Ostern naht – «Frankfurter Grüne Soße» fehlt?
«Frankfurter Grüne Soße» ist zur Osterzeit in Hessen besonders nachgefragt. Doch dieses Jahr fehlen noch einige Kräuter – was das für die berühmte Spezialität bedeutet.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Mit dem Gründonnerstag beginnt in Hessen traditionell die Zeit der «Frankfurter Grünen Soße» – regional auch «Frankfurter Grie Soß» genannt. Rund um Ostern gehört sie für viele fest auf den Tisch. Eigentlich startet die Saison wetterabhängig meist Anfang März, sagt der Gärtner Rainer Schecker aus Frankfurt-Oberrad.
Für die Erzeuger ist der Gründonnerstag dennoch ein zentraler Termin. Es sei der Hauptvermarktungstag, sagt Schecker. Viele Betriebe erzielten an diesem Tag bis zu einem Viertel ihres Jahresumsatzes.
Grüne Soße ist nicht gleich Grüne Soße
In diesem Jahr feiert die Kräutermischung zudem ein kleines Jubiläum: Seit zehn Jahren trägt sie das EU-Siegel der geschützten geografischen Angabe (g.g.A.). Die Auszeichnung, die 2016 von der Europäischen Kommission verliehen wurde, steht für die enge Verbindung eines Produkts mit seiner Herkunftsregion. Schecker war einer der Gärtner, der sich vor zehn Jahren dafür eingesetzt hatte.
Geschützt sei dabei nicht die fertige Soße, sondern die klassische Kräutermischung, heißt es im Eintragungsantrag an die Europäische Kommission. Diese bestehe aus Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Die Kräuter müssten überwiegend in Frankfurt am Main oder nahe der Stadtgrenze angebaut, verarbeitet und verpackt werden. Kein einzelnes Kraut dürfe mehr als 30 Prozent der Mischung ausmachen, und die sieben Kräuter müssten traditionell in blickdichte weiße Verpackungen von Hand eingewickelt werden.
Kräutermangel bremst Saisonstart der «Frankfurter Grünen Soße»
Der Start in die Saison verläuft in diesem Jahr etwas holprig für Schecker. Wegen des frühen Ostertermins seien in seiner Gärtnerei nicht alle Kräuter erntereif, berichtet er. Deshalb werde aktuell Ware von Kollegen aus der Region Darmstadt zugekauft. «Im Moment verkaufen wir nur "Grüne Soße" und nicht die geschützte "Frankfurter Grüne Soße"», erklärt Schecker. Erst nach Ostern, wenn alle sieben Kräuter aus eigenem Anbau verfügbar seien, dürfe die offizielle Bezeichnung wieder verwendet werden.