Mörlenbach

100 Jahre junge Musik von der Feuerkapelle Mörlenbach

Das Orchester beeindruckt das Publikum beim Open-Air-Konzert zum Jubiläum

Dirigiert von Laura Gölz bescherte die Feuerwehrkapelle Mörlenbach den Gästen bei ihrem Jubiläumskonzert einen unterhaltsamen Abend Foto: Philipp Reimer Photography
Dirigiert von Laura Gölz bescherte die Feuerwehrkapelle Mörlenbach den Gästen bei ihrem Jubiläumskonzert einen unterhaltsamen Abend

Sie wollten nie erwachsen sein, haben immer sich zur Wehr gesetzt: Mit „Nessaja“ von Peter Maffay aus dem Kindermusical „Tabaluga“ brachten die Musiker ihren innersten Wunsch zu Gehör: niemals alt und überholt werden; niemals abgehängt sein. Beim Freiluftkonzert der Feuerwehrkapelle Mörlenbach anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Truppe wurde das eindrücklich bewiesen.

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Zum Repertoire der Kapelle gehörten nämlich bekannte Märsche, Polkas und Walzer, aber auch moderne Stücke aus dem Rock- und Pop-Bereich. Den Anfang machte beispielsweise der Yorcksche Marsch, der sonst zum Großen Zapfenstreich gespielt wird. Gefolgt vom „Mars der Medici“, mit dem der Komponist Johan Wichers einst seinen Ärzten danken wollte.

Dass Blasmusik abwechslungsreich und vielseitig ist, man nicht zum alten musikalischen Eisen gehört, diese Thesen füllen die Akteure um Dirigentin Laura Gölz mit Leben. „Ihr Alter sieht man Ihnen gar nicht an“, stellte Landrat Christian Engelhardt auf seiner Stippvisite beim Jubiläumskonzert kess fest. Lang bleiben konnte der Kreis-Chef aber nicht. „Wenn ich meinen Folgetermin verpasse, hilft nicht einmal mehr die Feuerwehr: 70. Geburtstag meiner Schwiegermutter“, gab er augenzwinkernd zu verstehen.

Widrige Umstände gemeistert

Entgehen lassen wollte sich Engelhardt das Platzkonzert aber nicht, wenigstens ein paar Titeln der Akteure lauschen und ihnen verbal auf die Schulter klopfen. Denn dass eine Gruppierung so lange besteht, das ist angesichts des Vereinssterbens durchaus eine Besonderheit. „Nicht wenn es brennt, aber wenn es gesellig sein soll, dann sind Sie da. Sie gestalten das Leben im Kreis, das Leben in Mörlenbach und daher sind Sie so wichtig“, quittierte der Landrat.

Auch von Bürgermeister Erik Kadesch gab es Lob und Anerkennung. Er beglückwünschte die Kapelle zu 100 Jahren Beständigkeit, Kontinuität, Gemeinschaftssinn und Vereinsgeist. Kadesch gratulierte den Akteuren vor allem dafür, dass sie sich von der Coronakrise nicht haben unterkriegen lassen und im Rahmen der Hygieneregeln den Kapellenbetrieb aufrechterhielten. „Ich erinnere mich an die Zeit meines Wahlkampfes. Als Sie alle dann wenigstens im Hof der Feuerwehr geprobt hatten.“

Durchhaltevermögen und Kämpfergeist, das hatten die Musiker in der Vergangenheit schon oft bewiesen und auch beim Jubiläumskonzert war es nun gefragt. Zahlreiche Gäste waren gekommen, hatten die Bierzeltgarnituren im Schatten der Schirme´, aber auch die in der prallen Sonne bis auf den letzten Platz besetzt. Doch weil einige Musiker krankheitsbedingt ausgefallen waren, musste das Programm kurzfristig umgestellt werden.

Auch die finale Instrumental-Besetzung stand erst wenige Minuten vor Auftrittsbeginn fest. Doch das brachte alle kaum aus der Ruhe. Man sei es gewöhnt, zu improvisieren. Unter der Überschrift „Das machen wir spontan“ ließen sich Kapelle und Publikum gleichermaßen treiben. Alfred Rettig hielt sich in Bereitschaft, falls Andreas Jäger während des Konzerts Vater geworden wäre. Ansonsten brillierte Neuzugang Christian am Schlagzeug, erstmals ohne erfahrene Unterstützung, dafür aber mit Frank an der Pauke. Gemeinsam gaben die Männer den Takt an und das Tiefenblech folgte.

Seit 1923 hatte die Gruppierung viele Dirigenten gesehen. Ihrer gedachte Moderatorin Hanna Gölz-Weis, die den Abend über souverän durchs Programm führte und Zusatzinformationen zu den einzelnen Titeln gab. Entgehen ließen sich das Spektakel auch nicht Bundestagsabgeordneter Dr. Michael Meister sowie die Abgeordnete des hessischen Landtages Birgit Heitland.

Dass die Kapelle eine wichtige kulturelle Bedeutung im ganzen Weschnitztal hat, macht die Besetzung im Hintergrund klar: Dirigentin Laura Gölz ist zugleich Kreisstabsführerin im Landkreis Bergstraße, Tanja Rettig hat die Ausbildungsleitung inne. So arbeitet man in Mörlenbach und im Kreis daran, die Feuerwehrmusik auch weiterhin auf solide Beine zu stellen: Auf die nächsten 100 Jahre.

An der Bar hatten Jutta, Jochen, Silke, Andres, Christoph und Doris alle Hände voll zu tun. Die Sommersonne machte Durst – und spülte Geld in die Vereinskasse. Und das wird für die Nachwuchsarbeit auch dringend benötigt: Seit Ende April gibt es nämlich eine neue Jugendgruppe der Feuerwehrkapelle. Dort sind Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren willkommen, die bereits ein Instrument spielen können. Geprobt wird jeden Donnerstag von 19 bis 19.45 Uhr – außer in den Ferien.