Fußball-EM

Spanien oder England: Wer wird Europameister?

Während Handball-Torwart Raúl Lazaro Garcia am Sonntag in Berlin den Iberern die Daumen drückt, glaubt Frank Schüssler an die individuelle Klasse der Briten.

Padre Alberto und Raúl Lazaro Garcia vor dem Düsseldorfer EM-Stadion am Rande des Vorrundenspiels zwischen Spanien und Albanien. Foto: Raúl Lazaro Garcia
Padre Alberto und Raúl Lazaro Garcia vor dem Düsseldorfer EM-Stadion am Rande des Vorrundenspiels zwischen Spanien und Albanien.

„Holland wäre mir als Gegner lieber gewesen“, sagt Raúl Lazaro Garcia mit Blick auf den spanischen Finalgegner bei der Fußball-EM. „Deren Spielstil hätte uns wahrscheinlich auch besser gelegen“, mutmaßt der 32 Jahre alte Torwart von Handball-Badenligist HW Plankstadt, der mit seiner Familie in Ladenburg wohnt, aus der Jugend der SG Heddesheim stammt und vor seinem Wechsel nach Plankstadt viele Jahre das Tor der SG Leutershausen hütete.

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Nun aber heißt der Gegner am Sonntag in Berlin für die „Selección“ aber nicht Niederlande, sondern England. Und vor den „Three Lions“ hat der Sohn eines spanischen Vaters und einer deutschen Mutter gehörigen Respekt – obwohl sich die Mannschaft um Trainer Gareth Southgate bislang eher durch das Turnier gemogelt hat, anstatt fußballerisch zu glänzen.

Mit Abstand wertvollster Kader

„England hat noch nicht wirklich gut gespielt, aber trotzdem das Finale erreicht. Sie sind bislang deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben“, sagt Raúl Lazaro Garcia und verweist dabei vor allem auf den Marktwert von mehr als 1,5 Milliarden Euro, den das Onlineportal transfermarkt.de für den gesamten englischen Kader errechnet hat.

Genau diese Statistik macht dem 32-Jährigen, der gemeinsam mit seinem Vater Alberto das Vorrundenspiel der „Furia Roja“ gegen Albanien in Düsseldorf gesehen hat, aber auch Mut: „England hat vermutlich die wertvolleren Einzelspieler, bei Spanien ist dagegen trotz der individuellen Klasse von Lamine Yamal, Nico Williams oder Rodri das Kollektiv für den Erfolg verantwortlich.“

Lange auch als Schiedsrichter aktiv

Mit Padre Alberto teilt der Filius aber nicht nur die Sympathien für die spanische Fußball-Nationalmannschaft: Wie einst der Vater hütet auch Raúl das Handballtor, zudem sind beide in der Region als Handball-Schiedsrichter bekannt – wenngleich Raúl dieses Ehrenamt ruhen lässt, seit er vor eineinhalb Jahren erstmals Vater geworden ist.

Gleichwohl achtet er natürlich nach wie vor auch auf die Leistungen der Schiri-Kollegen – im Handball wie im Fußball. Fast schon klar also, dass er auch die anhaltende Diskussion um den möglichen Handelfmeter verfolgt, der der deutschen Elf im Viertelfinale just gegen Spanien verweigert wurde.

Klare Meinung zur Handspiel-Regel

„Die kontroverse Handspiel-Regel kapiert doch keiner mehr. Ich auch nicht“, sagt Lazaro Garcia. Sein Rat an die Verantwortlichen: „Mit einer einheitlichen Regelung muss hier endlich Klarheit geschaffen werden – auch um die Akzeptanz der Schiedsrichter nicht weiter infrage zu stellen.“

„Mit einer einheitlichen Regelung muss hier endlich Klarheit geschaffen werden – auch um die Akzeptanz der Schiedsrichter nicht weiter infrage zu stellen.“ (Raúl Lazaro Garcia)

Eine Regeländerung hingegen begrüßt der Referee „in Elternzeit“: „Die Meckereien im Fußball haben längst Überhand genommen. Es ist deshalb richtig, dass sich inzwischen nur noch der Kapitän beim Schiedsrichter beschweren darf. Die Kollegen sollten aber darauf achten, die Kommunikation mit den Spielern nicht zu vernachlässigen. Genau das zeichnet schließlich einen guten Schiedsrichter aus.“

Mit Plankstadt in die Oberliga

Raúl Lazaro Garcia selbst widmet sich in sportlicher Hinsicht seit einem Jahr nur noch dem Job zwischen den Pfosten. Auch in der neuen Saison wird er dies für die Handball Wölfe Plankstadt tun, mit denen er die Qualifikation für die neue Oberliga in Angriff nehmen möchte.

„Hierfür müssen wir mindestens Fünfter werden“, weiß er. Doch er ist guten Mutes, dieses Ziel auch zu erreichen. „Wir haben uns gut verstärkt und einen tollen Teamgeist.“ Wie die spanischen Fußballer. Denen traut er auch im siebten Turnierspiel einen Sieg zu: „Ich bin optimistisch. Spanien gewinnt 2:1.“

Viele tippten auf England

Einen Fan der Engländer für eine Prognose zum EM-Finale zu gewinnen, gestaltete sich deutlich schwieriger. Gleichwohl gibt es nicht wenige Kenner der hiesigen Fußballszene, die die Southgate-Elf mit Blick auf den Titelgewinn von Beginn an auf der Rechnung hatten: angefangen bei TikToker Okan Ceneli, über Frank Schüssler, den Trainer von Kreisligist TSG Lützelsachsen, oder die Flockenbacher Trainer-Legende Mirko Schneider bis hin zu Sükrü Cansiz, der Stimme des A-Klassisten United Weinheim.

Ceneli und Cansiz machen nun, kurz vor dem Finale, allerdings keinen Hehl mehr daraus, dass ihnen ein anderer Europameister lieber wäre. Schon in seinem persönlichen Ranking der Halbfinalisten setzte der TikToker die Engländer nur auf Platz vier – „weil sie uns verhöhnt haben, nachdem wir gegen Spanien ausgeschieden waren und grundsätzlich schon immer unsympathisch gewesen sind.“

"Feuerwerk ist bislang noch ausgeblieben"

Etwas diplomatischere Worte findet Sükrü Cansiz: „Ich fühle mich mit meinem Tipp durchaus bestätigt, der englische Fußball gefällt mir aber nicht. Ja, sie haben sich im Halbfinale gesteigert, aber ich hatte mir von dieser Mannschaft ein echtes Feuerwerk erhofft – und das ist bislang leider ausgeblieben.“ Er würde den Titel inzwischen eher den Spaniern gönnen, räumt Cansiz abschließend ein.

Sükrü Cansiz hätte sich gerne ein "englisches Feuerwerk" gewünscht. Foto: Philipp Reimer Photography
Sükrü Cansiz hätte sich gerne ein "englisches Feuerwerk" gewünscht.

Fast genauso nüchtern und abgeklärt, wie die Engländer bislang ihren Stiefel heruntergespielt haben, bewertet unterdessen Frank Schüssler die Ausgangslage vor dem großen Finale. „Ich habe gesagt, dass England Europameister und Harry Kane Torschützenkönig wird. Beides ist noch möglich und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass auch beides eintreffen wird.“

Kane und Olmo: Ein zweiter Titel lockt

Kane, der gemeinsam mit fünf weiteren Spielern mit je drei geschossenen Toren die Torjägerliste anführt, würde für den persönlichen Triumph bereits ein Treffer im Finale genügen. Sofern der Leipziger Dani Olmo als Teil des besagten Quintetts auf spanischer Seite nicht ebenfalls einnetzt. Denn: Schüssler tippt auf einen englischen 2:1-Sieg.

Und warum? „Ganz einfach: Es ist vielleicht kein herzerfrischender Fußball, den sie bieten, dafür aber ungemein effektiv. Die Engländer sind eine richtig abgezockte Truppe, die genau zur richtigen Zeit in Fahrt gekommen ist.“

"Eine ganz andere Kragenweite"

Und im Gegensatz zu Raúl Lazaro Garcia geht er davon aus, dass letzten Endes die individuelle Qualität der „Three Lions“ den Ausschlag geben wird: „Mit Stones, Rice und Kane haben sie eine richtig starke Achse, dazu kommen Saka oder Foden über die Flügel. Das ist schon Weltklasse. Hinzu kommt eine bärenstarke Bank.“

Im gleichen Atemzug wagt der Trainer der Saasemer einen mutigen Vergleich: „Natürlich spielen Williams oder Olmo ein überragendes Turnier. Aber sie spielen nun mal bei RB Leipzig und Athletic Bilbao. Saka dagegen spielt bei Arsenal, Phil Foden bei Manchester City. Das ist einfach eine ganz andere Kragenweite.“