Fürth: Giftköder sorgt für Aufregung
Hundehalter aufgepasst! In Fürth, in der Gegend Galgenhohl, wurden mehrere verdächtige Fleischstücke auf und am Rande des Fußweges gefunden.
Fürth. Es sind kleine „Schnitzel“ mit blauen Körnern, die jetzt für Aufregung und Bestürzung sorgen. Die Polizei teilt mit, dass es sich bei den Stücken, „die eine fleischartige Konsistenz aufweisen“, um Giftköder handeln könnte.
Wie wirkt Schneckenkorn?
Hersteller von Schneckenkorn-Präparaten werben unter anderem damit, dass es „für Mensch und Haustier, Igel und andere Tiere unbedenklich“ sei. Was nicht in jedem Fall richtig ist. Bei Schneckenkorn handelt es sich um ein Molluskizid, also ein Mittel, das Weichtiere bekämpft. Es tötet sie entweder, wenn sie es fressen oder, wenn sie es über Schleimhautkontakt aufnehmen. Darin sind aktuell drei verschiedene Wirkstoffe enthalten, wie die Seite www.plantura.garden.de informiert: Zum einen findet man das giftige Metaldehyd, zum anderen das gut verträgliche Eisen-III-Phosphat, das auch im ökologischen Landbau zugelassen ist sowie ein auf ätherischen Ölen basierendes Granulat. Metaldehyd wirkt auf Schnecken austrocknend, indem es die schleimproduzierenden Zellen irreparabel schädigt.
Bis 2014 war ebenso das auch für Menschen gefährliche Neurotoxin Methiocarb noch zugelassen; Gartenbesitzern wird empfohlen, Mittel in dieser Zusammensetzung zu entsorgen.
Frisst ein Hund Schneckenkorn, liegt ein lebensbedrohlicher Notfall vor. Dazu heißt es auf der Seite erste-hilfe-beim-hund.de: „Wie stark das Schneckenkorn giftig für den Hund wirkt, hängt dabei wesentlich von der aufgenommenen Menge ab.“ Es wirkt bedeutend schneller als Rattengift, doch weil sich die Symptome nur schwer zuordnen lassen, kann man den Wirkstoff nur im Labor nachweisen. Nach 30 bis 60 Minuten tritt Unruhe auf, der Herzschlag kann unregelmäßig sein, die Körpertemperatur absinken.
Die Seite listet Weiteres auf: Speicheln, Erbrechen mit Blut, Reizung der Augen- und Mundschleimhaut, Durchfall, Zittern, Krämpfe, schnelle Atmung, heftiges Hecheln, schwankender Gang, Koordinationsstörungen, hohes Fieber und Koma – es sind unspezifische Symptome, außer man findet im Erbrochenen Reste der blauen Körnchen.
Es wird abgeraten, den Hund erbrechen zu lassen, weil Erstickungsgefahr besteht. Auch wenn manchmal empfohlen wird, immer Aktivkohle mitzuführen, raten Tierärzte zu einem schnellen Besuch und möglichst zu einer stationären Aufnahme oder entsprechenden Überwachung. Der Verein „Tasso“ schreibt: „Hände weg von Selbstmedikation!“ Das Tückische bei Vergiftungen mit Schneckenkorn: Auch wenn der Hund Glück hat und überlebt, können schwere Leberschäden zurückbleiben.
Ein Spaziergänger, der am Wochenende bei Kröckelbach im Bereich „Galgenhohl“ unterwegs war, entdeckte die Brocken, und im Rathaus vermutet man, dass es sich bei den blauen Bestandteilen um Schneckenkorn handelt (siehe weiteren Bericht). „Wir haben geraten, den Vorfall anzuzeigen“, sagt Ordnungsamtsleiter Simon Mager. Das hat der Hundehalter getan, und Polizei-Pressesprecher Bernd Hochstädter fährt fort: Die Gegenstände seien „ungefähr ein bis zwei Zentimeter groß“ gewesen. Er rät Hundebesitzern, beim Ausführen ihrer Tiere aufmerksam zu sein, auch wenn bislang keine weiteren Köder gefunden wurden.
Bauhof kontrolliert Feldwege
Im Rathaus ist man ebenfalls weiter hellhörig. Mager erklärt, dass die Bauhof-Mitarbeiter bei ihrer „Mülltour“ auf den Feldwegen rund um den Kernort und die Ortsteile besonders wachsam sind. Neu sind diese Anschläge auf Vierbeiner leider nicht, bedauert Mager: „Wir haben das mehrmals im Jahr an verschiedenen Orten.“ Immer handle es sich dabei um vergiftete Fleischstücke; Wurst mit spitzen Gegenständen oder anderes sei noch nicht gefunden worden. Die Gemeinde könne selbst wenig tun, außer die gefährlichen Brocken zu entsorgen, die Verbindungswege, „Gassirouten“ oder den Kunstwanderweg regelmäßig abzufahren und die Einwohner zu warnen.
Vorfälle anzeigen
Das ist auch jetzt geschehen; über den Facebook-Auftritt wird mitgeteilt, dass bereits „entsprechende Maßnahmen eingeleitet“ wurden. Die Menschen werden gebeten, verdächtige Vorfälle umgehend anzuzeigen: „Die Gesundheit und das Wohlergehen Ihrer Haustiere stehen für uns an erster Stelle.“
Mager weiß um die Mischung aus Wut und Hilflosigkeit, die solche Nachrichten regelmäßig nach sich ziehen. Er ist aber auch sicher, dass die Tierbesitzer dankbar sind, wenn sie informiert werden: „Seit einigen Jahren, eigentlich seit der Coronazeit, geben wir solche Warnungen heraus.“ Und diese würden sich erfahrungsgemäß schnell herumsprechen. Soweit es den Kröckelbacher Hund angeht, dessen Besitzer den Köder gefunden hat, steht zu vermuten, dass er wohlauf ist – er und auch seine Artgenossen.
Denn Hochstädter schreibt: „Bei uns ist nichts darüber bekannt, dass irgendein Hund von dem Köder gefressen hätte. Wie bereits erwähnt, die Köder wurden bemerkt und an die Polizei weitergemeldet.“
Die Polizei Heppenheim (Kommissariat 41) bittet im Fall der gefundenen Giftköder um Hinweise. Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 06252/7060 bei den Beamten zu melden.
Nicht immer geht es für Hunde und ihre Besitzer so glimpflich aus wie in diesem Fall. Wir haben hier und hier und hier berichtet.