Hirschberg an der Bergstraße

Viele Vorschläge für ein besseres Klima

Die Gemeinderatswahl in Hirschberg am 9. Juni rückt näher. Im Fokus des vierten Teils unserer Fragerunde steht das Thema Umwelt.

Nicht nur auf privaten Dächern, sondern auch auf den kommunalen Gebäuden sollen noch mehr Photovoltaik-Anlagen installiert werden. Foto: Fritz Kopetzky
Nicht nur auf privaten Dächern, sondern auch auf den kommunalen Gebäuden sollen noch mehr Photovoltaik-Anlagen installiert werden.

Für die Gemeinderatswahl am 9. Juni möchte die Lokalredaktion wieder einen Beitrag zur Meinungsbildung leisten. Am besten gelingt dies erfahrungsgemäß beim direkten Vergleich der Standpunkte und Ziele der Parteien und Wählervereinigungen.

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Im vierten Teil beschäftigen wir uns mit der Umwelt und fragen die im Hirschberger Gemeinderat vertretenen Fraktionen: „Beim Klimaschutz muss weiter Tempo gemacht werden. Anfang des Jahres wurde das Klimaschutzkonzept verabschiedet. Welche Vorschläge haben Sie, den CO2-Ausstoß vor Ort weiter zu verringern?“ Hier die Stellungnahmen:

Grüne Liste Hirschberg

Klimaschutz kostet Geld, bietet aber auch Chancen, zum Beispiel für die regionale Wertschöpfung; und ohne Klimaschutz wird es sehr viel teurer. Deshalb müssen wir jetzt wirkungsvolle Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. Wir haben im Gemeinderat Vorschläge gemacht, alle wurden von den konservativen Stimmen abgelehnt. Die größten Blöcke sind Verkehr und Wärme. Natürlich muss die Verwaltung ihre eigenen Gebäude energetisch sanieren und den Fuhrpark modernisieren. Aber direkten Einfluss hat sie nur auf einen sehr geringen Teil der Emissionen, der Löwenanteil entfällt auf Haushalte und Gewerbe. Wie aber kann die Wärmewende gelingen? Die Gemeinde lässt aktuell eine Wärmeplanung erstellen, um Angebote für die Wärmeversorgung im Ort zu entwickeln. Mit Fernwärme aus erneuerbaren Energien etwa könnten viele Häuser mit Wärme versorgt werden, ohne dass die Menschen in eine eigene neue Heizung investieren müssen. Im Ort sieht man nun auch viele Wärmepumpen, offenbar sind die Menschen offen für neue Technologien. Wichtig sind Beratungsangebote, um über Förderprogramme und Technik aufzuklären. Auch über umweltschädliche Dämmstoffe wie Mineralwolle und EPS/XPS sollte informiert werden: Sie sind kostengünstig, lassen sich aber nicht recyceln und bergen Gesundheitsrisiken. Die Gemeinde sollte bei eigenen Bau- und Sanierungsarbeiten stattdessen kreislauffähige Materialien verwenden. Schneller und einfacher umzusetzen sind Maßnahmen wie zum Beispiel weniger Fleisch im Schulessen, regionale und saisonale Lebensmittel. Das kann die Gemeinde nicht vorschreiben, aber anregen. Diese Maßnahme kostet übrigens kein Geld, sie macht das Schulessen sogar günstiger. Wichtig ist zudem der Ausbau der Photovoltaik, für den wir uns schon lange einsetzen. Auch in Hirschberg ist für Solarenergie noch Platz: auf öffentlichen und privaten Gebäuden, auf Parkplätzen und Gewerbehallen. Auch Solaranlagen an der Bahnstrecke und entlang der Autobahn unterstützen wir, nicht aber im Landschaftsschutzgebiet.

Freie Wähler

Die Förderung von Balkonkraftwerken haben wir letztes Jahr schon unterstützt und damals im Budget erhöht. Das wird dieses Jahr wieder passieren und wir gehen sogar einen Schritt weiter: Selbsterzeugter Strom soll auch nachts verfügbar sein. Deshalb haben wir den Antrag gestellt, dass kleine Stromspeicher für private Haushalte subventioniert werden. Bei jeder baulichen Veränderung von kommunalen Gebäuden halten wir nach, ob und wie eine bessere Klimabilanz geschaffen werden kann. Dabei wird stets geprüft, ob eine Montage von PV-Anlagen auf Dächern möglich ist. Aktuelles Beispiel ist das Sportzentrum. Hier haben wir einen Antrag für eine PV-Anlage gestellt, die nun auch installiert ist. Wir prüfen, welche Maßnahmen zur Dämmung getroffen werden können und wie eine immissionsfreie Wärmeversorgung möglich ist. Mit dem Energiespeicher unter der Sachsenhalle betreten wir Neuland. Dieses Projekt ist zwar alles andere als günstig, jedoch kommen wir der Forderung der Bundesregierung nach. Man mag sich einmal vorstellen, dass Sachsenhalle und Grundschule nahezu immissionsfrei mit Energie und Wärme versorgt werden. Und weitere Maßnahmen bei anderen kommunalen Gebäuden sollen mit unserer Unterstützung folgen. Die Gemeinde hat aktuell einen Mangel an öffentlichen Ladepunkten. Dies wird der Nachfrage nicht gerecht und muss korrigiert werden. Wir brauchen mehr Attraktivität für die E-Mobilität und deshalb werden wir bei den kommenden Haushaltsplanungen entsprechende Anträge einreichen.

CDU

Die Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises haben sich im Rahmen der Initiative „Klimaneutrale Kommunalverwaltung“ verpflichtet, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden. Auch Hirschberg hat sich zu diesen Zielen bekannt. Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, ist es vor allem wichtig, die Nutzung von Photovoltaik-Anlagen massiv auszubauen. Laut der Konzeptstudie der AVR bietet sich aus wirtschaftlicher Sicht vor allem der priorisierte Ausbau an der Heinrich-Beck-Halle sowie dem Rathaus an. Es sollte aber nicht nur die wirtschaftliche Sicht ausschlaggebend sein. Auch bei einer „Schwarzen Null“ sollte die Gemeinde auf öffentlichen Gebäuden PV-Anlagen installieren, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Gemeinde sollte ihrer Vorbildfunktion für die Nutzer von privaten Immobilien gerecht werden, damit möglichst viele PV-Anlagen entstehen. Laut der Konzeptstudie bietet der Ausbau von Photovoltaik in Hirschberg eine großes CO2-Einsparpotenzial, sowohl auf öffentlichen als auch auf privaten Gebäuden. Wir sehen auch bei den Themen Agri-PV und Flächen-PV noch viel Potenzial zur CO2-Reduzierung. Wobei dies immer im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Böden zu sehen ist. Weiteres Potenzial sehen wir auch im Ausbau von Balkon-PV-Anlagen, die von der Gemeinde auch weiterhin gefördert werden sollten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Reduzierung der CO2-Emissionen beim Kfz-Verkehr. Hier kann die Gemeinde ebenfalls ihre Vorbildfunktion wahrnehmen, indem sie ihren Fuhrpark weiter umrüstet auf E-Mobilität und für öffentliche Ladestationen sorgt.

SPD

Klimaschutzmaßnahmen sind eine Notwendigkeit. Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2040 netto-treibhausgasneutral zu sein. Als Zwischenziel für 2030 sind mindestens 65 Prozent Treibhausgasreduktion festgeschrieben. Das ist sehr ambitioniert und bedeutet für die Kommunen, also auch für Hirschberg, zukünftig zwingend mehr Tempo beim Klimaschutz als bisher. Aktuelle Planungen, wie bei der neuen Trainingshalle und der Sanierung der Sachsenhalle, gehen mit innovativen Konzepten in die richtige Richtung. Das verabschiedete Klimaschutzkonzept ist aus Sicht der SPD auf jeden Fall ein wichtiger Schritt. Es muss aber noch ergänzt werden, unter anderem durch eine Wärmeplanung und ein Mobilitätskonzept, und es muss natürlich mit Leben gefüllt werden.

Wichtig ist es dabei, trotzdem mit Maß und Ziel vorzugehen sowie die Menschen mitzunehmen und nicht zu überfordern. Wir als SPD plädieren daher dafür, zu prüfen, ob nicht ein zentrales Nah- beziehungsweise Fernwärmenetz eine geeignete Lösung auch für Hirschberg wäre. Das würde die Belastung jedes einzelnen Haushalts, für eine klimaneutrale Heizung zu sorgen, wesentlich verringern und die Menschen in diesem Punkt deutlich entlasten. Selbstverständlich muss die Gemeinde auch bei den eigenen Gebäuden in den nächsten Jahren vorangehen, ausbauen und modernisieren. Gleiches gilt für den Ausbau von klimaförderlichen Grünflächen. Fördermöglichkeiten, wie aktuell bei Balkonkraftwerken, machen darüber hinaus großen Sinn und schaffen auch bei Privathaushalten notwendige Anreize. Dazu kommt, die Ladeinfrastruktur, den öffentlichen Personennahverkehr und Angebote wie das Car-Sharing auszubauen. Größere Flächennutzung für Photovoltaik wird ebenfalls zukünftig erforderlich sein. Wir sprechen uns aber eindeutig gegen Windkraftanlagen direkt an der ersten Hangkante bei beiden Ortsteilen aus.

FDP

Wir als Gemeinde tun schon viel, um den CO2-Ausstoß jedes Jahr weiter zu verringern. Bei jeder Sanierung von kommunalen Gebäuden wird das Thema Klimaschutz mitgedacht. Beim Thema Verkehr können wir als Gemeinde den innerörtlichen Radverkehr stärken.

Mehr Fahrradwege und ein sinnvolles Verkehrsnetz für Fahrradfahrer und Fußgänger sind hier die Stichworte. Für die Alltagsbesorgungen im Ort sollte man, so lange es körperlich möglich ist, keinen Pkw nutzen müssen.