Bergtierpark Erlenbach

Mini-Kühe und Lamafohlen: Tierpark setzt auf Vielfalt

Kinder, Tiere, Natur: Der Bergtierpark als Lernort für die Zukunft. Präriehunde und Dahomey-Rinder geplant.

Aktuell leben im Bergtierpark 150 Tiere, es gibt 27 Arten. Dazugehören auch die süßen Lamas. Foto: Fritz Kopetzky
Aktuell leben im Bergtierpark 150 Tiere, es gibt 27 Arten. Dazugehören auch die süßen Lamas.

Es ist ruhig im Fürther Bergtierpark an diesem Nachmittag. Ein paar Besucher, die sich von der Kälte nicht abhalten lassen, sind unterwegs, als sich die OZ mit Ekkehard Bahlo trifft. Der Vorsitzende des Freundeskreises Bergtierpark steuert „Schorschs Weitblick“ an. Der Ausguck, vor 14 Jahren gebaut und dem 2008 verstorbenen Förderer Georg „Schorsch“ Trautmann gewidmet, gewährt einen Blick in die Landschaft, vor allem aber auf die Wiese, auf der Ziegen und Damwild grasen.

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Es gibt hier zweierlei zu sehen. Zum einen die Brücke zum „Weitblick“: Die maroden Bretter wurden ersetzt durch neue Bohlen, die sich hell vom übrigen Holz abheben. Im Oktober sei klar gewesen, dass hier etwas gemacht werden müsse, erklärt Bahlo: „Der Ausguck konnte nicht mehr betreten werden.“ Also wurde das Angebot eines Handwerksbetriebs eingeholt, doch dessen voller Terminkalender versetzte den Mitgliedern einen Dämpfer: In den kommenden Monaten sei keine Zeit für die Reparatur, ließ man sie wissen.

Saniert in Eigenleistung

Da kam dem Verein der Umstand zugute, dass Vorstandsmitglied Josef Unger, der 25 Jahre Tierpfleger war, gelernter Zimmermann ist. Er übernahm die Sanierung. Die Gemeinde besorgte das Holz, Unger machte sich an die Arbeit, und seit Dezember ist die Brücke wieder wie neu und stabil. „Das hat er alles ehrenamtlich gemacht“, freut sich Bahlo und geht voraus. Eine Ziege klettert auf den kleinen Hügel aus Felsblöcken und guckt vorwurfsvoll, weil das Futterrohr leer ist.

Der neue Zugang zum Aussichtspunkt „Schorschs Weitblick“ wurde im vergangenen Dezember fertiggestellt. Foto: Fritz Kopetzky
Der neue Zugang zum Aussichtspunkt „Schorschs Weitblick“ wurde im vergangenen Dezember fertiggestellt.

Der Fürther zeigt geradeaus, wo zwei kleine, cremefarbene Tiere grasen: Die jungen Weibchen, die im Frühsommer auf die Welt kamen, sind Nachkommen des weißen Damhirschs. Zum ersten Mal, seit es hier lebt, hat das prächtige Tier weißen Nachwuchs – zumeist werden die Jungen „wildfarben“. Doch diese beiden werden im Erwachsenenalter ebenso hell wie ihr Vater. Sie schütteln sich und schauen verwirrt nach oben: Es hat zu schneien begonnen, und so suchen die Vierbeiner jetzt ihre Unterstände auf.

Ihre Herde ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Von einem anderen Wildpark bekamen die Erlenbacher zwei noch seltenere Exemplare: Ein schwarzes Damhirschweibchen und sein Kalb zogen ein und wurden nach anfänglicher Schüchternheit bald heimisch. Während es immer stiller und weißer wird im Bergtierpark, geht Bahlo voran ins Dr.-Kilian-Haus. Unter anderem gibt es hier einen großen Raum für den Verein. „Es ist sehr voll“, entschuldigt sich der Vorsitzende. Unrecht hat er nicht: Auf Regalen und Fensterbrettern, in Vitrinen und Einbauschränken stehen Dutzende ausgestopfter Tiere; Eulen, Kitze, Marder und Schlangen leisten Nagerschädeln und Eiern Gesellschaft. Das alles ist Ausdruck eines Vereinsziels; neben Erhaltung und Ausbau des Parks geht es nämlich darum, naturkundlichen Unterricht zu geben, das Verständnis für Natur- und Arterhaltung zu wecken.

Ekkehard Bahlo, Vorsitzender des Freundeskreises Bergtierpark, im Gespräch mit der Redaktion. Foto: Fritz Kopetzky
Ekkehard Bahlo, Vorsitzender des Freundeskreises Bergtierpark, im Gespräch mit der Redaktion.

Trotzdem: Es ist eng geworden im Lauf der Jahre, und die beiden elektronischen Tafeln kommen nicht zum Einsatz. Also ist geplant, in diesem Jahr an der Nordseite einen Anbau zu errichten: Er soll etwa 35 Quadratmeter groß werden und als Lagerraum dienen. Der Verein finanziert den Bau, der etwa 20.000 Euro kosten soll. Die Holzfassade bekommt kleine Aussparungen, damit Fledermäuse hineinschlüpfen können. Sie finden quasi vor der Haustür einen reich gedeckten Tisch vor, denn das Biotop „Natur im Garten“ ist direkt daneben: Blühpflanzen versorgen Wildbienen, Insekten und Schmetterlinge, die den kleinen Säugern als Nahrung dienen.

Naturentfremdung in Deutschland

Zurück zum pädagogischen Auftrag. „Wir haben in Deutschland insgesamt eine schreckliche Naturentfremdung, gerade in den Ballungsräumen“, findet Bahlo. Hier hält der ehemalige Revierförster Jens-Uwe Eder dagegen, der mittlerweile mehr als 700 Kinder unterrichtet hat: Er organisiert federführend den Kinder-Erlebnistag, der auch für dieses Jahr wieder geplant ist. Was die Veranstaltungen angeht, so geht es im März los mit dem Tierpatentag; nach dem Erlebnistag im Juni steht im September der „Zauberhafte Bergtierpark“ an, die stimmungsvolle nächtliche Beleuchtung mit Programm, die 2024 wegen des schlechten Wetters ins Wasser fiel. Am 3. Oktober ist wieder Herbstmarkt, und zwischendurch gibt es Veranstaltungen, etwa mit der Martin-Luther-Schule oder der Mitlechterner Schule am Katzenberg.

Jedes Jahr besuchen etwa 60.000 Menschen den Bergtierpark – Tendenz steigend. Um ihn weiter auszubauen, hat der Vorstand ein Förderkonzept erarbeitet, das er im September dem Arbeitskreis Bergtierpark vorstellte. Trägerin der Einrichtung ist nämlich die Gemeinde, und so erklärten Bahlo und Eder den Gemeindevertretern, was man bis 2027 umsetzen könnte. In diesem Zeitraum geht es um Investitionen von 38.500 Euro, und Bahlo erklärt: „Am teuersten sind die Tiere und die Nebenkosten.“

Anschaffung von kleinen Dahomey-Rindern geplant

Geplant ist die Anschaffung von Dahomey-Rindern; die kleinen Paarhufer werden nicht größer als ein Bernhardiner, sind freundlich und gerade für Kinder eine Attraktion. Weil in den kommenden Jahren die Emu-Herde zusammenschrumpfen dürfte, wird darüber nachgedacht, Nandus zu halten, die ins Lamagehege einziehen könnten.

Außerdem sollen Präriehunde gekauft werden, kleine, an Murmeltiere erinnernde Nager aus Nordamerika, sowie Meerschweinchen, die die Anlage im Eingangsbereich bewohnen könnten. 2025 wurden bereits die Schafe gekauft; ein Lamahengst soll folgen, damit es bald wieder Lamafohlen gibt, und vielleicht ist auch die Anschaffung eines „Shetty“-Hengsts möglich – für ein weiteres Minifohlen im Park.

Der Bergtierpark hat in der Wintersaison (November bis März) montags bis freitags von 13 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Samstags, sonntags und feiertags ist ab 11 Uhr bis zur Dunkelheit offen.