Follo hat italienisches Temperament und australische Gelassenheit
Jaylen Follo erlebte im jüngsten Heimspiel des TSV Sulzbach den bisher spektakulärsten Einsatz im Trikot seines neuen Vereins aus der A-Klasse
Es war ein denkwürdiges Finale, das sich im Heimspiel des TSV Sulzbach am Sonntag zutrug: Bis tief in die Nachspielzeit musste Neuzugang Jaylen Follo bangen, ob sein früher Fehler gegen den bislang makellosen SKV Sandhofen (sieben Siege) vielleicht der entscheidende der Partie sein würde – ehe seine Blau-Weißen ein Wahnsinns-Comeback hinlegten.
Es lief schon die 95. Minute, als sich der 22-jährige Follo nach einem langen Ball beherzt im Strafraum einsetzte, die Kugel dadurch bei Mitspieler Mentor Tafiljaj landete, welcher zum umjubelten 1:1 vollendete. „Wir lagen uns alle jubelnd in den Armen“, blickt Follo auf den Ausgleich, den sich der Außenseiter mit einem couragierten Auftritt verdient hatte – wenngleich unser Fußballer der Woche und „Vorbereiter“ einräumt: „Mein Einsatz war sehr hart, man hätte es auch pfeifen können.“
Zur Person
„Wenn es die Möglichkeit gibt, mit nach vorne zu gehen, dann mache ich das auch – im Team vergleichen sie mich daher mit Bayer Leverkusens früherem Abwehrchef Lucio“, sagt Jaylen Follo ob seines Offensivdrangs, wie ihn Brasiliens 2002er-Weltmeister einst zeigte.
Von seinem Vater Antonio, dessen Oma aus der Nähe von Neapel stammt, habe er seine Affinität für die SSC Neapel, die im Vorjahr nach über 30 Jahren wieder den Gewinn des Scudettos, der italienischen Meisterschaft, feiern durfte – sehr zur Freude Follos.
„Er hat mir all das gezeigt, was ich fußballerisch kann“, sagt Follo über Michael Saager, seinen ehemaligen Trainer beim Heimatverein SG Hemsbach: „Dort habe ich ganz klar die größten Schritte in meiner Entwicklung gemacht.“
Letztlich wertete es der Verteidiger als glückliche Fügung, nachdem Follo früh vom Pech verfolgt gewesen war: Nach einem kurzen Sulzbacher Abstoß rutschte er weg, brachte mit einer unkontrollierten Klärung Mitspieler Tolga Sari in die Bredouille und verschuldete so das 0:1.
Mit dem Riesenjubel nach dem 1:1 war es allerdings nicht getan: Drei Minuten später setzte „Joker“ Moritz Wittenmaier dem Wahnsinn mit dem 2:1-Siegtor die Krone auf (98.). Wieder kamen die Sulzbacher euphorisiert zur Jubeltraube zusammen –„nur noch viel extremer“, blickt Follo lächelnd auf ein Spiel, das er so noch nicht erlebt hat. „Das Ganze zeigt, was für ein super Team wir haben“, sagt Follo: „Wir könnten viel höher stehen.“
Schon viel Pech gehabt
Jenes Glück, das der TSV am Sonntag besaß, hatte man in den Spielen nicht immer. Besonders bitter waren die Pleiten bei der DJK Feudenheim (4:5) und im Derby bei Follos Ex-Club und Heimatverein SG Hemsbach. Dort traf er mit einem seiner drei Saisontore früh zum 1:0, ehe die Partie nach dem zwischenzeitlichen 2:0 in nur elf Minuten eine Wendung erfuhr – und am Ende 3:4 verloren ging. Der Sieg über Sandhofen entschädigt ein wenig für die pechbehafteten Auftritte zuvor. Die Eingliederung beim TSV sei ihm dank der guten Kontakte innerhalb des Teams leicht gemacht worden, unterstreicht Follo. Heimspiel-Held Wittenmaier, der von der TSG Lützelsachsen kam, sei ebenso ein guter Kumpel wie der mit ihm von den SF Heppenheim gewechselte Noel Mora Hernandez. Zudem habe der ebenfalls aus Heppenheim neu zum TSV-Funktionärsteam gestoßene Fabian Wolf beim Wechsel eine wichtige Rolle gespielt.
Im Vergleich komme die hessische Kreisoberliga, wo Follo 27 Mal für Heppenheim auflief, kampfbetonter daher als die Mannheimer A-Klasse. „In Hessen geht alles körperlicher zu. Da muss ich mich auch noch ein bisschen anpassen – ich habe schon jede Menge Gelbe Karten gesammelt“, verrät Follo augenzwinkernd. Es ist wohl eine Erklärung für seinen robusten Einsatz in der Nachspielzeit gegen Sandhofen.
„Einsatz, Wille, Einstellung und Schnelligkeit“ – das zeichne laut TSV-Trainer Ümit Erdem den Sohn eines Italieners und einer Deutsch-Australierin besonders aus. „Ich denke, ich habe eine gute Mischung aus beidem mitbekommen. Das impulsive, südländische Temperament eines Italieners, aber auch die Gelassenheit, die Australier auszeichnet“, erklärt Follo lächelnd. Apropos Australien: Nachdem er im Februar mit seinem älteren Bruder erstmals in „Down Under“ war, ist der nächste Trip dorthin bereits in der Planung – der knappe Monat im Land von Känguru, Koala und Co. war also sehr prägend, doch auch den Wechsel zum TSV hat der Student nicht bereut und dort noch viel vor: „Ein Platz in den Top-Vier ist allemal möglich.“