Studie: Zehnspuriger Ausbau der A5 technisch möglich
Die A5 bei Frankfurt ist heute schon hoch frequentiert. Vor Jahren wurde eine Machbarkeitsstudie für einen Ausbau von Teilabschnitten der Autobahn in Auftrag gegeben.
Frankfurt (dpa/lhe) - Zigtausende Autos passieren täglich das Frankfurter Kreuz - es gehört zu einem der Verkehrsschwer- und Knotenpunkte in Deutschland. Ein Ausbau der Autobahn 5 wird schon länger diskutiert. Eine mehrere Hundert Seiten umfassende Machbarkeitsstudie einer Ingenieursgesellschaft über den Ausbau der Strecke zwischen dem Frankfurter Kreuz und der Anschlussstelle Friedberg kommt jetzt zu dem Schluss: Eine Erweiterung auf zehn Spuren ist grundsätzlich technisch möglich. Dies würde auch zu einem guten Verkehrsfluss führen, teilte die Autobahn GmbH am Mittwoch mit. Kritik an einem weiteren Ausbau gab es bereits von Umweltschützern.
Mehrere Varianten gecheckt
Mit Blick auf die prognostizierte Verkehrsbelastung seien insgesamt vier Varianten betrachtet worden. Neben dem Verkehrsfluss seien aber auch noch andere Komponenten zu berücksichtigen, wie etwa Auswirkungen auf die Natur, Flächenverbrauch, Luftschadstoffe und Lärmschutz. Bei einem durchgängigen zehnspurigen Ausbau in beide Fahrtrichtungen wäre nach aktuellen Abschätzungen mit Kosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zu rechnen.
«Autobahnen mit fünfstreifigen Richtungsfahrbahnen sind – abgesehen von Verflechtungsstrecken zwischen dicht aufeinander folgenden Knotenpunkten – in Deutschland bislang nicht realisiert worden», heißt es in der Studie. Im Ausland seien Autobahnen mit vier und mehr Fahrstreifen pro Fahrtrichtung vor allem in den Ballungsräumen der USA verbreitet, wo sie bereits seit den 1960er Jahren eingesetzt werden.
Auch überprüfte andere Varianten sein in Deutschland noch nicht realisiert worden, wie zum Beispiel eine Trennung des Regional- und Fernverkehrs über längere Distanzen auf separaten Fahrbahnen.
Untersuchung läuft schon Jahre
Die bereits 2019 noch mit der damals zuständigen Landesbehörde Hessen Mobil in Auftrag gegebene Studie sollte zwei Streckenabschnitte betrachten. Der eine reichte vom Frankfurter Kreuz bis zum Nordwestkreuz, der andere vom Nordwestkreuz bis zur Anschlussstelle Friedberg. Bei der Untersuchung waren die Aspekte Verkehrssicherheit, Breite, Streckenverlauf, Entwässerung und Lärmschutz relevant. In der kommenden Zeit sind nach Angaben der Autobahn GmbH aber noch weitere Untersuchungen nötig.
Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) wies darauf hin, dass die Machbarkeitsstudie zunächst ein Zwischenschritt für die weiteren Abwägungsentscheidungen sei und keinesfalls ein Ergebnis hinsichtlich einer Vorzugsvariante vorwegnehme. «Der zehnstreifige Ausbau ist durch die Studie insoweit nicht vorgegeben oder gar in Stein gemeißelt.» Er habe Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) schon vor Wochen mitgeteilt, dass ein zehnspuriger Ausbau nach seiner Einschätzung nur bei Einhausung möglich ist, also einer Umbauung der Autobahn. Schon heute lasse sich sagen, dass ein zehnspuriger Ausbau der A5 mit Milliardenkosten und aufwendigem Lärmschutz verbunden ist.
Kritiker fürchten Beschleunigung des Klimawandels
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte schon während der Diskussion einen Ausbau kritisiert, weil dieser den Klimawandel nur beschleunigen werde. Der BUND forderte im Februar die hessische Landesregierung auf, Planungs- und Genehmigungskapazitäten allein auf den Erhalt der bestehenden Strecken zu richten und sich insbesondere auf die Schieneninfrastruktur zu konzentrieren. Auf der Homepage des BUND heißt es, eine Verkehrswende bedeute Priorisierung und nicht Ausbau.
Die Stadt Frankfurt ist gegen einen Ausbau. «Die Stadt Frankfurt erwartet vom Bundesverkehrsministerium, dass die Maßnahme im Rahmen der Bedarfsplanüberprüfung gestrichen und planerisch nicht weiterverfolgt wird», heißt es dort. Das Autobahnnetz der Rhein-Main-Region sei eines der dichtesten der Welt und leiste einen großen Beitrag zur Bündelung des Kfz-Verkehrs im Ballungsraum.