Handball

Tim Götz ist für einen Kranken der Volltreffer

Tim Götz, Spielmacher von Handball-Drittligist S3L, fehlt seiner Mannschaft. Aber einen besseren Grund dafür gibt es nicht

Tim Götz im Blutspende-Institut in Frankfurt. Fünf Stunden lang wurden Stammzellen aus seinem Blut gefiltert. Foto: Götz
Tim Götz im Blutspende-Institut in Frankfurt. Fünf Stunden lang wurden Stammzellen aus seinem Blut gefiltert.

Tim Götz wohnt seit sechs Jahren nicht mehr in seinem Elternhaus in der Pfalz, nahe der Grenze zum Elsass. Wenn dort doch noch Post für ihn ankommt, muss es etwas Besonderes sein. Und das Päckchen beinhaltete etwas sehr Besonderes: ein Blutabnahme-Set zur Bestätigungstypisierung. Die Einladung zum Lebenretten. „Ich war gerade in Urlaub, als meine Mutter mir das Foto des Päckchens von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei zugeschickt hat. Dasselbe Päckchen ging auch nach Hause. Ich habe dann dort angerufen, und dann war klar, warum die DKMS versucht hat, mich auf allen Kanälen zu erreichen.“

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Nach der guten Tat: Tim Götz ist ein bisschen kaputt, aber glücklich. Foto: Götz
Nach der guten Tat: Tim Götz ist ein bisschen kaputt, aber glücklich.

Der Spielmacher der S3L „matcht“ mit einem schwerkranken Menschen, der auf die Stammzelle eines genetischen Zwillings angewiesen ist. Und dieser Spender ist Tim Götz. „2016, als ich mit dem Studium angefangen habe, gab’s im Foyer der Uni einen Stand, bei dem man sich ganz unkompliziert registrieren konnte. Ich habe ganz ehrlich gar nicht mehr daran gedacht“, sagt der 27-Jährige, für den aber sofort klar war, dass er auch bereit sein würde für die Spende.

Handball steht hintenan

„Natürlich habe ich das mit den Vereinsverantwortlichen in Leutershausen abgeklärt. Aber auch wenn das bedeutet, dass ich jetzt ein paar Spiele fehlen werde, kam da nur Positives.“ Mark Wetzel aus der Sportlichen Leitung fasst es so zusammen. „Das war überhaupt keine Frage. Da steht Handball natürlich hintenan. Wir sind stolz, Tim in unseren Reihen zu haben.“

Tim Götz will bald wieder für die S3L auf der Platte stehen. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Tim Götz will bald wieder für die S3L auf der Platte stehen.

Jetzt wurden dem Rückraumspieler in Frankfurt die benötigten Zellen durch ein spezielles Verfahren aus dem Blut „gefiltert“. Um genügend Stammzellen für die Spende zu erhalten, muss deren Zahl im Blut zunächst erhöht werden. Zweimal täglich wird an einigen Tagen dazu ein hormonähnlicher, körpereigener Botenstoff unter die Haut gespritzt, der bewirkt, dass vermehrt Stammzellen produziert werden und vom Knochenmark ins Blut übertreten. „Fünf Stunden hat das insgesamt gedauert. Und zum Glück haben sie eine ausreichende Anzahl herausgefiltert, sodass die Spende an einem Tag erledigt war“, sagt Tim Götz.

Mit legerem Sweatshirt und den Hosen seines S3L-Trainingsanzugs war er im Blutspende-Institut aufgeschlagen, dann ging es direkt an die Maschine, in der sein Blut gefiltert und direkt wieder zurückgepumpt wurde. „Ich habe mich bringen und wieder abholen lassen. Jetzt fühle ich mich etwas platt, durch die Spritzen habe ich leichte Grippesymptome und Gliederschmerzen, was nach der Behandlung ganz normal ist“, sagt der Mann, auf dessen Schultern während eines Handballspiels viel Verantwortung lastet. Von der Entnahme selbst am Gerät habe er gar nichts gespürt. Mit einem Entlassbrief ging es am selben Tag wieder nach Hause, auf die Couch.

Bei der deutlichen Niederlage seiner Mannschaft am Samstag bei Drittliga-Spitzenreiter HSG Krefeld/Niederrhein wurde die Durchschlagskraft des Mannes, der dahin geht, wo es wehtut, schmerzlich vermisst. Doch allen war klar, dass Tim Götz eine wichtigere Mission hatte, als seine Mannschaft zu führen. Der Spielmacher von Saase3Leutershausen musste sich auch im Vorfeld schonen und während der Spritzenkur musste er auf körperliche Belastung und Kontaktsport jeder Art ohnehin verzichten. „Das wird auch noch ein paar Tage so bleiben. Ich soll beispielsweise nichts Schweres heben.“

Am Samstag noch nicht bereit

Ein Einsatz im Heimspiel am Samstag gegen die TSG Haßloch ist ausgeschlossen. „Ich hoffe, dass mir die Ärzte dann für die kommende Woche wieder grünes Licht geben.“ Vor allem die etwas vergrößerte Milz soll sich nicht überdehnen, erst wenn sie wieder abgeschwollen ist, darf Tim Götz wieder sportlich ran. Viel trinken soll er, damit das Medikament wieder schnell ausgespült wird. Noch kein Siegerbier.

Ob er den Patienten einmal kennenlernen wird, steht noch in den Sternen. Ohnehin wird es eine ein- bis zweijährige Anonymitätsfrist geben, weil eventuell eine zweite Spende nötig sein könnte. „Mit der Anonymität soll vielleicht verhindert werden, dass da eine emotionale Hürde entsteht“, sagt Götz. Der Mann, der bald auch in den Sporthallen wieder für emotionale Momente sorgen wird. Mit Herzblut.