Bei der TSG 1862/09 sieht keiner schwarz
Dafür aber einer rot: Marcel Schwöbel fehlt der TSG 1862/09 Weinheim im Verfolgerduell gegen Mühlhausen. Der Umgang mit dem Sponsoren-Rückzug ist gelassen
Das Video der Verbandsliga-Partie beim SV Waldhof II vom vergangenen Sonntag hat sich Lukas Cambeis, Trainer der TSG 1862/09 Weinheim, schon Anfang der Woche angeschaut – nach der Analyse fühlt sich der 33 Jahre alte B-Lizenz-Inhaber in seiner Meinung bestärkt, die er bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff kundgetan hatte: „Wir waren die klar spielbestimmende Mannschaft. Einzig die Durchschlagskraft hat uns gefehlt, um am Ende als Sieger das Feld zu verlassen.“
Doch nach 90 umkämpften, zum Teil sogar hitzigen Minuten stand lediglich ein 1:1 (0:0)-Unentschieden zu Buche. Die TSG musste letztlich sogar froh sein, überhaupt noch einen Punkt geholt zu haben, der Ausgleich durch Kapitän Yannick Schneider gelang nämlich erst in der Schlussminute. Und so kann Cambeis auch dem Remis durchaus Positives abgewinnen: „Das war wichtig für die Moral und angesichts unserer spielerischen Überlegenheit auch hochverdient.“
Keine Zweifel gab es aus Sicht des Übungsleiters an der Roten Karte für Marcel Schwöbel – wenngleich Cambeis auch diesbezüglich seine Aussage vom Sonntag noch einmal wiederholt: „Das Spiel war gespickt von Nickligkeiten, die einfach nicht unterbunden wurden. Die Rote Karte war fast schon eine logische Konsequenz.“ Das Strafmaß für die Tätlichkeit des Weinheimer Routiniers ist zwar noch nicht bekannt, doch ist Cambeis davon überzeugt, „dass das Jahr für Marcel gelaufen ist.“
Erfahrung fehlt
Für den Coach bedeutet das wiederum, dass er im Verfolgerduell am Samstag (14.30 Uhr) gegen den 1. FC Mühlhausen in der Defensive improvisieren muss. Einmal mehr. „Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von David Keller geht uns mit Marcel Schwöbel ein weiteres großes Stück an Erfahrung verloren. Zudem sind beide eminent wichtig für unseren Spielaufbau“, klagt Cambeis. Nichtsdestotrotz ist er überzeugt: „Wir werden auch hierfür am Samstag eine Lösung finden. Wir haben im Kader genug Qualität, um auch ohne Keller und Schwöbel gegen Mühlhausen zu gewinnen.“
Keine Rolle sollte in den Köpfen seiner Spieler der Rückzug des Hauptsponsors zum Saisonende spielen, mutmaßt Cambeis. Die Abteilungsleitung hatte auf Nachfrage dieser Redaktion etwaige Gerüchte am Mittwoch bestätigt, ist aber zuversichtlich, auch im kommenden Jahr eine schlagkräftige Verbandsliga-Mannschaft ins Rennen schicken zu können. Cambeis selbst wusste schon seit längerem Bescheid und zeigt sich zuversichtlich, dass die Lücke im Budget geschlossen werden kann. Sein Fokus richte sich jedoch ausschließlich auf den sportlichen Bereich, betont er. Und da gilt für den ambitionierten Coach: „Wir wollen die nächsten beide Spiele gewinnen, um aus einer guten eine sehr gute Vorrunde zu machen.“
Den Gegner hat Cambeis ebenfalls bereits analysiert – und er weiß: „Mühlhausen hat vielleicht eine etwas andere Struktur als in den vergangenen Jahren, verfügt aber nach wie vor über eine enorme Qualität und einen guten Mix aus starken Talenten und erfahrenen Spielern. Nicht umsonst liegen sie nur zwei Punkte hinter uns und haben somit auch nur drei Punkte Rückstand auf den zweiten Platz.“
In taktischer Hinsicht erwartet der TSG-Coach einen Kontrahenten, der „ein klassisches 4-4-2 oder ein 4-2-3-1 bevorzugt“. Und auch die Schlüsselspieler der Kraichgauer, die aktuell auf Tabellenplatz sechs rangieren, sind für Cambeis und seine Schützlinge beileibe keine Unbekannten. Seit Jahren liefern sich beide Vereine umkämpfte Duelle auf Augenhöhe, der erst 19-jährige FCM-Angreifer Stefano Savarese spielte einst unter Trainer Lukas Cambeis im Nachwuchs des FC-Astoria Walldorf – „und über Nick Huller müssen wir in Weinheim wohl nicht viel erzählen.“
Wiedersehen mit Ex-Weinheimern
In der Tat glänzte Huller im TSG-Dress vor allem in der vergangenen Spielzeit unter Cambeis-Vorgänger Marcel Abele als offensive Allzweckwaffe mit einem Hang zu überraschenden Aktionen. Für Mühlhausen erzielte der „Freigeist im positiven Sinne“ im bisherigen Saisonverlauf drei Tore in zwölf Spielen. Neben Huller ist mit Nik Schmid auch ein zweiter Ex-Weinheimer in Mühlhausen gesetzt. Ein Wiedersehen mit dem zweikampfstarken Mittelfeldspieler wird es für Yannick Schneider und Co. auf dem Platz aber nicht geben: Wie Schwöbel bei den Zweiburgenstädtern brummt auch Schmid eine Sperre ab.