Rimbach

Demonstration für Demokratie in Rimbach

Am Freitag versammelten sich 50 Menschen auf dem Rimbacher Marktplatz für die erste von insgesamt acht Veranstaltungen.

"Für Demokratie und Vielfalt": Um die 50 Menschen kamen zur Kundgebung auf den Rimbacher Marktplatz. Foto: Fritz Kopetzky
"Für Demokratie und Vielfalt": Um die 50 Menschen kamen zur Kundgebung auf den Rimbacher Marktplatz.

Das Thermometer zeigt zwei Grad über Null, und nach einigen Minuten des Stehens kriecht die Kälte unter Schals und Handschuhe. Eberhard Bickel lässt den Blick über den Rimbacher Marktplatz schweifen und macht sich Sorgen: „Kommen denn überhaupt noch Leute?“ Da ist es kurz vor sechs; erst eine Handvoll Teilnehmer steht beisammen, aber die Kundgebung hat noch gar nicht begonnen.

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Es geht am gestrigen Abend darum, Haltung zu zeigen, für die Demokratie einzustehen – so steht es auf dem Transparent in der Rathausstraße. Neben Bickel sind die Initiatoren seine Frau Stefanie Janitschka-Bickel, Marion Vetter und Jürgen Winkler, und Bickel kündigt an: „Das ist heute die erste von acht Veranstaltungen.“

Notfalls auch nur zu viert

Sie sollen bis zur vorgezogenen Bundestagswahl im Februar fortgesetzt werden; noch sieht es nicht danach aus, als ob viele Menschen auf den noch weihnachtlich geschmückten Platz kommen, doch sagt der Rimbacher, dass sich im Vorfeld bestimmt zehn Interessenten bei ihm gemeldet und abgesagt hätten: „Aber notfalls stellen wir uns auch nur zu viert hierher.“

Winkler hat ein Transparent machen lassen, auf dem zu lesen ist, worum es dem Quartett geht: „Für Demokratie und Vielfalt, für Toleranz und Empathie, gegen Hass und Hetze, gegen Rechtsextremismus.“ Die Demonstration ist die Fortsetzung der Mahnwachen, die im vergangenen Jahr begonnen wurden, nachdem ein Geheimtreffen öffentlich gemacht wurde. Die „Remigrations“-Pläne der Extremisten sorgten auch im Weschnitztal für Empörung. Den Zusatz „gegen Rechts“, den es damals noch gab, haben die Organisatoren mittlerweile gestrichen, denn Bickel erklärt, dass er manchen, der sich politisch als konservativ einordnet, gegen die Sache aufgebracht habe. Deshalb also „Demokratie bewahren – Haltung zeigen“.

Nun wird es voller auf dem Platz, und schließlich versammeln sich gut 50 Menschen; Gemeindevertreter sind dabei, Mitstreiter aus dem Weschnitztal, aber auch aus Mannheim und anderswo. „Danke fürs Kommen“, ruft Bickel, der seinen Blick schweifen lässt und froh ist, dass die Schar trotz widrigem Wetter und Weihnachtsferien doch noch deutlich angewachsen ist. Allmählich verstummen die Gespräche um ihn herum, und er erklärt, warum sich die Gruppe entschloss, zum zweiten Mal Kundgebungen zu veranstalten: „Demokratie ist das, was uns so leben lässt, wie wir leben.“

Er meint die Grundrechte, speziell das der Versammlungsfreiheit: „Wenn wir hier demonstrieren wollen, muss das nicht genehmigt, sondern lediglich angekündigt werden.“ Es sei nicht alles perfekt im Land, doch oft werde auf hohem Niveau gejammert. Und deshalb müsse man gerade in der jetzigen Situation Haltung zeigen, auch privat: „Man muss sich zu Wort melden, argumentativ dagegen halten.“ Er nennt das Beispiel einer Frau, die beim Brötchenkaufen klagte: „Nirgends ist es so schlecht wie in Deutschland.“ Verhaltenes Gelächter antwortet ihm. Viele sehen es genauso wie er; eine Frau trägt ein Schild, auf dem steht: „Misch dich ein, sage nein zu Rassisten und AfD.“ Sie grinst und bemerkt: „Man kann es sogar umdrehen.“ Auf der Rückseite ist der Satz „Demokratie ist bunt“ zu lesen.

Die Kundgebungen für die Demokratie finden jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr auf dem Marktplatz in Rimbach statt. Sie sollen bis zu den vorgezogenen Bundestagswahlen fortgesetzt werden.