Rimbach hat jetzt einen „Fairteiler“
Ein wetterfester Schrank neben der Alten Schule dient ab sofort als Depot für Obst, Gemüse und vieles mehr, das nicht weggeworfen werden muss.
Da steht er nun, gut sichtbar und nagelneu, sozusagen das „High-End“-Modell in Sachen Lebensmittelschränke: Jetzt hat auch Rimbach einen „Fairteiler“, wie die Aufbewahrungsorte für gerettete Lebensmittel ganz offiziell heißen. Zu seiner Einweihung sind die Spender, die Erbauer, Bürgermeister Holger Schmitt und auch diejenigen gekommen, die sich künftig um die Befüllung und Sauberhaltung kümmern werden. Gerade als Schmitt zu seiner Begrüßung ansetzt, läuten die Kirchenglocken; der Rathauschef sieht das als gutes Omen.
Auf dem Parkplatz vor der Alten Schule hat der Schrank einen zentralen Platz gefunden, auf halbem Weg zur Martin-Luther-Schule, in direkter Nähe zu den beiden Kirchen, und Schmitt ist überzeugt, dass so sehr viele Menschen auf ihn aufmerksam werden. Kurz erklärt er, worum es geht: „Fairteiler“ dienen dazu, Lebensmittel anzubieten, die sonst im Müll gelandet wären; jeder darf sich daraus bedienen, und jeder darf auch etwas hineinstellen.
Der Rimbacher „Fairteiler“ steht an der Alten Schule in der Kirchgasse 5. Jeder darf sich an den Lebensmitteln, die dort aufbewahrt werden, bedienen, jeder darf auch selbst etwas dorthin bringen.
Nicht alles ist erlaubt; Fisch, Fleisch, Kühlwaren und zubereitete Speisen wie Pizza oder Torten sind mangels Kühlung tabu. Auch Alkohol soll nicht in die Schränke gestellt werden.
Brot, Brötchen, Obst und Gemüse, Konserven und Trockenwaren wie Reis, Nudeln, Backmischungen oder Gewürze sind dagegen geeignet für den „Fairteiler“.
Verdorbene Lebensmittel sind tabu, ebenso solche, deren „Zu-Verbrauchen-Datum“ abgelaufen ist. Unproblematisch ist es aber, Waren mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum einzustellen. Wer Obst und Gemüse verschenken will, wird gebeten, es vor dem Einlagern im Schrank auszupacken; gerade Salat und Brokkoli sind sonst schnell verdorben.
Um den Schrank kümmern sich die Lebensmittelretter, aber die Gemeinde bittet alle Benutzer darum, auf Sauberkeit zu achten.
Weitere Informationen über die Lebensmittelretter findet man online auf www.foodsharing.de
Nicht in der Biotonne gelandet
In den Nachbargemeinden Mörlenbach und Fürth gibt es bereits „Fairteiler“ Doch Schmitt erklärt: „Für uns ist das etwas ganz Neues.“ Für die Sparkassenstiftung nicht, sagt Vorstandsmitglied Bruno Klemm: „Es ist unser dritter im Verbreitungsgebiet.“ Denn das Gremium hat bereits Schränke in Heppenheim und unlängst in Gorxheimertal gesponsert; er ist voll des Lobes für die Lebensmittelretter: „Es ist unglaublich, was da alles gerettet wird und nicht in die Biotonne fliegt.“
Die Stiftung plant, insgesamt zehn Schränke im Verbreitungsgebiet aufzustellen, und Klemm hofft, dass der Schrank in Rimbach gut angenommen wird. Stiftungsleiterin Andrea Haaf hat den Inhalt mehrerer Kartons in den Schrank gestellt; es sind Gläschen mit „Stiftungshonig“, bemerkt sie: „Wir haben insgesamt zehn Völker.“ Wer schnell ist, bekommt noch eine Kostprobe, aber es muss auch grundsätzlich niemand leer ausgehen: Zur Einweihung sind die Regale gefüllt mit frischen Paprika, Äpfeln und Kartoffeln; in den Kisten stehen Packungen mit Nudeln, Mehl oder Backmischungen, außerdem bekommt man auch gluten- oder laktosefreie Sachen. Vieles ist in Bio-Qualität, und einiges ist innerhalb weniger Stunden weg, weiß Haaf: „Das spricht sich schnell herum.“
Die Gemeinde hängt ein Schild mit den „Fairteiler“-Regeln auf, verteilt Flugblätter, „guckt“ regelmäßig nach dem Schrank, aber Haaf betont: „Das ist keine Einbahnstraße. So ein Schrank ist etwas von Bürgern, mit Bürgern und für Bürger.“ Und wäre ohne Mitwirkung der Kommune nicht zustande gekommen.
„Gesellschaftliches Experiment“
„Ich war am Anfang skeptisch“, gesteht Schmitt zu, ist aber erleichtert, dass Haaf „nicht lockergelassen“ habe. Er sieht im „Fairteiler“ eine sinnvolle Ergänzung zur Tafel und freut sich über die gute Zusammenarbeit von Tafel und Lebensmittelrettern. Er ist froh, etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun zu können, ist aber noch vorsichtig: „Denn das ist auch ein gesellschaftliches Experiment.“ Nämlich, ob es gelingt, den Schrank pfleglich zu behandeln, ohne Vandalismus oder Diebstähle – erst kürzlich nahmen Unbefugte aus dem Fürther „Fairteiler“ die Plastikkisten mit, obwohl sie zum Inventar gehören und dort bleiben sollen.
Doch sind die Ehrenamtlichen jeden Tag vor Ort und schauen nach dem Rechten. Zur Eröffnung sind „foodsaver“-Botschafterinnen Gabriele Kuch und Nicole Müller gekommen, die ihre Mitstreiter vertreten. „Wir haben 90 Betreuer und 43 laufende Kooperationen“, sagt sie, und Müller ergänzt: „Bisher haben wir 750 000 Kilo Lebensmittel gerettet.“ Sie meint, seit die Gruppe 2019 ihre Arbeit im Bereich „Odenwald-Nordwest“ aufnahm und Essbares, das in Bäckereien oder Supermärkten übrig ist, vor dem Mülleimer bewahrt hat. Kuch bittet Spender, die größere Mengen Lebensmittel bringen wollen, vorher anzurufen und erinnert an einen Mann, der „stapelweise“ Pralinen zu verschenken hatte: „Wir haben das dann aber hinbekommen.“
Applaus gibt es bei der Einweihung auch für die Konstrukteure, Khalil Seperhrnia und sein Kollege Ruwen Kredel von der Weinheimer Lern-Praxiswerkstatt von Job Central. Werkstattleiter Seperhnia erklärt, dass die Gruppe zunächst mit einfachen Konstruktionen anfing, die immer weiter verfeinert wurden. Dieser Schrank, das neueste Modell, besteht außen aus witterungsbeständigem, massivem Lärchenholz und hat ein Schieferdach mit Zinkplatte. Eine solarbetriebene Lüftung sorgt im Sommer dafür, dass die Lebensmittel länger frisch bleiben, engmaschige Metallgitter halten Insekten fern. Der Innenkorpus besteht aus Siebdruckplatten mit einer umlaufenden Dichtung, und die Türen, ebenfalls zweischalig, haben Magnetschließen.
„Der Schrank ist wetterfest“, sagt der Fachmann; das Lärchenholz wurde mit Öl behandelt, das Stahlgestell, auf dem der Schrank steht, ist lackiert. Belastbar ist auch die Konstruktion der Regale: Es sind Ablagebleche aus Alu, die lackiert und mit Holzleisten belegt wurden. „Unsere Schränke werden vom Veterinäramt abgenommen“, erklärt Seperhnia weiter, während Haaf noch mit Schmitt einen Punkt verhandelt, der ebenfalls wichtig ist: Die Benutzer sollen nämlich noch die Möglichkeit bekommen, etwas in einen Mülleimer werfen zu können. Der Bürgermeister verspricht: „Da sind wir dran.“