Vierte Winter-Paralympics

Mit Werkzeugkoffer und Favoritenlast: Forster will genießen

Zum vierten Mal ist Anna-Lena Forster bei Winter-Paralympics, zum zweiten Mal deutsche Fahnenträgerin. Die alpine Skirennfahrerin berichtet über ihre ersten Eindrücke und ihre spezielle Vorbereitung.

Gelöst vor Beginn der Paralympics: Medaillenhoffnung Anna-Lena Forster. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Gelöst vor Beginn der Paralympics: Medaillenhoffnung Anna-Lena Forster.

Cortina d'Ampezzo (dpa) - Anna-Lena Forster hat sich eingelebt auf dem «Campingplatz» in Cortina d'Ampezzo. Einen Tag vor dem Start in ihre vierten Winter-Paralympics mit der Entscheidung in der Abfahrt genoss die 30 Jahre alte alpine Rennfahrerin noch einen trainingsfreien Tag im Athletendorf. «Es ist ein bisschen wie auf dem Campingplatz mit den Mobile Homes, in denen wir wohnen. Aber es funktioniert alles reibungslos», berichtete die viermalige Paralympicssiegerin.

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Die Eröffnungsfeier der 14. Winter-Paralympics am Abend verfolgte sie dann gemeinsam mit der Alpin-Auswahl im Deutschen Haus - und das als Fahnenträgerin des deutschen Teams. Zum zweiten Mal nach Peking 2022 wurde sie für diese Aufgabe ausgewählt, zum ersten Mal aber nimmt sie an der Auftaktshow nicht teil.

Wie alle Nationen schickte auch das Team D wegen der weiten Wege und Wettkämpfe am Samstag keine Sportler ins Amphitheater von Verona. So erlebte Forster schweren Herzens vor dem Fernseher mit, wie sie und ihr Co-Fahnenträger Jörg Wedde aus der Para-Eishockey-Mannschaft nur in einem eingespielten Video die Fahne schwenkten.

Pistenprobleme durch Tauwetter

Seit 1. März ist das Alpin-Team bereits in Cortina. Die Zeit hat Anna-Lena Forster genutzt, um die Strecken auf der Tofana-Piste kennenzulernen und ihren Monoski auf die Verhältnisse abzustimmen. Sorgen bereitet ihr allerdings das Tauwetter in den Dolomiten, wodurch das Training immer schon früh am Morgen stattfand. «Ich bin gespannt, wie sich die Piste entwickelt. Man hat von dem einen auf den anderen Tag beim Abfahrtstraining gemerkt, dass die Piste gelitten hat und es schlagig wurde. Ich glaube, es wird gehen, aber es ist schon grenzwertig mit den Temperaturen», urteilte sie.

Grundsätzlich aber fühlt sie sich bestens vorbereitet und strahlt Vorfreude aus. «Ich möchte Spaß haben und genießen, aber auch zeigen, was ich kann», beschrieb sie das Gefühl. «Andererseits weiß ich natürlich auch um die Erwartungen, dass ich als Topfavoritin gehandelt werde», gab sie zu.

Olympische Rennen als Vorbereitung

In Vorbereitung auf ihre Rennen hat sich die Gesamtweltcup-Siegerin während der Olympischen Spiele auch die alpinen Frauenrennen im Fernsehen angeschaut, um sich ein paar Details abzugucken. «Natürlich ist es spannend zu sehen, wie die Linienführung war und wie es über die Kuppen geht. Ich war erstaunt, wie viele extreme Kuppen es da gibt. Das hatte ich gar nicht so im Kopf. Aber natürlich kommen wir auch langsamer hin als die Nichtbehinderten. Bei uns wird meist geguckt, dass die Kurssetzung nicht zu gefährlich ist», erzählte Forster.

Zudem wurde ihr Monoski optimiert. Erstmals gemeinsam mit der Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte (FES) wurde an ihrer eng anliegenden Carbon-Sitzschale für die beste Position getüftelt. Außerdem fährt sie nun mit einem verbesserten Dämpfungssystem. Durch den Rennsport-Dämpfer werde «die Kraft präzise auf den Ski» gebracht, wie die FES mitteilte. 

Fortschritte durch neue Technik

Für Anna-Lena Forster ist das ein nicht zu unterschätzender Fortschritt. «Ich habe jetzt einen Dämpfer drin, der qualitativ noch hochwertiger ist, wodurch ich besser spüre, was ich noch verstellen muss, damit der Dämpfer mir besser in den Schwung rein- oder aus dem Schwung raushilft und optimal arbeitet. Da haben wir einen großen Schritt gemacht, gerade in meiner bisher nicht stärksten Disziplin Riesenslalom», berichtete sie.

Wegen der ausgefeilten Technik an ihrem Renngerät gehört auch immer ein Werkzeugkoffer zu ihrem Reisegepäck. «Werkzeug und Ersatzteile – deswegen ist mein Skischuh-Rucksack auch immer so schwer. Man muss immer auf alles vorbereitet sein. Und meistens, wenn etwas kaputtgeht, hat man genau das Teil dann doch nicht dabei», erzählte sie lachend. Und weil nicht immer ein Mechaniker bei den Wettkämpfen dabei ist, muss sie auch selbst zu Inbus oder Schraubenzieher greifen. 

«Gerade das Feder-Dämpfer-System habe ich in dieser Saison sehr gut kennengelernt. Ich habe mich damit vertraut gemacht und weiß jetzt auch, wo ich was drehen muss, damit ich eine Verbesserung bekomme», sagte Forster.