Der OKACLU feiert in Abtsteinach Fastnacht bis zur Bundestagswahl
Prinzeneinholung: Wenn die „Strada Hardberga“ bebt. Oder: Warum es beim Urnengang in Abtsteinach um einiges lustiger zuging als sonst.
Abtsteinach. Karneval und Bundestagswahl – in der Überwälder Fastnachtshochburg Ober-Abtsteinach traf gestern eine lieb gewonnene Tradition auf eine wichtige demokratische Angelegenheit. Und das hat viel mit dem örtlichen Hochadel zu tun, der in der „Strada Hardberga“ erst zum großen Umtrunk geladen hatte, bevor er dann in schwindelerregende Höhen aufsteigen durfte.
Mit viel Pomp
Über die Frage, ob denn Prinz Dominik I. „vom Schützenhof zur Hardbergquelle“ beim Urnengang zur Bundestagswahl Privilegien genießt, wie beispielsweise ein doppeltes Stimmrecht, musste Bürgermeister Sven Bassauer dann doch kurz auflachen. „Nein“, versicherte er Sonntagmorgen im Innenhof des Gastgebers, wo ein Festzelt aufgebaut war und bereits ausgelassene Stimmung herrschte. Aber, so Bassauer weiter: „Heute ist die Prinzeneinholung, und das ist sein Tag. Deshalb hat er mehr Rechte als der Bürgermeister.“
Einholung – was unspektakulär klingt, ist ein Ereignis, das der Ober-Abtsteinacher Karnevalsclub (OKACLU) erneut mit viel Pomp regelrecht zelebrierte. Mit Kapelle, Hofstaat, Garde und – als Höhepunkt – einer Laudatio des „Hofmarschalls“ Bernd vom Burghof alias Dr. Bernd Disam, in der er wie gewohnt seine lateinischen Eigenkreationen feinsinnig einbettete und die Regentschaft der beiden würdigte.
Er war es auch, der gemeinsam mit ritterlicher Begleitung den Zug anführte. Kurz zuvor hatte Tim Buchhaus mit einem Kompaktlader Prinz Dominik in die Höhe steigen lassen. Natürlich war dieser mit Narrenzepter ausgestattet, den Insignien der Macht – und sei es nur für die fünfte Jahreszeit. So ging es durch die kurzerhand umgetaufte „Strada Hardberga“. Die Häuser in „Steinacha superior“ schmückten Girlanden in den Farben des OKACLU. Ein Geburtstagsständchen gab’s auf dem Weg. Angelika Beckenbach hatte hochprozentige Erfrischungen in einem Korb parat. Andere Anwohner jonglierten mit Tabletts in Richtung Umzug. Während einige Wähler das Rathaus ansteuerten, um ihre Stimme abzugeben, zog der närrische Verein an der Kirche vorbei und ließ sich von über hundert Zuschauern mit Helaurufen bejubeln. Und die Sonne tauchte das ganze Geschehen in ein farbenfrohes Licht, als der Trupp am „Goldenen Bock“ eine Pause einlegte.
Lea I. muss zu Fuß gehen
Prinz Dominik war auch hier ein viel gefragter Gesprächspartner, entsprechend schwer war es, zu ihm durchzudringen. Dann endlich: „Es ist ein Traum.“ Er sei von der Stimmung angetan und erzählte, dass der Sitzungsmarathon für das Prinzenpaar noch lange nicht zu Ende sei. „Noch drei Veranstaltungen haben wir vor uns.“ Ein ähnliches Fazit zog Prinzessin Lea I., die leider die Strecke zu Fuß gehen musste: „Es war der Hammer, die diesjährige Kampagnensaison konnten wir echt in vollen Zügen genießen.“
„Nicht lumpen lassen“
Wohl auch ihre Gäste, denn Disam stellte später im Jugendheim, wo gegen Mittag der eigentliche Kern der illustren Veranstaltung eröffnet wurde, anerkennend fest: „Ihro Hoheit haben sich nit lumpen lassen ... Dies Gelag haben alle von Herzen fröhlich gemacht.“ Sodann ließ er die Regentschaft des 67. Prinzenpaars Revue passieren, von konspirativen Treffen, nächtlichem Wandern über Kuhweiden war die Rede bis zum ersten Höhepunkt, der öffentlichen Enthüllung ihrer Regentschaft am 11. November, die wegen eines Ablenkungsmanövers zu einem Überraschungscoup wurde. Der Jubel war groß: „Ein stürmisch Jauchzen. Ein Schreien, was der Hals vermag.“ Dominik erfreute sich zudem großer „Reputatio“, versicherte Disam, denn er sei Spross einer ruhmreichen Karnevalsfamilie. Die Schönheit und Talente Leas I. wurden genauso gerühmt wie die Kampagne; sie war von wundersamen Wesen geprägt. Feen, Kobolde, Harry Potter, all das wurde künstlerisch auf die Bühne gebracht – sieben Mal vor ausverkauftem Haus.
Derart mit Lob überschüttet, überreichte Disam allen OKACLU-Aktiven einen Orden. Die gute Tradition mit der Kartoffelwurst gab es natürlich auch: Während die Narrenschar sich mittags feierte, brutzelte sie im großen Ofen vor sich hin.
Feiern bis zur Hochrechnung
Erst gegen Abend soll das bunte Treiben zu Ende gewesen sein, sodass noch Zeit blieb, sich den ersten Hochrechnungen zuzuwenden. Ob die ausgelassene Stimmung auch nach der Verkündung der Wahlergebnisse anhielt, ist nicht überliefert. Aber als die ungewöhnlichste und bunteste Bundestagswahl bleibt der Sonntag zumindest im Ort in Erinnerung.