Weinheim

Vorläufiges Aus für Neubau der Jugendherberge in Weinheim

Deutsches Jugendherbergswerk, Pilgerhaus und Gemeindediakonie sehen derzeit keine Realisierungschance für das inklusive Projekt, das eigentlich bis 2025 umgesetzt werden sollte.

Aus den Plänen für einen Neubau der Jugendherberge in der Weinheimer Weststadt wird erst einmal nichts. Derzeit sind im Altbau noch rund 30 ukrainische Flüchtlinge untergebracht; ab Juni wird das Pilgerhaus das Gebäude für die Jugendhilfe nutzen. Foto: Thomas Rittelmann
Aus den Plänen für einen Neubau der Jugendherberge in der Weinheimer Weststadt wird erst einmal nichts. Derzeit sind im Altbau noch rund 30 ukrainische Flüchtlinge untergebracht; ab Juni wird das Pilgerhaus das Gebäude für die Jugendhilfe nutzen.

Der Neubau der Jugendherberge in der Weststadt galt als einer der zentralen Bausteine, die den Tourismusstandort Weinheim voranbringen sollen. Doch das inklusive Projekt, welches das Deutsche Jugendherbergswerk zusammen mit dem Pilgerhaus und der Gemeindediakonie Mannheim umsetzen wollte, liegt erst einmal für unabsehbare Zeit auf Eis. Das bestätigten jetzt die Projektpartner und die Stadt Weinheim.

Baukosten- und Zinsentwicklung als Gründe

Seit Ende 2021 habe man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, heißt es in einer Stellungnahme der Projektpartner. Dazu habe man umfassende Analysen und Potenzialbewertungen sowie ein Betriebskonzept und Vorentwürfe für mögliche Baukörper erstellt. Abstimmungen mit der Stadt Weinheim, Fördermittelgebern und Kooperationspartnern sind in diesem Zeitraum erfolgt. Dabei wurde seitens der Stadt ein Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt; die Hector Stiftung hätte das Projekt mit bis zu drei Millionen Euro gefördert. Dennoch sei man zum Ergebnis gekommen, „dass aktuell – vor allem aufgrund der Baukosten- und Zinsentwicklung – die Planungen nicht umgesetzt werden können“, heißt es wörtlich in der Stellungnahme.

Ganz verabschieden wollen sich die Projektpartner aber noch nicht von der Idee, eine inklusive Jugendherberge in Weinheim zu bauen: „Wir sind weiterhin von dem Projekt überzeugt und haben vereinbart, zu gegebener Zeit zu überprüfen, ob das Konzept durch eine veränderte Ausgangslage doch noch umsetzbar ist.“

OB Just: „Entscheidung nachvollziehbar“

Oberbürgermeister Manuel Just zeigte in seiner Stellungnahme Verständnis für die Entscheidung, die Umsetzung des Projektes zu verschieben: „Das ist aufgrund der bekannten Rahmenbedingungen leider nachvollziehbar und wirtschaftlich vernünftig.“ Die Absichtserklärung des Jugendherbergswerkes, den Standort Weinheim nicht aufzugeben, wertete Just als positives Zeichen, dass die Projektpartner ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Er sicherte weiterhin „größtmögliche Unterstützung“ durch die Stadt zu. Die inklusive Jugendherberge bleibe der gemeinsame Plan.

Er habe, so Just weiter, die engagierte und konstruktive Zusammenarbeit der Projektpartner in den zurückliegenden Monaten „eng begleitet und mit großer Sympathie verfolgt“. Dass sich daraus – zwischen Jugendherbergswerk und Pilgerhaus – nun auch eine Interimsnutzung im sozialen Sinne ergebe, beweise ebenfalls die hohe Motivation für eine gemeinsame Zukunft.

Derzeit sind in der ehemaligen Jugendherberge in der Breslauer Straße noch rund 30 ukrainische Personen untergebracht, erklärte der städtische Pressesprecher Roland Kern auf Nachfrage. Bis Ende Mai müsse die Stadt für diese Personen neue Unterkünfte finden. Man sei aber zuversichtlich, dass dies gelingt, weil die Aktion „Vermiete doch an deine Stadt“ bisher auf gute Resonanz gestoßen sei.

Pilgerhaus übernimmt Gebäude

Anschließend übernimmt das Pilgerhaus als Mieter die Jugendherberge, um das Gebäude für eine sozialpädagogische Wohnform für junge Menschen ab 16 Jahren, darunter auch unbegleitete minderjährige Ausländer, zu nutzen.

Lange Vorgeschichte

Coronabedingt ist die Weinheimer Jugendherberge in der Breslauer Straße seit Anfang 2020 geschlossen. Doch schon länger – seit Frühjahr 2017 – hing über dem Haus das Damoklesschwert einer dauerhaften Schließung.

Im November 2021 waren dann das Deutsche Jugendherbergswerk, das Pilgerhaus und die Gemeindediakonie erstmals mit ihren Plänen für einen Neubau der Jugendherberge als Inklusionsbetrieb an die Öffentlichkeit gegangen. Auf rund 15 Millionen Euro wurde damals das Investitionsvolumen geschätzt. Bis 2025 sollte das Vorhaben umgesetzt werden.

In dem Inklusionsbetrieb sollten dann 30 Arbeitsplätze geschaffen werden, etwa die Hälfte für Menschen mit Behinderung oder sozialen Nachteilen. Es wäre die erste Jugendherberge dieser Art in Baden-Württemberg geworden.

Seit April 2022 wurde das Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine genutzt; anfangs waren vor allem Kinder aus dem Kriegsgebiet dort untergebracht. pro