HSG-Trainer Jürgen Al-Shawany rauft sich die Haare
Weinheim/Oberflockenbach muss sich Oberliga-Spitzenreiter Heddesheim beugen. Alina Holzer und Annika Schlechter überragen.
Weinheim. 20 Minuten lang sah es so aus, als könnte Aufsteiger HSG Weinheim/Oberflockenbach den Oberliga-Handballerinnen der SG Heddesheim ein Bein stellen. Nach furiosem Start (5:1/5.) hatte Katharina Propp gerade das 9:7 erzielt. Dann jedoch machte der Spitzenreiter in der Weinheimer TSG-Halle ernst. Angeführt von der überragenden Alina Holzer und eine ganz starke Defensive drehten die Heddesheimerinnen das 10:9 (23.) in den 12:14-Pausenstand und gaben diese Führung im zweiten Durchgang auch nicht mehr ab.
HSG Weinheim - SG Heddesheim 21:28
Weinheim/Oberflockenbach: L. Propp; Weiß, Fath (1),Püschel (5), Pinto Pareja, Amann (1), Müller (9/6), Karl (1), Berger, Funder, K. Propp (4).
SG Heddesheim: Schlechter; Münch, Knaub (zu je einem Siebenmeter); Dielmann (1), Hildenbrand (2), Pugar (5/3), Holzer (13/2), Francis (2), Scheiner (2), Hörl, Butschek (1), Gedik, Vetter (1), Matthes.
Schiedsrichter: Hofmann/Rogner.
Zuschauer: 110.
Siebenmeter: 9/8 - 4/4.
Zeitstrafen: 8:12 Minuten.
Ballverluste: 14:17.
Fehlwürfe: 33:19.
Paraden: Propp 12 - Schlechter 23, Knaub 1/1.
Beste Spielerinnen: L. Propp - Schlechter, Holzer.
Spielfilm: 4:1, 7:3, 9:911:12, 12:14; 12:16, 15:19, 17:19, 17:21, 19:21, 20:22, 20:28, 21:28.
Das 21:28-Endergebnis steht jedoch deutlicher da, als es das Spiel vermuten lässt. Denn die Heddesheimerinnen taten sich schwer bei einer stark dezimierten Mannschaft, in der es nur noch zehn Feldspielerinnen auf den Bogen schafften. Neuzugang Jolina Reschke war verhindert, Anika Mackert fällt nach einem unglücklichen Zusammenprall mit einer Mitspielerin seit dem Spiel gegen Rintheim mit einem Bandscheibenvorfall für den Rest der Saison aus. Am Ende mussten Miriam Müller, Julika Fath und Katharina Propp im HSG-Rückraum nahezu durchackern. Letztlich fehlte die Kraft und gegen die im zweiten Durchgang sicher stehende SG-Deckung mit Alina Holzer, Selina Pugar, Britta Butschek und Kathrin Scheiner auch die Ideen. Was dennoch aufs Tor kam, wurde oft zur sicheren Beute der erneut starken Heddesheimer Torfrau Alina Schlechter, die es auf gleich 23 Paraden brachte. Eine irre Quote bei nur 21 Gegentoren.
„Wir hatten einen schwachen Start, waren in der Abwehr nicht wach und haben die schnellen Gegentore kassiert, die wir vermeiden wollten. Nach der Auszeit lief es besser, auch wenn die Außen immer noch zu oft zum Wurf kamen“, war Heddesheims Trainer Branko Dojcak letztlich mit dem Ergebnis zufrieden. „28 Tore in einer harzfreien Halle muss man erst mal werfen.“
Al-Shawani: „Wieder zu unclever“
Weniger glücklich geht Weinheims Trainer Jürgen Al-Shawani in die faschingsbedingte Spielpause. Denn unabhängig von der prekären Personallage sah der Aufstiegscoach durchaus Chancen auf etwas Zählbares. Denn gleich zweimal kämpften sich die Gastgeberinnen bis auf zwei Tore heran, hatten beim 20:22 die dicke Chance bis auf ein Tor heranzukommen. Doch dann vergab Katharina Propp gegen die eingewechselte Katja Knaub den einzigen Weinheimer Siebenmeter und im nächsten Angriff spielten die Gastgeberinnen ihr Überzahlspiel zu schlampig aus. Nadine Funder scheiterte auf Linksaußen gegen Annika Schlechter. Im Gegenzug zeigte Heddesheim, wie es besser geht, als Alina Holzer Noa Francis am Kreis bediente. Das 20:23 per Pugar-Siebenmeter (53.) war der Brustlöser. Und am Ende ließen sich die demoralisierten Gastgeberinnen dann in einer eigentlich engen Partie noch überrennen.
„Wir machen einfach die Big Points nicht. Kommen wir auf dieses eine Tor heran, wird es noch einmal eng“, sah HSG-Trainer Al-Shawani einmal mehr die fehlende Cleverness als Knackpunkt. „Wir haben als Aufsteiger in dieser neuen Liga leider nicht das Jahr uns zurechtzufinden. Eigentlich hätten wir das taktische Repertoire, gerade in der Abwehr variabel agieren zu können. Doch krankheitsbedingt war diesmal nicht viel drin, da hat am Ende einfach die Luft gefehlt.“ Während Heddesheim die Spitze behauptete, will Weinheim versuchen, zumindest Platz sechs oder sieben zu erreichen, der zur Oberliga-Relegation berechtigen würde.