Umwelt

Entwarnung nach Säure-Austritt in Dillenburg

Ein Gemisch aus einem Stahlwerk fließt in den kleinen Fluss Dietzhölze. Jetzt gibt der Landkreis Entwarnung.

Die Feuerwehr war wegen der Verunreinigung des Flusses Dietzhölze bei Dillenburg im Einsatz. (Symbolbild) Foto: Soeren Stache/dpa
Die Feuerwehr war wegen der Verunreinigung des Flusses Dietzhölze bei Dillenburg im Einsatz. (Symbolbild)

Dillenburg (dpa/lhe) - Nachdem Säure aus einem Stahlwerk in Dillenburg in den kleinen Fluss Dietzhölze geflossen ist, hat der Landkreis jetzt wieder Entwarnung gegeben. Aus Analysen von Gewässerproben hatte sich ergeben, dass keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen in dem Gewässer mehr vorliegen. Dies hätten auch Fachleute des Regierungspräsidiums (RP) Gießen bestätigt, sagte ein Sprecher der Behörde.

Ursache für den Vorfall sei eine Leckage an der Durchflussmessung in der Säureregeneration gewesen. Weitere Erkenntnisse könnten sich im Rahmen der Begutachtung durch einen Sachverständigen ergeben.

Gemisch aus Flusssäure und Salpetersäure

Bei der ausgetretenen Säure handelte es sich nach Angaben des RP Gießen um ein Gemisch aus Flusssäure und Salpetersäure. Rund 100 Liter dieses Gemischs seien in die Dietzhölze gelangt, erklärte eine Unternehmenssprecherin. 

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Laut RP handelt es sich bei beiden Substanzen grundsätzlich um wassergefährdende Stoffe, sodass ein Eintrag in Oberflächengewässer eine akute Gefahr für das Gewässerökosystem darstelle, erklärte der Sprecher. Das Gemisch sei durch Zugabe von Kalkmilch neutralisiert worden, diese Maßnahme habe Wirkung gezeigt.

Je nach eingetragener Menge bzw. Konzentration werde der pH-Wert des Wassers in einem solchen Fall stark abgesenkt. Diese schlagartige Versauerung zerstöre die Lebensgrundlage von Fischen, Kleinlebewesen (wie Flohkrebsen) und Algen. Bei Flusssäure komme eine spezifische Toxizität hinzu, da in Wasser freie Fluorid-Ionen freigesetzt würden, welche eine starke giftige Wirkung auf Wasserorganismen hätten. «Dies erklärt das beobachtete Fischsterben in der Dietzhölze», so der RP-Sprecher. Menschen waren bei dem Vorfall nicht verletzt worden.

Bis zur vollständigen Wiederherstellung des Gewässers dürften nach Einschätzung des Vorstands des Sportfischervereins Dillenburg etwa drei bis fünf Jahre vergehen, so die Behörde, dies halte man für «grundsätzlich realistisch». Erfahrungen aus zurückliegenden Renaturierungen, bei denen eine Gewässersohle vollständig neu hergestellt wurde, hätten aber gezeigt, dass eine Wiederbesiedlung auch überraschend schnell erfolgen könne.