Ausstellung

Neuer Werkzyklus von Hedwig Eberle im Kunstverein Heppenheim

Hedwig Eberle zeigt im Kunstverein Heppenheim neue Arbeiten: Aquarell und Tusche auf Papier. Auch Herzog Franz von Bayern sammelt die Münchner Künstlerin.

Der neue Werkzyklus von Hedwig Eberle – Aquarell und Tusche auf Papier, 100 x 70 cm – ist im Kunstverein Heppenheim zu sehen. Foto: Produktion Pitz
Der neue Werkzyklus von Hedwig Eberle – Aquarell und Tusche auf Papier, 100 x 70 cm – ist im Kunstverein Heppenheim zu sehen.

Eigens für ihre Ausstellung im Kunstverein Heppenheim hat Hedwig Eberle einen neuen Zyklus großformatiger Papierarbeiten geschaffen. Ihre Show „Slip On Through“ wird am Freitag, 20. Dezember, um 19 Uhr eröffnet und ist dann noch vier Wochen zu sehen.

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Hedwig Eberle stellt im Kunstverein Heppenheim aus. Foto: Produktion Pitz
Hedwig Eberle stellt im Kunstverein Heppenheim aus.

„Was Hedwig Eberle in Heppenheim entfaltet, ist der Prozess des Ringens um Farbe und Form, um die eigene Malerei. In aller Offenheit ist jede ihrer Gesten eine suchende, eine versuchende. Eine zutiefst menschliche Erfahrung. Mit jedem neuen Bild immer wieder von Neuem, Halt erlangen und diesen wieder aufgeben, sich selbst, das Eigene, verlieren und doch, trotz allem, wieder zu sich finden“, schreibt der Kunsthistoriker Christian Malycha (Berlin) in einem Text zur Ausstellung von Hedwig Eberle, zu deren Sammlern auch der Herzog Franz von Bayern gehört.

Informel trifft auf Amerika

Hedwig Eberle wurde 1977 in München geboren und wuchs dort auch auf. Ab 1999 studierte sie an der Universität der Künste bei Marwan Kassab-Bachi, der aus Syrien kommend wiederum selbst Ende der 1950-er Jahre gemeinsam mit Eugen Schönebeck und Georg Baselitz an derselben Hochschule die Klasse des tachistischen Malers Hann Trier besuchte.

Hier entdeckte sie die fließenden Übergänge zwischen figürlicher und ungegenständlicher Malerei, zwischen kalligrafischer und gestischer Farbe. Sie zeichnete und fertigte Radierungen, „die Formate wurden immer kleiner“, bis mit einem Mal „keine Farbe mehr da“ war. 2001 verbrachte sie in Chicago und kehrte 2002 nach München zurück: zum deutschen Informel tritt die amerikanische Weite, zu Klee, Münter und Jawlenskys Asger Jorn und die Gruppe Spur, zu Baselitz der späte Günther Förg. Heute lebt sie mit ihrer Familie am Staffelsee.

Foto: Produktion Pitz

In Hedwig Eberles neuen Arbeiten zeigen sich Tusche und Aquarell lichthell und in aller Unmittelbarkeit. Offen fließt oder steht die Farbe auf dem weißen Grund des Papiers. Ebenso zart wie heftig wird sie auf- und ausgestrichen, verwirbelt und verwischt, gebündelt und zerstreut.

Um diesen koloristischen Tumult beieinander zu halten, werden die Bildkanten teils mit hauchfein getuschten Rahmenlinien gefasst oder durch offengelassene weiße Ränder betont. „Eberles expansive Farbigkeit ist freigestellt und gleichsam als Ganzes gefasst. Abstraktion und Figuration versöhnen sich, sodass die Bilder fortwährend zwischen Ordnung und Aufruhr, Gegenständlichem und Ungestalten schwingen“, schreibt Malycha.

Hedwig Eberle vereint ordnenden Halt und gestische Ausbrüche. Fast, als besäßen ihre Papierarbeiten eine unterschwellige geometrische Ordnung, die der bewegten Farbe zugrunde liegt wie ein musikalisches Notationssystem mit seinen Höhen und Tiefen, Zäsuren und Intervallen. Ruhe und Bewegung fallen in eins. Das feste Gerüst der Tusche und der lockere Gestus ihres Strichs steigern sich wechselseitig. Die subtile Bildgeometrie gibt den tragenden Takt, auf dem sich die Farbklänge erst entfalten können.

„Aufrauschende Farbzüge“

„Die aufrauschenden Farbzüge sind darüber hinaus menschliche Gesten, behutsam und intim, nahe bei Eberles zeichnender Hand. Ihre Empfindungen und Erfahrungen schreiben sich als Spuren der ungegenständlichen Bildordnung ein. Aus einem durch und durch ornamentalen Gefühl gedacht, besteht alles, was wir sehen, alles, was erscheint, aus einer Vielzahl einzelner Gesten, die Hedwig Eberle auf den Blättern zu vereinen und zu verbinden sucht“, so Malycha.

Hedwig Eberle stellte unter anderem bereits in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München; Bundeskunsthalle, Bonn; Centre d’Art, Meymac; Kunstraum, München; Kunstverein München, Kunstverein Reutlingen; Neue Galerie, Landshut; Städtische Galerie im Lenbachhaus, München und Städtische Galerie Rosenheim aus. Zuletzt waren ihre Werke in der Ausstellung „Ungekämmte Bilder. Kunst ab 1960 aus der Sammlung Herzog Franz von Bayern“ in der Pinakothek der Moderne, München zu sehen.