Ausstellung

Esther Freund Oehlen zeigt narrative Bilderbögen in Heppenheim

Die Schweizerin Esther Freund Oehlen erzählt im Kunstverein Heppenheim Geschichten aus filmischen Miniaturlandschaften - eher beiläufig und erst auf den zweiten Blick erkennbar. Die Ausstellung wird am 6. September eröffnet.

Esther Freund Oehlen zeigt ihre neuen Fotografien ab 6. September im Kunstverein Heppenheim. Foto: Studio Freund
Esther Freund Oehlen zeigt ihre neuen Fotografien ab 6. September im Kunstverein Heppenheim.

Autofiktionale Fotografie – so nennt der Künstler und Kurator Christoph Steinmeyer die neue Fotokunst von Esther Freund Oehlen. Die Werke der Schweizerin werden jetzt im Kunstverein Heppenheim ausgestellt. Die Eröffnung der Ausstellung findet in Anwesenheit der Künstlerin am Freitag, 6. September, um 19 Uhr statt und ist bis zum 12. Oktober zu sehen.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Foto: Studio Freund

Mit ihrer fotografischen Arbeit begann Esther Freund Oehlen erst zu Beginn der 1990er Jahre. Während ihres Aufenthalts in Wien wurde die Kamera zu einer ständigen und selbstverständlichen Begleiterin. Zwischen 1996 und 2002 zeigte sie in ihrer eigenen Galerie Positionen zeitgenössischer Fotografie und Malerei. Thematisch ungeordnet, fast willkürlich scheinen die neuen Arbeiten Esther Freund Oehlens zunächst vor allem nur eine gemeinsame Klammer zu haben, das Format, schreibt Christoph Steinmeyer. Ein Abendhimmel. Ein schicker Speiseraum. Bäume im Wald. Ein Dorffest. Elektrokabel. Betonlandschaften mit Bürogebäuden. Designerarchitektur in Ziegelstein und Renaissancefresken. Mal mit, mal ohne Personen. In Gruppen auf jeweils einem großen weißen Papier ausgedruckt, wiederholt sich variierend das jeweilige Motiv in dem immer gleichen Seitenverhältnis, dem magischen 3:4. Auch der Bogen selbst hat diese Proportion.

Die Suche ist eine Illusion

Spätestens jetzt erkennt der Betrachter, was er hier eigentlich sieht, kleine Serien von Fotos, die alle auf einem Smartphone gemacht wurden. Ein bisschen größer als in der Wirklichkeit der Benutzeroberflächen, etwas mehr als doppelt so groß. Sie erinnern an Fotos, wie man sie selber häufig macht. Schnell und ohne anachronistische Rücksicht auf Filmlänge oder Entwicklung wie früher. Immer drauf aufs Motiv, was nicht gefällt, löscht man ja hinterher wieder. Oder auch nicht. Das meiste bleibt einfach auf der Festplatte oder der Cloud, verborgen im Bildermüll der Welt. Noch nie hat die Menschheit so sehr auf den Auslöser gedrückt wie heute. Über drei Milliarden Personen auf unserem Planeten haben ein Smartphone, schreibt Steinmeyer. Jeden Tag werden es mehr. Wenn nur jeder zweite Mensch pro Tag nur ein einziges Foto machen würde, wären es in jeder Sekunde 17 361 Fotos. Im Jahr eine halbe Billion. Wahrscheinlich sind es viel, viel mehr.

Verschiedene Blickwinkel

Esther Freund Oehlen will dieser Bilderflut nicht etwas von Gewicht oder große „Kunstfotografie“ entgegensetzen, glaubt Steinmeyer. Im Gegenteil, scheint sie sich mehr als bewusst, dass die Suche nach diesem wichtigen, unbedingt festzuhaltenden Bild eine Illusion ist. Als Antwort darauf stellt die Künstlerin, wie aus kleinen Filmsequenzen entnommen, aus verschiedenen Blickwinkeln fotografierte Einzelaufnahmen von einem Ort zusammen. Und ordnet diese Bilder alle hintereinander auf einem Bogen an.

Foto: Studio Freund

Manchmal sind es nur sechs, mal neun, elf, vierzehn. Mal scheint ein Bild zu fehlen, es gibt immer wieder Leerstellen, wodurch zusätzlich eine grafische Kompositionskomponente ins Spiel kommt. Ihre fotografischen Bilderreihen sind wie filmische Miniaturen, die den Betrachter dazu verleiten, sich eine Geschichte zu erzählen. Und ihm gleichzeitig den permanenten Fluss und Verlust von Zeit und die Unmöglichkeit der Wiedergabe von Wirklichkeit durch Fotografie vor Augen führt. Unaufwendig in den Mitteln, eher beiläufig und erst auf den zweiten Blick erkennbar, fügt Freund Oehlen der zeitgenössischen Fotografie, wie auch der allgemeinen Bilderflut der Welt, subtile, narrative Bilderbögen hinzu.