Nieder-Liebersbach

Stammzellenspende für Stephanie: Eine Halle voller Hoffnung und Zuversicht

Ein ganzer Ort hält zusammen: Bei der Aktion der DKMS in Nieder-Liebersbach für Stephanie Kohlmann-Mechnig werden rund 300 Registrierungen gezählt.

„Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“ – so einfach geht die Registrierung für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Foto: Ernst Lotz
„Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“ – so einfach geht die Registrierung für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

Ein ganzer Ort hält zusammen: Die Nieder-Liebersbacher haben es geschafft, am Sonntagnachmittag eine ganze Halle mit Hoffnung und Zuversicht zu füllen: In der Sporthalle der SVG Nieder-Liebersbach wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Registrierungsaktion für Stephanie Kohlmann-Mechnig organisiert – und ein ganzer Ort zeigte sich solidarisch mit der Frau, die aus Nieder-Liebersbach nicht wegzudenken ist. Nach dem Motto „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“ ließen sich innerhalb von vier Stunden viele Menschen in die Spenderdatei aufnehmen, verbunden mit der Hoffnung, als möglicher Stammzellspender für Stephanie Kohlmann-Mechnig oder für einen der vielen weiteren an Leukämie Erkrankten infrage zu kommen.

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45 Minuten nach Eröffnung der Aktion wurden bereits 64 Registrierungen gezählt – und viele weitere hundert Besucher, die die Aktion auf vielfältige Weise unterstützen – durch einen Wangenschleimhautabstrich mittels Wattestäbchen, durch Geld- oder Kuchenspenden oder schlicht durch Worte und Umarmungen, die unbezahlbar sind. Alle Beteiligten waren sich zu diesem Zeitpunkt bereits sicher, dass das ein erfolgreicher Nachmittag werden würde. Bis zum Ende der Aktion haben sich schließlich rund 300 Menschen registrieren lassen. Lars Hennig und Fynn Herker sind zwei von ihnen.

Auch Lars Hennig (Mitte) und Fynn Herker (rechts) gehörten zu den vielen Menschen, die sich an der Registrierungsaktion beteiligten. Foto: Ernst Lotz
Auch Lars Hennig (Mitte) und Fynn Herker (rechts) gehörten zu den vielen Menschen, die sich an der Registrierungsaktion beteiligten.

„Wir sind dabei. Da machen wir mit“

„Stephanie ist ein Mensch, der immer hilft. Da ist es nur selbstverständlich, dass wir sie auch unterstützen“, sagte Lars Hennig. Der 30-jährige Nieder-Liebersbacher musste nicht lange überlegen, als er von der geplanten Aktion erfahren hatte. Und damit war er nicht allein. Zahlreiche Menschen boten sofort ihre Unterstützung an, viele wollten helfen – von Thekendienst bis Kuchenbacken. Auch für ihn und die Kerweborschte, bei denen er aktiv ist, war klar, dass sie sich beteiligen werden. Das sagte auch der 19-jährige Fynn Herker aus Ober-Liebersbach: „Wir haben direkt gesagt: Wir sind dabei. Da machen wir mit.“ Gesagt, getan. Denn dann ging es auch schon los.

Nur wenige Schritte

Lars Hennig und Fynn Herker scannten mit ihren Smartphones zunächst einen QR-Code, denn die Registrierung fand auf digitalem Weg statt. Sie beantworteten persönliche Fragen, beispielsweise zu Vorerkrankungen, und wurden gebeten, ihre persönlichen Daten einzugeben, die auch im Falle einer Stammzellspende wichtig werden, um sie kontaktieren zu können, falls sie als Spender infrage kommen sollten. Dann hieß es „Mund auf“: In dem Registrierungsset, das jeder Interessierte erhielt, waren insgesamt drei Wattestäbchen enthalten, mit denen der Wangenschleimhautabstrich selbstständig durchgeführt wurde – 60 Sekunden lang pro Stäbchen. Zur besseren zeitlichen Einschätzung lief auf der digitalen Maske auf dem Handydisplay, die die Interessierten durch die Registrierung führte, eine Uhr mit. Danach ging es mit den Wattestäbchen zurück in das vorgesehene Mäppchen und schließlich in einen großen Karton, der sich an diesem Nachmittag noch enorm füllen sollte.

„Stephanie ist ein Mensch, der immer hilft. Da ist es nur selbstverständlich, dass wir sie auch unterstützen“

Szenenwechsel: Mit jeder Minute füllte sich nicht nur der große Karton, sondern auch die SVG-Halle selbst. Vor die Bühne, wo eben noch die Sportakrobaten der SVG Nieder-Liebersbach ihr Können zeigten, wurden noch mehr Tische und Bänke gestellt, denn der Andrang war groß. „Das sehen wir bei Registrierungsaktionen direkt vor Ort immer wieder“, erklärte Angela Wistuba-Hamprecht von der DKMS. „Es gibt für die Angehörigen zwei Möglichkeiten, mit uns gemeinsam Aktionen zu starten: Das geht sowohl als Online-Aktion, die das Ziel verfolgt, dass sich die Interessierten Registrierungssets nach Hause bestellen, als auch mit einem Vor-Ort-Termin wie hier in Nieder-Liebersbach. Wenn jemand gut im Ort vernetzt ist und beispielsweise Vereine involviert werden, ist das eine tolle Chance, viele Menschen zu erreichen“, erklärte Wistuba-Hamprecht.

Rund zwei bis drei solcher Registrierungsaktionen wie in Nieder-Liebersbach werden pro Woche deutschlandweit gezählt. Aber das ist nicht genug, um aufzuhören. „Man darf nicht vergessen, dass jedes Jahr potentielle Stammzellspender aus Altersgründen aus der Spenderdatei ausscheiden – im Jahr 2023 waren das 135 000 Menschen. Daher müssen wir immer wieder auf das Thema Stammzellspende und auf unsere Arbeit aufmerksam machen. Wir brauchen Neuregistrierungen“, erklärte sie und freute sich über die große Resonanz in der SVG-Halle. Ein Rekord an angeforderten Registrierungssets wurde übrigens im November 2023 aufgestellt: Durch die deutschlandweite mediale Aufmerksamkeit, für die die ProSieben-Moderatoren Joachim „Joko“ Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf verantwortlich waren, wurden in nur 72 Stunden 38 000 Anforderungen von Registrierungssets gezählt. Sie alle können dabei helfen, Hoffnung zu schenken – für Stephanie und viele weitere.

Nieder-Liebersbach hält zusammen: Freunde und Familie von Stephanie Kohlmann-Mechnig organisierten gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Registrierungsaktion für Stephanie, die mit ihrer Band, den „Celtic Friends“, vor Ort in der SVG-Sporthalle spielte – und von der Resonanz auf die Aktion gerührt war. Foto: Ernst Lotz
Nieder-Liebersbach hält zusammen: Freunde und Familie von Stephanie Kohlmann-Mechnig organisierten gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Registrierungsaktion für Stephanie, die mit ihrer Band, den „Celtic Friends“, vor Ort in der SVG-Sporthalle spielte – und von der Resonanz auf die Aktion gerührt war.

„Ich bin überwältigt“

Von der Bühne aus sah es nochmal überwältigender aus, denn sie hatte den Blick auf die vielen Menschen, die gekommen waren, um sie zu unterstützen. „Ich bin von der Resonanz überwältigt“, sagte Stephanie Kohlmann-Mechnig sichtlich gerührt von der großen Anteilnahme und voller Dankbarkeit. Und dann machte sie das, wofür man sie kennt: Sie griff zu ihrem Instrument. Sie standen zu fünft auf der Bühne – so wie sie es immer machen: die Bandmitglieder um Stephanie Kohlmann-Mechnig und Michael Böhler. Als „Celtic Friends“ sind sie eines der Aushängeschilder von Nieder-Liebersbach und weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Sie umrahmten die Aktion mit Musik und erhielten viel Applaus, der an einem solchen Tag besonders guttat. „Danke an alle Helfer und Spender“, sagte Bandkollege Michael Böhler durch das Mikrofon.

„Diese Aktion ist ein Paradebeispiel dafür, wie man das Wort ,Zusammenhalt’ mit Leben füllen kann“

Bereits bei den Fastnachtssitzungen und bei der „Boa Narhalla“ durch Abtsteinach wurde für die Aktion fleißig geworben – „mit Erfolg“, sagte Michael Böhler mit einem Lächeln. Und unten vor der Bühne füllte sich die Halle mit jeder Minute ein bisschen mehr.

"Lebensfreude und Hoffnung"

Die Schlange derer, die ihr Registrierungsset abholen, wollte nicht abreißen. In diese reihte sich auch Bürgermeister Milan Mapplassary ein, der sich zum ersten Mal an solch einer Aktion beteiligte und nur staunen konnte. So sei der Anlass für diese Aktion zwar ein trauriger, aber in der Halle werde das Leben gefeiert, was sehr schön zu sehen sei. „Einer Krankheit werden Lebensfreude und Hoffnung gegenübergestellt“, sagte Mapplassary. „Diese Aktion ist ein Paradebeispiel dafür, wie man das Wort ,Zusammenhalt’ mit Leben füllen kann“, betonte ein sichtlich stolzer Bürgermeister, der sich freute, dass so viele Menschen ein Zeichen setzten.

Zurück zu Lars Hennig und Fynn Herker: Sie mischten sich unter die vielen Helfer und unterstützten die Kerweborschte, die vor der Halle Leckeres verkauften. Und drinnen in der Halle saßen die vielen potentiellen Lebensretter bei Kuchen und guten Gesprächen zusammen. Übrigens: In Nieder-Liebersbach kamen mehrere Tausend Euro an Geldspenden zusammen. So war diese Aktion vor allem eines: ein Zeichen gelebter Solidarität.