Hohensachsens neuer Trainer hat ein Auge für Talente
Thorsten Krüger, der Neue an der Seitenlinie, will mit den Frauen der SG Hohensachsen angreifen und sieht in der Mannschaft und im Verein sehr viel Potenzial
Als sich Thorsten Krüger zum ersten Mal auf den Weg nach Hohensachsen machte, um sich anzuhören, was sein neues Aufgabengebiet sein könnte, hatte er sich gedanklich schon eine respektvolle Absage zurechtgelegt. Zu intensiv war seine Aufgabe in der Talentförderung beim Badischen Fußballverband, zu einnehmend seine Arbeit als Führungskraft mit Personalverantwortung. Als er nach dem Gespräch mit Friederike Kohl wieder ins Auto auf den Heimweg nach Wallstadt stieg, war für ihn klar: „Es gibt keine Ausrede, das nicht zu machen. Das fühlt sich alles richtig an.“
Zur Person
Thorsten Krüger kommt aus Wallstadt, spielte als Linksfuß selbst aktiv bis zum Alter von 21, ehe er aus zeitlichen Gründen wegen Abendschule und Fortbildung seine Fußballerkarriere ad acta legte.
Mit 17 übernahm er aber schon die erste Jugendmannschaft als Trainer, war zuletzt auch badischer Auswahlcoach. Für den bfv betreut er die weiblichen U12-Talente. Aktuell macht er die Fortbildung zum B-Lizenz-Kompaktkurs.
Der 41-jährige Vater eines jetzt zum Handball gewechselten Sohnes (12) („Da motzen die Eltern deutlich weniger“) und einer das Fußballtor hütenden Tochter (14) lernte seine Frau auf dem Fußballplatz kennen, wo sie für den SSV Vogel-stang im Tor stand.
Krüger arbeitet als Teamleiter bei Daimler Truck.
Seit 1. Juli schart Krüger die Fußballerinnen der SGH um sich und offenbar haben sich da zwei Seiten gesucht und gefunden. „Rike kennt meine Trainingsphilosophie, weiß, was ich erreicht habe. Und als ich dann noch gehört habe, was die Mannschaft wie erreichen will, dass sie weiter Ambitionen für den Aufstieg hat, war klar: Das passt.“ Als dann auch noch seine 14-jährige Tochter den Wunsch geäußert hatte, künftig das Hohensachsener Tor hüten zu wollen, passte das Paket.
Thorsten Krüger kommt mit Empfehlungen an die Bergstraße: U12-Mädchen-Stützpunkttrainer in Mannheim, badischer Auswahltrainer dieser Altersklasse, 16 Jahre lang Vereinstrainer im männlichen und weiblichen Nachwuchsbereich. Mit der SG Hohensachsen hat der 41-Jährige nun die erste aktive Mannschaft übernommen. „Viele sind erst 17,18, der Altersschnitt ist sehr jung. Natürlich wird das etwas anderes werden, gerade auch, weil das für Hohensachsen nach dem jahrelangen Engagement von Sascha Harbarth (Anm. d. R.: scheidet aus familiären Gründen aus) ja eine eingeschworene Truppe ist und jetzt jemand von Außen dazukommt.“
Genau darin liegt aber auch der Reiz. In den Gesprächen mit den Mannschaftsführerinnen Yasmina Jeppener und Anna Rüsing sei sehr schnell herausgekommen, dass man dasselbe wolle. „Meine Frau hat jahrelang beim SSV Vogelstang gespielt, von daher haben wir verfolgt, was in Hohensachsen aufgebaut und wie bei der SGH Fußball gespielt wurde. Was letztlich zum Aufstieg gefehlt hat, waren die Tore, ganz oft hat die Mannschaft die Gegner ja dominiert. Und da ich ein absoluter Fan von Offensivfußball bin, gehen wir das Projekt jetzt eben an.“
Knapp verpasster Aufstieg
2023 war Hohensachsen trotz Staffelsieg in den Aufstiegsspielen nur hauchdünn am Aufstieg gescheitert, in der abgelaufenen Saison war ein Sechs-Punkte-Rückstand nach vermeidbaren Niederlagen gegen Ketsch und Viernheim in der Saison nicht mehr aufzuholen, die SGH schloss als Dritter ab. „Wir haben eine sehr junge, richtig gute Mannschaft in einem sehr guten Kader mit Spielerinnen wie Yumana Würz, die für Hoffenheim bereits B-Juniorinnen-Bundesliga gespielt haben. Und: Ich wollte von Sascha keine Aufstellung, alle starten bei null. Ich werde mir auch die zweite Mannschaft anschauen, das wollen wir besser vernetzen“, sagt Krüger, der nichts von Startgarantien hält, weder sportlich noch beruflich.
Sehr viel allerdings vom Konzept des „Home of the Girls“ in Hohensachsen. Im Trainerstab fast jeder Jugendmannschaft ist auch eine Frauenspielerin dabei. „Das vermittelt einen wichtigen Ausblick nach oben“, sagt der Mann, der bei der SGH einen transparenten Plan hinter der Mädchenförderung sieht. Und mit der Förderung junger Talente kennt er sich ja bestens aus.
Wer Lust auf das Frauen-Training in Hohensachsen hat, kann aktuell montags von 19.30 bis 21 Uhr, mittwochs von 18.30 bis 19.45 Uhr und freitags 19.30 Uhr bis 21 Uhr am Langewiesenweg vorbeischauen.