Feuer in Forschungsgebäude unter Kontrolle - «schwarzer Tag»
Bis zu 160 Einsatzkräfte kämpfen gegen ein Feuer auf dem Gelände eines Forschungszentrums in Darmstadt. Der Brand hat Folgen für ein international bedeutendes Forschungsvorhaben.
Darmstadt (dpa) - Nach mehrstündigen Löscharbeiten auf dem Gelände einer Darmstädter Forschungseinrichtung hat die Feuerwehr den Großbrand nach eigenen Angaben unter Kontrolle bekommen. Die Löscharbeiten dauerten aber weiter an, sagte eine Sprecherin am Abend. Es werde voraussichtlich die ganze Nacht zum Freitag eine Brandwache geben.
Bis zu 160 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz gewesen, um die Flammen auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung zu bekämpfen. Die genaue Schadenshöhe ist noch unklar, ein milliardenschweres Forschungsprojekt wird sich aber durch das Feuer verzögern. Verletzt wurde niemand.
Der Brand brach am Donnerstagmorgen gegen 6.20 Uhr, wie die Feuerwehr mitteilte. Eine große Rauchsäule war weithin sichtbar. Das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung ist für seine Beschleunigeranlage für Ionen bekannt. Derzeit entsteht auf dem Gelände eine neue Anlage. Sie gilt als eines der größten Forschungsvorhaben der Welt, mehrere Milliarden werden investiert. Die Forschungen betreffen unter anderem die Entstehung des Universums.
Nach Auskunft des hessischen Forschungsministers Timon Gremmels (SPD) wird das Feuer zu Verzögerungen bei dem internationalen Forschungsvorhaben führen. Betroffen von dem Unglück ist nach bisherigen Erkenntnissen zwar nicht direkt die neue Anlage, aber die Stromversorgung einer bereits bestehenden Anlage zur Teilchenbeschleunigung.
Probelauf für Milliarden-Projekt verschiebt sich
Der Termin für einen Probelauf des neuen Teilchenbeschleunigers, der für Dezember geplant sei, sei nach jetzigem Kenntnisstand nicht mehr zu halten, sagte Gremmels. Welche Auswirkungen das Feuer auf das Großprojekt in Gänze habe, müsse abgewartet werden. «Insofern ist das heute auch ein schwarzer Tag für den Forschungsstandort», sagte der Minister.
Man gebe alles, dass das Großprojekt höchstens zeitlich etwas verzögert werde. Bisherigen Angaben nach sollte Ende 2027 mit ersten Experimenten und Ende 2028 auch mit dem neuen 1,1 Kilometer langen Beschleunigerring geforscht werden. «Da bricht richtig was weg», sagte der Minister im Landtag mit Blick auf die Forschenden. Man werde nach dem Ende der Löscharbeiten eine Taskforce einsetzen, um zu schauen, wo man helfen könne. Es sollen seinen Worten nach alle Anstrengungen unternommen werden, um das Gebäude möglichst schnell wieder aufzubauen.
Der neue Teilchenbeschleuniger trägt den Namen «Fair» (Facility for Antiproton and Ion Research; Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen). Es handelt sich um ein internationales Kooperationsprojekt. 2024 war der Kostenrahmen mit rund 3,3 Milliarden Euro angegeben worden.
Kurzschluss bei Stromversorgung
Nach Angaben eines Sprechers des Forschungszentrums ist das Feuer von einem Kurzschluss ausgelöst worden. Betroffen sei die bereits bestehende Anlage zur Teilchenbeschleunigung. Der Kurzschluss sei bei der Vorbereitung auf ein Hochfahren der Anlage in deren Hochspannungsversorgung aufgetreten.
Die Feuerwehr setzte nach der Alarmierung ein Großaufgebot in Gang und sprach von einem erheblichen Sachschaden. Unterstützung erhielt die Darmstädter Wehr unter anderem vom Flughafen Frankfurt, der Firma Merck, aus Ludwigshafen sowie vom Betreuungszug des Roten-Kreuzes Darmstadt. Es sei auf jeden Fall einer der größeren Einsätze, die sie in den vergangenen Jahren zu bearbeiten hatten, sagte ein Feuerwehrsprecher. Der Einsatz sei personell und materiell sehr aufwendig.
Auch der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) informierte sich am Abend selbst an der Unglücksstelle. «Die erste Priorität lag selbstverständlich darauf, den Brand unter Kontrolle zu bringen, ihn möglichst schnell zu löschen, damit nicht noch etwas Schlimmeres passiert», sagte er. «Und jetzt wird natürlich auch eine Aufarbeitung im Hinblick auf Brandursachen stattfinden.»
«Dramatische Situation»
Eine Sprecherin des Forschungszentrums sprach von einer dramatischen Situation. Zum Ausmaß des Schadens gebe es noch keine Angaben. Der Werkschutz habe das Gelände geräumt. Die Mitarbeiter hätten den Ort verlassen. Die Bevölkerung wurde zeitweise in einem größeren Umkreis vor Brandgasen gewarnt. Man solle Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungs- und Klimaanlagen abstellen.
Feuerwehr misst keine Gefahrstoffe in der Luft
«Es handelt sich um einen großen Brand, der eben entsprechend auch Rauchgas freigesetzt hat», sagte der Feuerwehrsprecher. Daher gebe es einen großen Messeinsatz, um nachzuweisen, dass keine Gefahrstoffe in die Umwelt freigesetzt wurden. «Für die Bevölkerung besteht nach wie vor keine Gefahr», hieß es am Nachmittag. Die Warnungen vor Geruchsbelästigung galten unter anderem auch für das fast 30 Kilometer entfernte Frankfurt sowie den Flughafen.