Landesfest

Fast wie Rio: Fulda feiert ausgelassen beim Hessentagsumzug

1,1 Millionen Besucher beim Landesfest, ausgelassene Stimmung zum Abschluss und sogar Jesus beim Festumzug: Wie Fulda den Hessentag zum Sommerfest machte.

Ausgelassene Stimmung beim Festumzug in Fulda. Foto: Florian Wiegand/dpa
Ausgelassene Stimmung beim Festumzug in Fulda.

Fulda (dpa/lhe) - Der Hessentag in Fulda hat mit Schafskälte und Regen begonnen, doch zum Abschluss gibt es tropische Temperaturen und ausgelassene Stimmung, fast wie beim Karneval in Rio. Trotz der Hitze haben Zehntausende Menschen dem großen Festumzug zugejubelt. Tapfer und von viel Beifall begleitet zogen Dutzende Musik-, Fuß- und Trachtengruppen aus ganz Hessen durch die Innenstadt. An diesem Tag sind Schattenplätze entlang der Zugstrecke besonders begehrt.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer feiern die Dutzenden Motivwagen, Musik-, Fuß- und Trachtengruppen, die sich durch die Fuldaer Innenstadt schlängeln. Nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Umzugs sind bester Stimmung - auch die Menschen am Straßenrand singen und tanzen ausgelassen mit und winken den schwitzenden Gruppen zu. Ein Hauch von Fastnacht liegt in der Luft, nur eben bei weitaus besserem Wetter als beim Rosenmontagszug, für den die osthessische Domstadt sonst bekannt ist.

«Wo sind die Konfetti?», ruft eine Zuschauerin lachend dem Wagen der Fuldaer Fastnachter zu. Höchst willkommen bei der Affenhitze ist der Motivwagen aus Bad Salzschlirf, der hohe Wasserfontänen in den blau-weißen Sommerhimmel schießt.

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Cooler Jesus trägt Badelatschen

Selbst Jesus ist zum Hessentag nach Fulda gekommen. Die Passionsspielgruppe aus Großenlüder stellt Christi Einzug nach Jerusalem nach. «Hosianna»-Rufe ertönen, Palmwedel werden geschwungen. Der Jesus-Darsteller verfolgt das Treiben und lächelt huldvoll. Er hat Badeschuhe an, nicht die schlechteste Idee an diesem Tag.

Immer wieder gibt es Beifall und lobende Kommentare für die rund 3.500 Menschen, die in ihren Trachten, Spielmannzugsuniformen und anderen Gewändern der Hitze trotzen und Stimmung anheizen.

Gratis Wasser gibt es bei der Affenhitze für die Zuschauer. Foto: Michael Bauer/dpa
Gratis Wasser gibt es bei der Affenhitze für die Zuschauer.

Abseits des Umzugs gibt es auch am letzten Tag des Landesfestes entlang der Hessentagsstraße noch viel zu sehen und zu erleben. Wegen der Hitze hat der Sanitätsdienst des Deutschen Roten Kreuzes sein Personal beim Hessentag noch einmal aufgestockt. Vor dem Beginn des Festumzugs verteilten ehrenamtliche Helfer Tausende von gratis Wasserflaschen an die Zuschauer. 

Am Abend spielt Peter Maffay

Am Abend tritt Peter Maffay auf der Domplatzarena auf. Das Konzert ist ausverkauft. Auch auf den kleineren Bühnen und den vielen Plätzen wird noch Gelegenheit sein, den Ausklang des Landesfestes zu feiern.

Fulda hat in den vergangenen zehn Tagen bewiesen, dass es Hessentag kann. Rund 700 Ehrenamtler haben dabei mitgeholfen, dass die Gäste sich in ihrer Stadt wohlfühlen konnten. 

Erwartungen übertroffen - Rund 1,1 Millionen Besucher

Rund 1,1 Millionen Menschen und damit weitaus mehr als ursprünglich erwartet haben den Hessentag in Fulda besucht. Dies habe «eindrucksvoll gezeigt, was unser Land ausmacht: Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Zusammenhalt», sagte Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) zum Abschluss des Landesfestes. «Der Hessentag hat Hessen von seiner besten Seite gezeigt.»

Ursprünglich waren rund 700.000 Besucherinnen und Besucher erwartet worden. Mit der nun von der Landesregierung genannten Zahl übertrifft das Landesfest sogar den Hessentag vom vergangenen Jahr in Bad Vilbel (Wetteraukreis) mit rund 950.000 Besuchern. Der Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) erklärte, die Stadt sei sehr zufrieden mit den «herausragenden Besucherzahlen». Fulda sei zehn Tage lang voller friedlich feiernder Menschen gewesen. 

Fulda nutzt seine Chance

Ganz Hessen hat mehr als eine Woche auf die osthessische Domstadt geblickt. Die Stadt nutzte die Chance, sich als attraktive, moderne Kommune mit einem großen historischen Erbe und gemütlichen Ecken zu präsentieren. Fulda wollte bereits 2021 Gastgeberin des Hessentags sein. Das Fest wurde aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Domplatzarena Top-Location für Open-Air

Wer in diesem Jahr aus anderen Regionen Hessens vielleicht wegen Sarah Connor, Peter Maffay, Roland Kaiser, Roxette und Co. erstmals auf dem Domplatz war, wird feststellen, dass dies eine Top-Location für große Open-Air-Konzerte ist. Da ist zum einen der Dom als eindrucksvolle Kulisse. Das liegt zum anderen auch daran, dass das leicht abfallende Terrain auf dem Platz selbst und die Tribünen am Rande gute Sicht auf die Stars auf der Bühne ermöglichen.

Hessen feiert sich selbst und seinen runden Geburtstag 

Der Hessentag in diesem Jahr war wegen des 80. Geburtstags des Landes Hessen ein besonderes Fest. Ein wunderbares Geburtstagsgeschenk zauberten Comedy-Legende Henni Nachtsheim von Badesalz, Rodgau-Monotones-Urgestein Ali Neander und die Fuldaer Produktionsfirma Spotlight Musicals aus dem Hut: Das Musical «Der Allmächtige Handkäs», das zum Auftakt des Landesfestes auf der Domplatzarena aufgeführt wurde, geriet zu einer witzigen, unterhaltsamen und selbstironischen Suche nach der hessischen Seele und Identität. Eines von vielen Highlights beim Hessentag.

Auch die Polizei ist kurz vor dem Ende des Hessentags zufrieden. «Friedlich und weitestgehend störungsfrei» verlief das Landesfest bislang. Zwischenfälle, die für ein solches Großereignis typisch sind, gab es wenige.

Im nächsten Jahr geht es nach Idstein

Im nächsten Jahr hat das im Vergleich zu Fulda viel kleinere Idstein vom 11. bis zum 20. Juni die Chance, sich als Gastgeberin des Landesfestes den Hessen zu präsentieren - und zwar genau 25 Jahre nach der Premiere 2002. Als Fachwerkstadt im Herzen des Taunus mit bester Verkehrsanbindung hat auch Idstein historisches Flair zu bieten – und liegt verkehrsgünstig am Rand des Rhein-Main-Gebiets.