Wald-Michelbach: B+S Haushaltswaren muss Produktion schließen
Im Oktober freute sich das Wald-Michelbacher Unternehmen noch über einen neuen Investor, jetzt muss doch zugemacht werden. Warum der „Standort nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben“ ist.
Wald-Michelbach. Es war ein Schock für die gut 60 Mitarbeiter, als sie bei der Betriebsversammlung die schlechte Nachricht mitgeteilt bekamen: Die Unternehmensgruppe Bierbaum, die erst im Oktober vergangenen Jahres die Firma B+S Haushaltswaren in Wald-Michelbach übernommen hat, wird die Produktion an diesem Standort zum 30. September einstellen. Das gab die Unternehmensgruppe am Mittwoch nun auch in einer Pressemitteilung bekannt. „Die Entscheidung resultiert aus einer Kombination wirtschaftlicher Herausforderungen, die insbesondere durch Veränderungen im Einkaufsverhalten von Großkunden ausgelöst wurden“, heißt es darin.
Zur Firmengeschichte
Weil der Wald-Michelbacher Peter Bihn mit den Zukunftsvorstellungen seines damaligen Arbeitgebers nicht mehr einverstanden war, machte er sich selbstständig und gründete am 14. Oktober 1983 die Firma „B + S Haushaltswaren“ sowie einen Monat später die Hausmarke „santex“ im Wald-Michelbacher Gebiet Straßburg. Die Produktion startete am 3. Januar 1984. Bis 2016 waren beide Firmen selbstständig, dann wurde „santex“ in „B + S“ integriert.
Das ständige Streben nach Qualität bei hoher Wirtschaftlichkeit hat das Unternehmen zu einem der größten Hersteller von Topfschwämmen gemacht.
Peter Bihn hat sich im Jahr 2018 aus der Geschäftsführung zurückgezogen und stand der Firma weiterhin als Berater zur Seite. Die Verantwortung übergab er an Wolfgang Wojcik.
Zum 1. Oktober 2024 übernahm die Bierbaum Unternehmensgruppe aus dem Münsterland die Wald-Michelbacher Haushaltswarenfirma. Der Standort mit seinen rund 60 Mitarbeitern sollte erhalten bleiben. Die Hintergründe damals: Für kleinere mittelständische Unternehmen werde es zunehmend schwerer, die steigenden kundenseitigen und regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. Zudem sei ein Nachfolger innerhalb der Familie nicht vorhanden gewesen.
B+S Haushaltswaren produziert und vertreibt Bügeltischbezüge, Tücher, Topfreiniger und Mikrofaserprodukte sowie diverse weitere Artikel für den gesamten Haushalt. Hauptprodukt sind Schwämme, ob zum Spülen, für das Auto oder Bad.
Kunden sind unter anderem Handelsketten wie Aldi, Edeka, Netto – um nur einige zu nennen – sowie Großverbraucher im Reinigungsbereich.
Der Exportanteil beträgt zwischen 20 und 22 Prozent. Die Produkte gehen dann vor allem ins europäische Ausland, nach Saudi-Arabien, Skandinavien und Mittelamerika.
Dies alles ist nun Geschichte. Die Produktion am Standort in Wald-Michelbach wird zum 30. September 2025 eingestellt.
Die Übernahme im vergangenen Oktober sei von großen Hoffnungen und Plänen begleitet worden, erklärt die Unternehmensgruppe weiter. Firmengründer Peter Bihn zeigte sich damals im Gespräch mit unserer Redaktion erleichtert, einen langjährigen Partner aus der Branche als neuen Investor gefunden zu haben, denn damit verband sich für ihn die Hoffnung auf einen langfristigen Erhalt des Haushaltswaren herstellenden Betriebs.
Erste Schwierigkeiten
„Doch bereits im Vorfeld der Übergabe traten erste Schwierigkeiten auf: Im Juni 2024 entschied ein Großkunde, die Belieferung mehrerer Niederlassungen mit Topf- und Geschirrreinigern an einen Wettbewerber in Polen zu vergeben. Dies stellte eine erste Belastung dar, blieb jedoch zunächst handhabbar“, berichtet die Unternehmensgruppe.
Doch schon einen Monat später sei es zu einem weiteren schweren Rückschlag gekommen, als einer der wichtigsten Kunden bekannt gegeben habe, dass er sein Sortiment von sogenannten flammkaschierten Polyether-Schwämmen auf kleinere, klebekaschierte PES-Schwämme umstellen werde. „Dieses neue Produkt entsprach nicht den technischen Produktionsmöglichkeiten von B+S und konnte daher nicht angeboten werden. Die Entscheidung führt zu einem erheblichen Umsatzrückgang“, führt der Investor aus.
„Nicht absehbar gewesen“
„Mit dem Wegfall dieser Mengen ab März 2025 und dem daraus resultierenden Umsatzverlust ist es nicht mehr möglich, den Standort Wald-Michelbach wirtschaftlich zu betreiben“, macht Dr. Frank Bierbaum, der Geschäftsführer der Bierbaum-Gruppe, deutlich. Die Unternehmensgruppe bedauert diese Entwicklung zutiefst. „Es war nicht absehbar gewesen, dass ein langjähriger Kunde eine grundlegende Änderung seines Sortiments vornehmen und damit die wirtschaftliche Grundlage für unseren Standort entziehen würde“, fügt Bierbaum an.
Die Entscheidung, die Produktion in Wald-Michelbach einzustellen, sei mit schwerem Herzen getroffen worden. Selbstverständlich werde man alle Verpflichtungen am Standort gegenüber den Mitarbeitern und den Partnern erfüllen.
Die Unternehmensgruppe Bierbaum hatte im vergangenen Jahr nur die Firma mit der Produktion übernommen, das Gebäude beziehungsweise das Firmengrundstück befinden sich weiter im Besitz der Immobiliengesellschaft Bihn und Wojcik. „Wir werden nun versuchen, das Fabrikgebäude ab dem 1. Oktober zu vermieten oder zu verkaufen“, erklärte Bihn.