Last-Minute-Wahnsinn beim TSV Sulzbach
Aus 0:1 wird in der 98. Minute noch der Sieg. Das 2:2 der TSG Lützelsachsen II wird von Verletzung überschattet. Kartenfestival für Schriesheim
Eine total verrückte Nachspielzeit und große Emotionen in Sulzbach: Der TSV hat mit seinem 2:1-Sieg gestern Nachmittag gegen den bisher makellosen SKV Sandhofen einen großen Überraschungscoup in der Fußball-A-Klasse gefeiert. Dabei lagen die Hausherren bis zu 95. Minute noch 0:1 hinten. Unglaublich, was danach geschah.
Die Sulzbacher warfen gegen den Favoriten tief in der Nachspielzeit alles nach vorne, eine Bogenlampe segelte durch Freund und Feind und fand Mentor Tafiljaj: Der ließ sich nicht zwei Mal bitten und schob aus sechs Metern zum Ausgleich ein. Die wütenden Gäste – mit zuvor sieben Siegen aus sieben Partien mit blütenweißer Weste – warfen nun ihrerseits alles in die Waagschale. Und sie verloren. Mit der letzten Aktion der Partie in der 98. Minute eroberte der TSV das Leder in der Defensive und schaltete schnell: Fidan Haxhijaj steckte die Kugel auf Tafiljaj durch, der im Sechzehner überlegt querlegte. Der eingewechselte Moritz Wittenmaier stand goldrichtig und schob zum 2:1-Sieg ein.
Siegtor mit der letzten Aktion
Fast noch überraschender als das Ergebnis war allerdings der Spielverlauf. Denn der Sieg war ob des Spielverlaufs summa summarum nicht unverdient. „Wir haben über 90 Minuten sehr wenig zugelassen und haben bis zur letzten Sekunde dran geglaubt. Die drei Punkte sind insgesamt verdient“, resümierte Co-Trainer Torsten Kordes.
Gleichwohl gab sich der Übungsleiter nach dem Spiel als sehr fairer Gewinner und betonte: „Natürlich hatten wir in der Entstehung des Sieges auch Glück. Dem Tor zum 1:1 ist eigentlich ein Foul von uns vorausgegangen“, sagte Kordes. Jaylen Follo hatte sich beim langen Ball im Sechzehner mit etwas zu viel Körpereinsatz Platz verschafft, bevor die Kugel letztlich beim Torschützen landete. Der TSV-Verteidiger stand ohnehin im Blickpunkt. Vorm 0:1 blieb Follo nach einem kurzen Abstoß im Rasen hängen und traf beim Klärungsversuch Tolga Sari. Dessen Oberschenkel servierte den Ball unfreiwillig an den einschussbereiten Stürmer der Gäste. ksm
TSV 1887 Sulzbach: Pollmann; Fischer, Follo, Gugenheimer, Tafiljaj, Sari (63. Wittenmaier), Kamuff, Lahr (79. Bekyigit), Von Scheidt (63. Amadu), Yildiz, Haxhijaj (90.+3 Seiler).
Tore: 0:1 Kqiku (9.), 1:1 Tafiljaj (90.+5), 2:1 Wittenmaier (90.+8).
Weinheim beweist Kampfgeist
Erst wacklig, dann souverän: Die TSG 1862/09 Weinheim II hat das Verfolgerduell mit der DJK Feudenheim in der Fußball-A-Klasse knapp mit 1:0 für sich entschieden. Jan Turcanu entschied die Partie mit dem Treffer des Tages nach einer halben Stunde.
Eine schöne Kombination mit einem langen Ball hinter die Abwehrkette und ein sauberer Abschluss von halb rechts stellten den Spielverlauf zu diesem Zeitpunkt auf den Kopf – und markierte den Brustlöser für die Weinheimer Zweitvertretung. „Das hat uns Sicherheit gegeben, davor hatten wir Glück, nicht hinten zu liegen“, betonte TSG- Coach Andreas Dörrlamm. Gegen die DJK tat sich seine Elf schwer, ins Spiel zu finden. Der Pfosten und TSG-Schlussmann Inaki Rohrbach hielten zunächst das Unentschieden fest. Im Anschluss kämpfte sich die TSG II aber in die Partie und spielte den Sieg vor allem im zweiten Durchgang souverän zu Ende.
Die Defensive stand bombenfest und ließ kaum noch eine Szene im eigenen Strafraum zu. „Nach der Führung war es eine geschlossene Mannschaftsleistung. Wir haben uns gesteigert und uns die drei Punkte letztlich auch verdient“, befand Dörrlamm. Die TSG II klettert damit auf Rang fünf und bleibt oben dran. ksm
TSG 1862/09 Weinheim II: Rohrbach; Amegah, Benbiga, Herrmann, Ince (74. Ayarig), Obermann, Turcanu, Laudenklos, Fiederlein, Aliev (46. Gön), Benbougdi (65. Fuchs).
Tor: 1:0 Turcanu (30.).
Leutershausen verliert auch Kellerduell
Der FV Leutershausen II hat das Kellerduell der Fußball-A-Klasse gegen den FC Phönix Mannheim mit 1:3 verloren. Anstatt sich gegen das Schlusslicht ein bisschen Luft im Tabellenkeller zu verschaffen, spitzt sich die Lage beim Aufsteiger nun noch weiter zu. „Heute war es ein großes Stück Einstellungssache. Vielleicht haben manche gedacht, es gibt einen Selbstläufer, da Phönix ohne Punkte angereist war“, sagte Spielleiter Marcel Fischer.
Insgesamt war es ein Spiel auf ganz schwachem Niveau, die tabellarische Situation wurde durch die Leistungen widergespiegelt. Besonders bitter: Nach dem 0:1 durch Foued Ferchichi (24.) musste Leutershausens Torwächter Maximilian Bordt verletzt ausscheiden, für ihn kam Geronimo Instynski.
Nach dem Seitenwechsel hatten Marco Harbarth und Frieder Pfefferle zwei Großchancen, um den Ausgleich zu erzielen. Dieser gelang Jan Davydov mit einem direkt verwandelten Freistoß (81.). Es schien, als läge der Dreier auf dem Silbertablett, da Phönix die Luft auszugehen schien. Doch eine Verkettung von Fehlern führte zum 1:2 von Brian Opoku (85.), das 1:3 in der Nachspielzeit von Elhassane Laaguidi war fast schon bedeutungslos. wy
FV Leuterhausen II: Bordt (26. Instynski); Brand, Strohmenger (46. Schmitt), Harbarth (69. Sättele), Jungmann, Davydov, Kiehne, Bernd, Gellert (42. Pfefferle), Helm, Kirsch. Tore: 0:1 Ferchichi (24.), 1:1 Davydov (81.), 1:2 Opoku (85.), 1:3 Laaguidi (90.+5).
Gelb-rote Karte: Hagen (MFC) wegen wiederholten Foulspiels (90.+8).
SG Hemsbach in der Abwärtsspirale
Jetzt ist doch das passiert, was die Verantwortlichen der SG Hemsbach in dieser Saison der Fußball-A-Klasse hatten vermeiden wollen. Die Mannschaft von Trainer Luciano Monachello steht nach jetzt vier Niederlagen in Folge auf dem drittletzten Tabellenplatz. Nach acht Spielen hat die SGH erst sechs Punkte vorzuweisen. War das 0:2 gegen Feudenheim mit zwei Gegentoren in der Nachspielzeit am Donnerstag noch unter der Kategorie unglücklich einzuordnen, standen die Bergsträßer gestern beim 0:5 (0:3) gegen den Tabellendritten SC Käfertal II völlig neben sich.
„So gut, wie wir am Donnerstag gespielt haben, so schlecht war das heute“, sagte SGH-Pressewart Thomas Mahler, der keine einzige echte Torchance der Hemsbacher sah. Beim 0:3 zur Pause konnte sich Hemsbach bei Vertretungstorwart Marlon Seyfarth bedanken, dass der Rückstand nicht noch größer war. Der A-Jugend-Keeper springt aktuell für Sascha Zimmermann ein, der am Donnerstag mit einem Nasenbruch vom Platz musste. Im zweiten Durchgang war die SGH etwas besser drin, doch selbst ein an Edon Murtezi verschuldeter Elfmeter fand nicht den weg ins Käfertaler Tor. Mo Amallah vergab Und als wäre das Ganze nicht schon schlimm genug, verletzte sich auch noch Fofana Pamalick am Knie. AT
SG Hemsbach: Seyfarth; Rettig (46. Pascarella), Stadlmüller, Amallah, Shala, Pamalick (20. Acar), Reich, Rudi (60. Murtezi), Röller, Manniello (46. Jung), Magel (69. Terrazzino).
Tore: 0:1 Khosravi, 0:2 Lauer (27.), 0:3 Hammel (45.+7), 0:4 Ounouh (48.), 0:5 Bertsch (75.).
Schwacher Auftritt von United
Der SC United Weinheim musste sich bei der SG Mannheim mit 1:3 geschlagen geben. Verdientermaßen wie Spielleiter Sükrü Cansiz empfand: „Wir haben heute verdient verloren, wir haben nicht gut ins Spiel gefunden und uns über 90 Minuten zu wenig Chancen erarbeitet.“ Die SG Mannheim auf der Gegenseite war hingegen sehr effektiv vor dem Tor und brauchte nur wenige Anläufe für die drei Treffer. Nach der Pause zog die SG bis auf 3:0 davon.
Für United lief aus dem Spiel heraus wenig. Einzig durch einen Foulelfmeter gelang den Weinheimern ein Treffer. Dieser fiel jedoch erst in der 82. Minute – zu spät für eine Aufholjagd. Durch die Niederlage gegen den Tabellennachbarn, muss United die SG an sich vorbeiziehen lassen und rutscht auf Rang zehn. Von den eigenen Ansprüchen sind die Weinheimer damit aber noch entfernt.
„Umso ärgerlicher, weil die Konkurrenz heute auch hat Punkte liegen lassen. Da hätten wir mit einem Sieg etwas gutmachen können“, sagte Cansiz. Während die Gastgeber auf dem großen Rasenplatz aber gleich „losballerten“, brauchte Weinheim einfach zu lange, um ins Spiel zu kommen. „Wir haben letztlich unsere Freiräume einfach nicht nutzen können.“ ts
SC United Weinheim: Omerovic, U. Yücel, Ferrarese, Abbas, Güner, Mehmeti (56. K. Yücel), M. Yücel (68. Kocapinar), Gürsoy, K. Kapucu, Kaya, M. Kapucu.
Tore: 1:0 Dominkovic (17.), 2:0 Zaler (57.), 3:0 Zaler (65.), 3:1 Gürsoy (82.)
Fünf Platzverweise im Derby
Am achten Spieltag der Fußball-A-Klasse ging Fortuna Heddesheim II beim 1:2 gegen die SG Viernheim zum ersten Mal als Verlierer vom Spielfeld. In einem hitzigen Spiel mit insgesamt fünf glatt Roten Karten war die SG über 90 Minuten insgesamt die bessere Mannschaft. „Wir waren heute einfach zu schlecht, um in Viernheim Punkte zu holen“, lautete das ernüchternde Fazit des angefressenen Pressewarts Wolfgang Geißinger.
In einer unspektakulären ersten Halbzeit ging der Gastgeber in der 37. Minute in Führung und hatte bis dahin auch mehr vom Spiel. Gleiches Bild nach dem Seitenwechsel, die Fortuna war zu ungefährlich und hatte Probleme mit den Platzverhältnissen in Viernheim. Nach dem 2:0 in der 54. Minute wurde es unschön. Schiedsrichter Harald Haas musste in Minute 63 gleich drei Rote Karten auf einmal verteilen: Zweimal erwischte es Viernheimer Spieler, außerdem den gerade eingewechselten Hassanzadeh. Heddesheim bäumte sich in Überzahl gegen die drohende erste Saisonniederlage. Arbenit Hoti brachte seine Farben mit seinem Treffer zum 2:1 wieder zurück ins Spiel. Viel Spielfluss kam dennoch nicht zustande. Nach hartem Einsteigen von Adrian Pugar sah sich der Referee zum vierten Mal gezwungen, Rot zu zücken. Als direkte Reaktion auf dieses Foulspiel gab es eine Beleidigung aufseiten der SG, was erneut zu Rot führte. Am Spielstand änderte das nichts. ts
FV Fortuna Heddesheim II: Weilbuchner; Beutel, Mildenberger, Pugar, Haun, Dehka (57. Diehm), König (55. Hassanzadeh), Sammet (90+6. Lehmann), Horak (68. Jaiteh), Wetzel, Hoti.
Tore: 1:0 Köse (37.), 2:0 Kamara (54.), 2:1 Hoti (76.)
Rote Karten: Hassanzadeh (63.), Dirican (63.), Boyzen (63.), Pugar (86.), Köse (87.).
Tiefschlag für Schriesheim
Da fehlten selbst Michael Eisenhauer die Worte: „Das Spiel muss ich erst mal verdauen. Das habe ich so auch noch nicht erlebt“, sagte der erfahrene Übungsleiter nach einer turbulenten A-Klassen-Partie. Seine Elf kassierte bei Blau-Weiß Mannheim nicht nur überraschend eine 0:6-Klatsche, sondern auch drei Platzverweise. Mehr als zwei Stunden nach Abpfiff hatten die Schriesheimer dafür noch keine Erklärung.
Für die Gäste nahm das Unheil in der 9. Minute seinen Lauf. Simon Renard klärte eine brenzlige Situation an der Strafraumkante. Der Unparteiische wertete das als Foul und sah das Vergehen im Sechzehner. Die Folge: Elfmeter und Rote Karte. „Keine gute Ausgangslage, trotzdem hatten wir das Spiel im Griff“, betonte Eisenhauer.
Aus Schriesheimer Sicht folgten auf den ersten Platzverweis aber mehrere, fragwürdige Situationen. Den vermeintlichen Ausgleich – einen Lattenkracher – sah der Schiri vor der Linie. Stattdessen erhöhte Mannheim vor der Pause auf 3:0. Auf dem Weg in die Kabine sah SVS-Torhüter Luca Menges Rot, der bereits ausgewechselte Yusupha Sarr in der Nachspielzeit am Ende das Spiels. Warum? „Wissen wir auch nicht“, sagte Eisenhauer. ksm
SV Schriesheim: Menges; Batt (75. Köhler), Zschippig (46. Greiser), Markus, Sarr (49. Esposito), Plewa (83. Täffner), Petzoldt, Renard, Comma, Richter, Braun.
Tore: 1:0 Stich (10., Foulelfmeter), 2:1 Morsch (22.), 3:0 Chourafi (43.), 4:0 Leuthner (67.), 5:0 Oberdorf (74.), 6:0 Oberdorf (77.).
Besondere Vorkommnisse: Rot gegen Renard (9.) und Menges (45.+2), Gelb-Rote Karte Sarr (90.+1).
Bittere Nachspielzeit für Lützelsachsen II
Wenn das Ergebnis zur Nebensache wird: Eigentlich hatten die Verantwortlichen der TSG 92/09 Lützelsachsen II nach dem Abpfiff in Blumenau allen Grund, sich beim 2:2 über zwei verschenkte Punkte zu ärgern. Stattdessen waren Spieler und Betreuer mit ihren Gedanken bei Luca Fath.
Der Außenverteidiger kam in der 90. Minute bei einem Kopfballduell zu Fall, sein Gegenspieler landete unglücklich auf dem Lützelsachsener. Fath musste mit Atemproblemen vom Platz. Während er sich mit zwei Mitspielern auf den Weg ins Krankenhaus machte, musste der TSGler in der durch die Verletzung entstandenen Nachspielzeit noch mit ansehen, wie sein Team die 2:1-Führung in der letzten Aktion des Spiels aus der Hand gab. „In der Kombination für uns maximal bitter und ärgerlich“, konstatierte Co-Trainer Oliver Kratzer, der aber auch zugab: „Von den Kräfteverhältnissen im Spiel ist das Unentschieden verdient.“
Den Bergsträßern gehörte die erste Halbzeit. Lukas Heine scheiterte per Freistoß am Aluminium, Colin Schwerdtfeger vollendete einen schönen Spielzug über Daniel Mommertz zur Führung. Nach dem Seitenwechsel erhöhte der Vorlagengeber selbst auf 2:0, ehe die Hausherren die Schlagzahl erhöhten und durch einen unübersichtlichen Handelfmeter verkürzten. ksm
TSG 91/09 Lützelsachsen II: Reiboldt; Ligendza, Fath (90. Cano), Schwerdtfeger (86. Abdalla), Kuchenbecker, Bouramdane (81. Rech), Heine (59. Schuhmann), Knäblein, Stiborsky, Engel, Mommertz.
Tore: 0:1 Schwerdtfeger (41.), 0:2 Mommertz (61.), 1:2 Paulus (74., Handelfmeter), 2:2 Nrecaj (90.+4).