Einzelhandel

Sport Bihn schließt seinen Laden in Fürth

Für die Wald-Michelbacher Firma ist dies zwar eine schwere Entscheidung, aber ein betriebswirtschaftliches Erfordernis.

Die Firma Sport-Bihn schließt Ende März ihr Ladengeschäft in Fürth. An diesem Montag begann der Räumungsverkauf. Foto: Stefan Jünger
Die Firma Sport-Bihn schließt Ende März ihr Ladengeschäft in Fürth. An diesem Montag begann der Räumungsverkauf.

Für den Einzelhandel im Odenwald und speziell in Fürth beginnt das neue Jahr gleich mit einer schlechten Nachricht: Am vergangenen Wochenende gab die Firma Sport Bihn auf ihrer Facebook-Seite und per Postkarte an die Stammkunden bekannt, dass sie das Ladengeschäft in der Weschnitztalgemeinde Ende März schließen wird. Nach dem Schuhhaus Fischer und dem Verkaufsladen von Nigefa verlieren Fürth und die Region ein weiteres attraktives Geschäft.

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„Diese Entscheidung ist uns sehr, sehr schwer gefallen, denn in den vergangenen 16 Jahren in Fürth haben wir viele liebe Menschen kennengelernt, die uns die ganze Zeit über die Treue gehalten haben. Wir haben das sehr gerne gemacht und hier etwas aufgebaut, aber letztlich mussten wir aus betriebswirtschaftlichen Gründen diesen Schritt gehen“, erklärte Firmenchef Bruno Bihn am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion, warum er und seine Frau Renate den Schlussstrich für die Filiale gezogen haben.

Einschnitt durch Corona

Seit der Corona-Pandemie haben die Einzelhändler mit sinkenden Zahlen zu kämpfen, macht Bihn deutlich. „Das war auch für uns ein Einschnitt“, fügte er an. Zudem wirke sich die aktuelle wirtschaftliche Krise aus: „Das Jahr 2024 war schon nicht einfach, sogar in unserem Stammhaus in Wald-Michelbach lief das Geschäft nicht so stark wie in den Jahren zuvor. Und 2025 wird es mit Sicherheit nicht einfacher.“

Vor diesem Hintergrund sahen sich die Bihns gezwungen, auf die Verkaufszahlen des Fürther Ladens zu reagieren. „In Wald-Michelbach haben wir den Vorteil, dass wir das Geschäft in unserem eigenen Gebäude haben, da fallen dann keine Kosten wie die Miete an.“ Im Gegensatz zum Laden in Fürth. „Da wundert man sich, was da alles anfällt, und das summiert sich über das Jahr hinweg“, erklärte er.

Für die negative Entwicklung macht er gar nicht so sehr den Online-Handel verantwortlich. „Das ist natürlich eine Konkurrenz, aber das gehört halt dazu. Auch in der Vergangenheit haben die Leute Sachen bei Neckermann oder Otto bestellt“, sagte er. Die ganze Branche bekomme die Krise zu spüren, auch die Online-Händler. „Da mussten jetzt auch große Anbieter wie Outfitter aufgeben. Das bekommt man in der Öffentlichkeit nur nicht so mit, wenn hier Firmen kaputtgehen.“ Und von Kollegen von Online-Händlern habe er gehört, dass dort die Preise angezogen werden mussten. „Die müssen ebenfalls mehr rechnen als zuvor.“

Wie hart das Geschäft inzwischen geworden ist, zeigt sich für Bihn auch daran, dass im vergangenen Jahr mit dem Schuh- und Sporthaus Fischer in Fürth sowie mit Sport-Klinger in Rimbach gleich zwei Traditionshäuser die Türen geschlossen haben. „Das waren gute Betriebe“, unterstrich er.

Nicht alle übernehmen

Keine Rolle spielte indes der allgemeine Fachkräftemangel bei der Entscheidung, die Filiale in Fürth zu schließen. Im Gegenteil, wie Bihn klar macht: „Leider können wir nicht alle Verkäuferinnen nach Wald-Michelbach übernehmen. Auch deshalb war es für uns nicht einfach, diesen Schlussstrich zu ziehen.“

In Fürth hatten sie in den vergangenen Jahren gerade hinsichtlich des Skisports auch viele Kunden aus Reichelsheim und Fränkisch-Crumbach oder aus Lindenfels und dem Lautertal gewonnen. „Die werden wir wohl nicht alle nach Wald-Michelbach bekommen, was sehr schade ist“, bedauert er.

Lücke bald füllen

Sein Bedauern über die Schließung äußerte Bernd Schmitt, Vorsitzender des Fürther Gewerbevereins, für den die Nachricht neu war. „Das ist nicht erfreulich, aber wenn es so ist, dann ist es so“, erklärte er. Er hofft, dass diese Lücke in Fürth bald wieder gefüllt werden kann – wobei er hier aber auf ein grundsätzliches Problem hinwies. „Das hängt auch mit den Vermietern zusammen. Wenn die Räumlichkeiten in die Jahre gekommen sind, dann muss man auch mal Geld in die Hand nehmen, um sie zu ertüchtigen. Das haben viele Eigentümer bei uns aber nicht gemacht.“ Es gebe aber auch andere Beispiele wie das Mode-Geschäft Elisada. „Das ist von Rimbach zu uns gekommen und die sind hier am Jubilieren.“

Die Bihns wollen nun „unseren vollen Fokus und unsere Energie auf unser Stammhaus in Wald-Michelbach richten und dort weiterhin den gewohnten Service und die Qualität bieten“, wie sie auf ihrer Facebook-Seite erklären. „Wir sind ja noch fit und werden das so lange machen, bis wir nicht mehr können“, sagt der 72-jährige Bruno Bihn mit einem Schmunzeln. Auf jeden Fall wollen sie noch die „50“ voll machen, denn das Wald-Michelbacher Geschäft führen sie nun schon seit stolzen 46 Jahren.