Wenn Punkte und Tabellen plötzlich zur Nebensache werden
Spielausfälle, Personalmangel, Vereinsrückzüge – der Amateurfußball kämpft zunehmend mit strukturellen Problemen. Doch ein schwerer Arbeitsunfall eines Spielers der SG Wald-Michelbach zeigte am Pfingstwochenende auch, was den Fußball an der Basis noch immer zusammenhält.
Der Spieltag am ungeliebten Termin zu Pfingsten hat gezeigt: Der Amateurfußball kämpft längst nicht mehr nur um Punkte, sondern zunehmend ums Überleben. Sieben ausgefallene Spiele in den Kreisligen. Kurzfristige Absagen wegen Personalmangels. Mannschaften, die schon frühzeitig aus der Wertung fielen oder wie der SV Bobstadt und der SV Schwanheim nach Ausschreitungen ein Spielverbot auferlegt bekommen haben. Traditionsvereine auf wackligen Beinen. Spielgemeinschaften, die aus der Not heraus entstehen. Mannschaften, die irgendwie noch versuchen, eine Saison zu Ende zu bringen.
Das alles sind längst keine Einzelfälle mehr. Wenn ein Kreisoberligist wie der FV Biblis sein Spiel in Unter-Abtsteinach kurzfristig absagen muss und damit einem langjährigen Trainer wie Marcus Lauer der Abschied vor den eigenen Anhängern genommen wird, zeigt das vor allem, wie dünn inzwischen vielerorts die Personaldecke geworden ist.
Amateurfußball im Wandel
Der Amateurfußball ist im Wandel, und das nicht erst seit gestern. Die Gründe dafür sind vielfältig: weniger Nachwuchs, veränderte Freizeitgewohnheiten, sinkende Verbindlichkeit und die Konkurrenz durch all das, was am Wochenende ebenfalls lockt. Festival statt Fußballplatz. Doch das betrifft nicht nur die Spieler. Auch die Bereitschaft der Vereinsmitglieder, sich für den Klub zu engagieren, nimmt ab. Ohne Kassierer am Eingang oder jemanden am Bratwurststand geht es aber eben auch nicht.
Der jahrzehntelang prägende SV Eintracht Wald-Michelbach hat sich vor Kurzem aufgelöst. Hinzu kommt der Rückzug der SG Wald-Michelbach aus der Gruppenliga. Wie ein geplanter Neustart in der A-Liga aussehen wird und wie beispielsweise der Trainer heißt, dazu hat sich der Verein bislang nicht geäußert. Ein wenig fühlt man sich an das vergangene Jahr erinnert, als Eintracht und die SG Wald-Michelbach gemeinsam eine zweite Mannschaft melden wollten, die nötigen Spieler dann aber doch nicht zusammenbekamen.
Neue Nummer eins in Wald-Michelbach
Mit dem Aufstieg des TSV Aschbach in die Kreisoberliga gibt es eine neue Nummer eins in der Gemeinde. Gemunkelt wird zudem, dass mit dem FC 07 Bensheim ein weiteres „Schwergewicht“ aus der Gruppenliga auf wackligen Beinen steht. SV Lörzenbach und KSG Mitlechtern lassen ihre Spielgemeinschaft in der Kreisoberliga wieder aufleben – weil man ohne Vereinsbrille die Zeichen der Zeit erkennt.
Und dann: Die Relegation auf Kreisebene entfällt. Mal wieder. Wenn das abgeschlagene Schlusslicht FSG Bensheim mit neun Punkten in der Kreisoberliga bleiben darf, fragt man sich natürlich schon nach der sportlichen Wertigkeit. Doch durch Rückzüge und Spielgemeinschaften kommt es immer häufiger zu Verwerfungen, sodass gut gemeinte Planungen am Ende oft nur Schall und Rauch sind.
Große Anteilnahme
Dieses Wochenende hat aber auch gezeigt, was den Amateurfußball trotz aller Probleme immer noch ausmacht: Gemeinschaft. Der schwere Arbeitsunfall eines Spielers der SG Wald-Michelbach hat weit über Vereinsgrenzen hinaus Betroffenheit ausgelöst. Plötzlich wurden Tabellen nebensächlich. Die Anteilnahme für den 29-jährigen Lörzenbacher ist groß.