Gäste aus Frankreich bestaunen den Windpark Kahlberg von Grasellenbach und Fürth
Beim Austausch mit der Delegation aus Bédarrides steht das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda. Die Bürgerbegegnung wird mit interessanten Fakten zu Erneurbaren Energien unterfüttert.
Das Thema Nachhaltigkeit zog sich wie ein roter Faden durch die Programmpunkte der Bürgerbegegnung zwischen den Gemeinden Bédarrides und Grasellenbach. Die Bundesgartenschau (Buga) in Mannheim hat sich dem diesem Thema verschrieben und war Ziel des ersten Tagesausfluges. Am folgenden Tag ließen sich die Gäste dann von 200 Jahren Technikgeschichte im Mannheimer Technoseum inspirieren.
Passend zum Thema hat der Freundeskreis Bédarrides für den Schlusstag des Besuches aus Frankreich eine kleine Rundfahrt durch die Gemeinde Grasellenbach organisiert. Die erste Station dieser Tour war der Windpark Kahlberg an der Gemarkungsgrenze zu Fürth. Dort bekamen die Gäste einige Informationen rund um die Themen Windkraftanlagen und Strom aus erneuerbaren Energiequellen.
Martin Monnheimer hatte als Vertreter des Freundeskreises ein paar anschauliche Vergleiche und interessante Daten zusammengetragen. Die Verschwisterung lebe seit nunmehr 40 Jahren, und vor 40 Jahren habe jeder Bürgermeister davon geträumt, dass es eine Ölquelle in seiner Gemeinde geben möge und man damit reich werde. Öl habe man in Grasellenbach zwar seither nicht gefunden, aber eine halbe Million Euro an Pacht und Gewinnbeteiligung flössen den Gemeinden jedes Jahr durch den Windpark zu. Und das sei für Grasellenbach und Fürth natürlich ein sehr willkommener Beitrag für die Finanzen.
Anschauliche Vergleiche
Die Windräder auf dem Kahlberg haben eine Gesamthöhe von etwa 130 Metern und eine Nennleistung von je 3,3 Megawatt (MW), was einer jährlichen Einsparung von 6500 Tonnen CO2 entspricht. Die Energieerzeugung von 3,3 MW je Windturbine wurde mit zwei Zahlenvergleichen anschaulich gemacht: Jedes Windrad erzeugt genug Strom für mehr als 2000 Haushalte, damit decke bereits ein Windrad den gesamten Bedarf an Haushaltsstrom in der Gemeinde Grasellenbach.
Eine einzige Umdrehung eines Windrades lasse ein modernes Elektroauto mehr als 25 Kilometer fahren. Das bedeute: In etwa vier Minuten generiert ein Windrad den kompletten Energiebedarf für eine Fahrt der fast 1000 Kilometern von Grasellenbach nach Bédarrides. In Deutschland gebe es derzeit etwa 30 000 Windkraftturbinen, in Frankreich etwa 10 000, führte Monnheimer weiter aus. Mit der erzeugten Windenergie werde in der Bundesrepublik mehr als 25 Prozent des Strombedarfes gedeckt. Zusammen mit Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse käme inzwischen etwa 60 Prozent der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen, an Spitzentagen seien es sogar 80 Prozent.
Vorteile über Zweifel erhaben
Deutschland produziere seit mehr als 20 Jahren deutlich mehr Strom als es selbst verbrauche, die Bundesrepublik ist ein Stromexportland. Dennoch sei der weitere Ausbau der Kapazitäten für Erneuerbare Energien geplant und notwendig, um fossile Energieträger wie Gas und Braunkohle möglichst rasch zu ersetzen. Der Klimawandel mit all seiner zerstörerischen Wirkung sei ohne rasche und konsequente Energiewende nicht aufzuhalten.
Natürlich gebe es bei jedem Windpark Diskussionen und Einwände im Hinblick auf Naturschutzfragen und auf den Einfluss auf das Landschaftsbild; das müsse immer abgewogen werden. Die technischen und ökonomischen Vorteile der Windkraft seien aber längst über alle Zweifel erhaben.
Die Gäste aus Bédarrides interessierten sich dann auch für andere Quellen Erneuerbarer Energien, und auch da konnten die Vertreter des Freundeskreises Informationen aus erster Hand liefern. Es gebe in Grasellenbach nicht nur grünen Strom aus Windenergie, sondern auch Biomassekraftwerke, also Heizungen und Stromerzeugung aus Holzresten, und es gebe private, recht stattliche Solaranlagen. Beispielsweise würden mit den 4000 Quadratmetern Photovoltaik auf den Fabrikdächern des ehemaligen Sägewerks jedes Jahr Hunderttausende von Kilowattstunden an Energie gewonnen.
Die Attraktionen des Geozentrums
Der kleine Vortrag wurde mit einem augenzwinkernden Wunsch an die französischen Gäste beschlossen: Natürlich sei die Sonne in der Provence noch viel ergiebiger als in den Höhenlagen des Odenwaldes, doch man möge diese Sonnenenergie in Bédarrides bitte auch weiterhin in den herrlichen Rotwein verwandeln. Das sei am Ende noch wertvoller als Strom. Und falls es an grünem Strom mangele, dann könne man vielleicht mit Exporten aushelfen.
Die Rundfahrt der Gäste führte vom Kahlberg weiter zu Attraktionen des Geozentrums Tromm. An den Litzelbacher Steinbrüchen erläuterte Bürgermeister Markus Röth die Geschichte der historischen Sandsteingewinnung, geschmückt von lustigen Episoden. Dann beschrieb er den langen aber letztlich doch sehr erfolgreichen Weg durch bürokratische Instanzen, an dessen Ende jetzt ein hochinteressanter und attraktiver Ausflugs- und Begegnungsort stehe. Auf die Ergebnisse der beispielhaften Kooperation der drei Tromm-Gemeinden Grasellenbach, Wald-Michelbach und Rimbach könne man mit Stolz blicken.
Hinauf auf den Trommturm
Nach einer Stärkung in der neu erstellten Schutzhütte steuerten die Gäste das letzte Ziel der Rundreise an: den Trommturm. Dort wurden sie zum krönenden Abschluss, nach Erklimmen der 192 Stufen, auf der Aussichtsplattform hoch über den Baumwipfeln, mit einem herrlichen Ausblick über die sommerliche Odenwaldlandschaft belohnt.