Mörlenbach: Sprengungen für B 38a-Tunnel sollen für Anwohner kaum hörbar sein
Spezielles Sprengkonzept soll für kaum wahrnehmbare Erschütterungen sorgen. Außerdem: Wie es um den Radweg und die Weschnitztalbahn steht.
Dank moderner Sprengmethoden werden selbst die nächsten Anwohner von den Detonationen im Zuge des Tunnelbaus für die B 38a in Mörlenbach nichts, oder nur sehr wenig, mitbekommen. Das ist die Botschaft, die Vertreter der ausführenden ARGE Hochtief/Eiffage und von Hessen Mobil am Montag bei der Infoveranstaltung im Bürgerhaus aussendeten. Rund 150 Menschen waren gekommen, um zu erfahren, welche Beeinträchtigungen durch die beginnenden Arbeiten an den Großbauwerken der Umgehungsstraße zu erwarten sind.
Das sogenannte „nichtelektrische Sprengsystem“ erlaube es, viele kleine Bohrlöcher im Fels zu verteilen, erklärte ARGE-Sprecher Jürgen Schmitt. Diese werden dann kurz hintereinander gezündet, sodass zwar insgesamt genügend Kraft entsteht, um das Gestein zu lösen, jede einzelne Sprengung für sich aber wenig Erschütterung verursacht. Selbst bei den am nächsten gelegenen Anwohnern, im Falle des Tunnels Berkersklamm in rund 250 Metern Entfernung, rechnet der Fachmann mit kaum messbaren Emissionen. Gleichwohl gibt es ein engmaschiges Monitoring. An ausgewählten Punkten und Häusern werden Geophone angebracht, welche die Erschütterungen sehr sensibel – gemessen wird in Millimeter pro Sekunde – aufzeichnen. Die Daten gehen direkt an einen unabhängigen Sachverständigen in der Schweiz. Beim Tunnel Berkersklamm befinden sich diese Messpunkte in den Straßen Am Vohberg, Hermann-Löns-Weg, Reisener Weg, Brunnenweg und Eichendorff-Straße.
Strenge Regeln und Auflagen
Jedes Sprengereignis wird online dokumentiert und in Bezug auf gültige Grenz- und Warnwerte überprüft. Wären diese zu hoch, müsste das Konzept geändert werden. „Wo mit Sprengstoff gearbeitet wird, gelten strenge Regeln und Auflagen, die penibel eingehalten werden müssen“, verdeutlichte Schmitt.
Gesprengt werde sowieso nur dort, wo es sein muss, erläuterte er. Wenn es die Geologie zulasse, erfolge der „scheibchenweise“ bergmännische Vortrieb der Tunnelröhre mit Baggerschaufeln – „alleine schon aus Kostengründen“. Wie schnell es vorangeht, darüber entscheiden die Gesteinsverhältnisse, welche die Arbeiter vorfinden. Fest steht, dass in drei Schichten an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr gearbeitet wird. Für die 360 Meter lange Röhre durch die Berkersklamm, die am 25. Januar von der Südseite her begonnen wird, rechnet Schmitt mit fünf bis sieben Monaten Bauzeit.
Etwa ein Vierteljahr länger wird am Tunnel Kisselhöhe gearbeitet werden. Dort will die ARGE Hochtief/Eiffage im Mai oder Juni mit dem Vortrieb beginnen. Bei dieser rund 500 Meter langen Röhre wird auch die Entfernung zur Bebauung näher sein als an der Berkersklamm. Die genauen Messpunkte für das Monitoring müssen dort noch festgelegt werden. Bei beiden Tunneln wird der größte Teil des Aushubs für die Modellierung der Portale verwendet. Der Abfuhrverkehr mit schweren Lkw sollte sich also in Grenzen halten, versprach der ARGE-Sprecher.
Keine Alternative für Radweg
Große Transportfahrzeuge werden allerdings öfter unterwegs sein, wenn mit den Arbeiten an der Talbrücke Reisen begonnen wird. Im April soll die eigens dafür angelegte Baustraße endgültig fertiggestellt sein, sagten die Hessen-Mobil-Sprecher Jochen Vogel und Arno Krämer. Aktuell fehlt noch die Signalanlage am Bahnübergang. Sobald diese Zufahrt zu den Großbaustellen in Betrieb ist, erhoffen sich auch die Ober-Mumbacher eine Entlastung vom Lkw-Verkehr in Richtung Berkersklamm.
Enttäuscht wurden allerdings die Hoffnungen, dass sich für den Rad- und Fußverkehr zwischen Mörlenbach und Reisen noch eine Alternative zum jetzigen Provisorium entlang der B 38, am Hundeplatz vorbei, mit Querung der Bundesstraße, auftut. Sämtliche Möglichkeiten einer Unter- beziehungsweise Überführung im Bereich der Baustraße seien geprüft und mit guten Gründen verworfen worden, versicherten die Hessen-Mobil-Sprecher. Der Fahrplan der Weschnitztalbahn bleibe allerdings unberührt. Sollten schwere Brückenteile im Bereich der Schienen montiert werden müssen, geschehe dies nachts oder an Wochenenden.
„Kompromisse eingehen“
Es ist eben „alles nicht so einfach“, wie Bürgermeister Erik Kadesch sagte. Mörlenbach warte seit Jahrzehnten auf die Umgehungsstraße. Nun gelte es, noch etwas Geduld aufzubringen und während der Bauzeit den ein oder anderen Kompromiss einzugehen. „Das machen die Anwohner schon seit 40 Jahren“, merkte er an.