Birkenau

Menschen mit Handicap eine Zukunft geben

Der Verein "Hilfe zum Leben" plant Inklusionsbetrieb mit Gastronomie und Platz für Betreutes Wohnen in Birkenau.

Der Verein Hilfe zum Leben hat viel vor: Er möchte am Wunschstandort Reisen ein Inklusionsunternehmen mit einem Betreuten Wohnen verwirklichen. Unser Bild zeigt (von links) Vereinsvorstandsmitglied Dr. Wolfgang Schmid, die Architekturstudenten Jannis Karle und Anna Berbner sowie Vereinsvorsitzenden Rolf Bohrer. Foto: Fritz Kopetzky
Der Verein Hilfe zum Leben hat viel vor: Er möchte am Wunschstandort Reisen ein Inklusionsunternehmen mit einem Betreuten Wohnen verwirklichen. Unser Bild zeigt (von links) Vereinsvorstandsmitglied Dr. Wolfgang Schmid, die Architekturstudenten Jannis Karle und Anna Berbner sowie Vereinsvorsitzenden Rolf Bohrer.

Eines wird am Mittwochnachmittag ganz deutlich: Der Verein Hilfe zum Leben glaubt fest an die Idee, die am Wunschstandort in Reisen realisiert werden soll. Die Vereinsmitglieder sind überzeugt von dem Konzept, das so viel mehr sei als „nur“ ein Inklusionsbetrieb, denn: „Es verbindet so vieles miteinander“, sagt Rolf Bohrer.

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Impressum

Er ist der Vorsitzende des Birkenauer Vereins Hilfe zum Leben, der in das evangelische Gemeindezentrum eingeladen hatte, um über die Weiterentwicklung seiner Idee zu sprechen, mit der er bereits vor einigen Jahren an die Öffentlichkeit gegangen war. Neben Vereinsvorstandsmitglied Dr. Wolfgang Schmid waren auch die Architekturstudenten von der SRH Hochschule Heidelberg, Anna Berbner und Jannis Karle (Lena Bullert konnte nicht anwesend sein), vor Ort, die ihre Ideen und Modelle zur Verwirklichung des Projekts präsentierten.

Geht es nach dem Wunsch des Vereins, der sich der Inklusion und der Gemeinschaft verschrieben hat, so soll ein rund 9000 Quadratmeter großes Grundstück in Reisen zum Standort für die Idee werden, die einen Inklusions-Gastronomiebetrieb mit einem Standort für Betreutes Wohnen vereint. Die gemeinnützige „Wilhelm-Schaab-Stiftung“ hat dem Verein das Grundstück zwischen Langen-Morgen-Straße und Friedhofstraße im Birkenauer Ortsteil zur Verfügung gestellt. Als der Verein seine Vision im Jahr 2022 im Rahmen einer Ortsbeiratssitzung in Reisen erstmals öffentlich vorstellte, hatte dies Redebedarf bei Anwohnern ausgelöst.

Konzept konkretisiert sich

Nun, zwei Jahre später, wird deutlich: Das Konzept hat sich konkretisiert und nimmt Gestalt an, was auch an der Einbindung von Architekturstudenten liegt, die das Reisener Projekt unter dem Projektnamen „Sonnenhof“ zum Thema ihrer Bachelorarbeit machten. Wichtig in diesem Zusammenhang: Ein Bauleitplanverfahren für dieses Grundstück ist noch nicht in Gang gesetzt worden. Der Verein ist in der Konkretisierung seiner Ideen jedoch schon sehr weit. Er erhalte viel positive Rückmeldung von Fraktionen und inklusiven Betrieben. Weitere Gespräche sollen folgen.

„Seit unserer Gründung hat sich der Verein weiterentwickelt“, erklärte Bohrer. So habe man in der Planung mittlerweile auf Wohnungen, für die im Gastronomiebetrieb Beschäftigten verzichtet, um die Selbstständigkeit der Menschen mit Behinderung zu fördern, die in dem Projekt „Sonnenhof“ beschäftigt werden sollen. Das Konzept sieht vor, ein Inklusionsunternehmen mit Gastronomie, Café sowie Garten- und Ackerbau und einigen Fremdenzimmern zu gründen.

Das Modell von Architekturstudentin Anna Berbner. Foto: Fritz Kopetzky
Das Modell von Architekturstudentin Anna Berbner.

Insgesamt sollen dort 22 Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung beschäftigt werden. Das Inklusionsunternehmen soll von einer zu gründenden gemeinnützigen GmbH geführt werden. Zwecks Förderungen durch den Landeswohlfahrtsverband stehe man in der „Warteschleife“, sagte Bohrer. Außerdem setzt man bei der Finanzierung auf Spenden und Sponsoren. „Ziel des Inklusionsprojektes ist es, den Menschen mit Handicap eine Zukunft zu geben“, erklärte Bohrer die Intention.

Auf dem Gelände soll zusätzlich ein Betreutes Wohnen mit Zwei- bis Dreizimmerwohnungen für bis zu 50 Personen angeschlossen werden, das von dem Inklusionsunternehmen ebenso profitieren soll, Stichwort Synergieeffekte, beispielsweise bei Gastronomie und Gartenpflege. Das Betreute Wohnen soll von einem separaten Investor errichtet und professionell betrieben werden. „Das Gesamtprojekt kann als Wirtschaftsbetrieb mit Menschen mit Behinderung gesehen werden“, erklärte Schmid.

„Mehrere Male richtig Glück“

„Solch ein Projekt ist in der Region einzigartig“, betont Bohrer, der sich seit vielen Jahren engagiert und gemeinsam mit dem Verein Inklusionsbetriebe dieser Art, wie beispielsweise das Klostercafé in Seligenstadt, besucht hat. „Wir hatten mit diesem Projekt schon mehrere Male richtig Glück“, betonte Bohrer: „Das Gelände kostet uns nichts, und durch unser Netzwerk wurde der Kontakt zur SRH Hochschule hergestellt.“

Ein ganzer Bachelorabschlussjahrgang hatte sich unter der Leitung von Studiengangsleiter Prof. Dr. Marc Kirschbaum mit dem Projekt beschäftigt und entsprechend 30 Modelle entworfen. Drei Arbeiten kamen in die engere Auswahl, nämlich die von Berbner, Karle und Bullert. Mithilfe der Modelle hofft der Verein, das Interesse von Investoren, Sponsoren und Spendern zu gewinnen.

Das Modell von Architekturstudentin Lena Bullert. Foto: Ann-Kathrin Weber
Das Modell von Architekturstudentin Lena Bullert.

Berbner und Karle präsentierten ihre professionellen Modelle, die unter der Berücksichtigung realer Vorgaben entstanden sind. Alle Modelle beschäftigen sich mit der durch eingehaltene Abstandsflächen rund 7000 Quadratmeter großen, zu bebauenden Fläche. Anforderungen, wie beispielsweise die Rücksichtnahme auf bestehende Bebauung(shöhe), auf die Infrastruktur, die nicht überfordert werden dürfe, oder die Topographie mit Hanglage, sowie eine rollstuhlgerechte Ausrichtung wurden beachtet.

Die Modelle haben gemeinsam, dass sie das Thema der Gemeinschaft in den Vordergrund stellen – und das ohne auf genügend Privatsphäre verzichten zu müssen. Der „Dorfcharakter“ der gesamten Anlage wurde hervorgehoben, die Gebäude der öffentlichen Nutzung im vorderen Bereich von den privat genutzten im hinteren Bereich getrennt. Die Modelle unterscheiden sich jedoch in der Ausführung.

Berbner, die aus Weiher kommt, präsentierte ihr Modell, das einen „neuen lebenswerten Abschnitt einleiten soll und nicht die ,Endstation Reisen’“. Die Gebäude, die aus Holzmassivbauweise gefertigt sein sollen, sind so angeordnet, dass im vorderen Bereich die Gebäude des öffentlichen Lebens, wie Restaurant und Café, und hinten in Hofstruktur das private Wohnen samt Parkanlage mit Gemüsegarten und Feuchtbiotop angeordnet sind.

Das Modell von Architekturstudent Jannis Karle. Foto: Ann-Kathrin Weber
Das Modell von Architekturstudent Jannis Karle.

Karle folgte bei seinem Modell dem Prinzip „Wohnen nach außen, Gemeinschaft nach innen“, was unter anderem kleinere Gebäude im hinteren Bereich des Grundstücks sowie mehrere, kleinere Innenhöfe zur gemeinschaftlichen Nutzung vorsieht. Die Gebäude in Holzrahmenbauweise, die mit Glaselementen verbunden sind, sollen durch die niedrigere Bebauung als die Nachbarhäuser den Blick in den Odenwald nicht versperren und die „Wohnqualität von Bewohnern und Reisenern“ sichern.

Das Modell von Bullert, das von Schmid gezeigt wurde, folgt derselben Anordnung, beinhaltet jedoch größere Häuser mit mehreren Wohnungen, die miteinander verbunden sind.

Den Mandatsträgern wurden Konzept und Modelle im Rahmen einer Gemeindevertretersitzung bereits vorgestellt. Für den weiteren Austausch mit der Bevölkerung gibt es die Überlegung, die Modelle öffentlich den Bürgern zu zeigen.

Über den Verein Hilfe zum Leben

Der Verein Hilfe zum Leben hat sich im April 2021 gegründet. Vorsitzender ist Rolf Bohrer. Der Verein steht unter der Schirmherrschaft von Baron Philipp Wambolt von Umstadt, der auch der stellvertretende Vorsitzende ist. Der Verein zählt rund 70 Mitglieder.

Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, zu helfen: bei der Suche, Gestaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung; durch die Vermittlung von Informationen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber; beim Aufbau von „Betreuten Wohnen“ für Senioren, um Dienstleistungen für Menschen mit Handicap zu ermöglichen.

Außerdem hat es sich der Verein zum Ziel gesetzt, ein Inklusionsunternehmen in Form von Gastronomie, Café und Gartenbau zu gründen. Dabei soll der wirtschaftliche Erfolg reinvestiert werden. Ihm wird ein entsprechendes, rund 9000 Quadratmeter großes Grundstück von der „Wilhelm-Schaab-Stiftung“ in Reisen zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen zu Verein und Projekt gibt es per E-Mail an hilfe-zum-leben@gmx.de sowie unter www.hilfezumleben.com und unter nebenstehenden QR-Code