergangenen rund 20 Jahre eine feste Größe in der Oberliga gewesen sind, ist uns diese Entscheidung nicht leichtgefallen. Mit Blick in die Zukunft müssen wir nun aber konsequent eine Neuausrichtung unserer aktiven Ringermannschaften in den hessischen Ringerligen angehen, ohne dabei auf zwei Mannschaften in den hessischen Ligen verzichten zu müssen. Diese Entwicklung hat sich bereits über die vergangenen Jahre abgezeichnet, aus verschiedenen Gründen denken wir jedoch, dass jetzt der Zeitpunkt zum Handeln gekommen ist“, sagt der Vorsitzende Tino Gölz. Der SV Fahrenbach bedankt sich bei allen Ringern, den Trainern, Sponsoren, Ehrenamtlichen und natürlich den Zuschauern für die Unterstützung und das Engagement über die vergangenen Jahre an und auf der Matte sowie hinter den Kulissen.
Insbesondere die Zuschauer konnten über die vergangenen Jahre beobachten, wie sich das sportliche Niveau in der Oberliga immer mehr gesteigert hat. Um mithalten zu können, musste auch der SV Fahrenbach auf einige zusätzliche externe Ringer als Unterstützung zurückgreifen.
Der Sprung ist groß
„Auf der anderen Seite sehen wir eine sehr positive Entwicklung bei der Nachwuchsarbeit, im Bereich der Schüler und Jugend, die sich mittlerweile bereits auch in unserer zweiten Mannschaft bemerkbar gemacht hat. Allerdings ist der Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft für viele Nachwuchsringer mittlerweile zu groß“, sagt Gölz.
Nur wenige Nachwuchsringer aus den eigenen Reihen konnten sich in den vergangenen Jahren fest in der Oberligamannschaft auf höchstem Niveau etablieren. „Direkt nach dem letzten Verbandsrundenkampf wurden deshalb bewusst Gespräche mit einzelnen Ringern geführt, mit denen wir gerne die sportliche Neuausrichtung gemeinsam beschreiten würden, diese Gespräche verliefen positiver als zunächst vermutet“, so Gölz. So bleibt auch das bisherige Trainergespann Frank Münzenberger für die griechisch-römische Stilart und Vadim Sacultan im Freistil an Bord. Sie stehen hinter der Neuausrichtung und bleiben dem Verein erhalten.
Andererseits muss der SV Fahrenbach sein derzeit größtes Nachwuchstalent ziehen lassen. Nachdem Dominic Arnold sich über die vergangenen Jahre durch sehr großes Engagement und mit einer enormen Unterstützung seines Vaters Stefan immer besser entwickelt hat, ist ihm dieses Jahr der große Durchbruch gelungen.
Sportliche Weiterentwicklung
Mit dem Deutschen Meistertitel bei den Junioren und dem Start bei den Europameisterschaften im Frühjahr im Serbien hat er sich jetzt auch in der abgelaufenen Oberligasaison einen Namen und viel Anerkennung bei seinen Gegnern erworben. „Wir haben Dominic von vornherein immer gesagt, dass wir einer sportlichen Weiterentwicklung nicht im Wege stehen werden, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Dominic, der mittlerweile seine Ausbildung zum Polizisten begonnen und dadurch auch von einer Sportförderung profitieren kann, wird und muss sich neuen Gegnern stellen“, sagt der Vorsitzende.
Zweite bleibt in der Landesliga
Der erst kürzlich neu gewählte Präsident des Hessischen Ringerverbandes Karl-Peter Schmitt (Rimbach) wurde bereits über den Rückzug der ersten Mannschaft aus der Oberliga informiert. Die zweite Mannschaft bleibt formal von diesem Rückzug unberührt, diese startet in der kommenden Saison wieder in der hessischen Landesliga, wo sie Vierter wurde.
Wie die finale Konstellation der beiden Mannschaften in der kommenden Verbandsrunde sein wird, ist derzeit noch schwer zu sagen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass bis kurz vor Rundenbeginn noch einiges an Bewegung im System ist, wie zum Beispiel in der abgelaufenen Saison, als der KSC Niedernberg kurz vor Rundenbeginn seine Mannschaft komplett zurückgezogen hatte.
Neue Klasse ist noch ungewiss
„Formal müssen wir nach dem Rückzug aus der Oberliga mit einer Neuansiedlung in der Verbandsliga rechnen. In diesem Fall würde die zweite Mannschaft die neue erste Mannschaft werden, da sie höher angesiedelt. Mittelfristig wird für die erste Mannschaft definitiv die Hessenliga angestrebt. Einerseits können wir unseren Ringern und insbesondere unserem Nachwuchs ein attraktives sportliches Niveau anbieten, andererseits werden die Zuschauer auch weiterhin tolle Kämpfe auf der Matte zu sehen bekommen. Damit stehen dem SV Fahrenbach interessante Jahre bevor“, glaubt Gölz.
Parallel zu der sportlichen Neuausrichtung in der Aushängeabteilung, dem Ringen, laufen die Planungen für eine Sporthallensanierung und Erweiterung bereits auf Hochtouren. Der SV Fahrenbach befindet sich somit endgültig in der Phase, den Verein sowie die vereinseigene Sporthalle für die sportliche, aber auch kulturelle Zukunft fit zu machen. beg/red