Weinheimer Haushaltswaren-Geschäft schließt endgültig
Das Haushaltswarengeschäft der Familie Farrenkopf im Ortsteil Sulzbach macht zu. Nun gibt es noch an vier Terminen Räumungsverkauf.
Zwei große Transparente hängen an der Fensterfront im ersten Obergeschoss in der Nördlichen Bergstraße 22. Darauf zu lesen: „Wir schließen, letzter Tag 16. November 2024“ und „Alles zum Einkochen für Ostern und Weihnachten“. Das Haushaltswarengeschäft der Familie Farrenkopf macht damit endgültig dicht. „Was nach dem Räumungsverkauf noch übrig ist, werde ich karitativen Zwecken spenden“, sagt Kai Farrenkopf, dessen Mutter Hella das Geschäft bis kurz vor ihrem Tod im März dieses Jahres noch führte. Da war sie 83 Jahre alt. Hella Farrenkopf gehörte zum Weinheimer Ortsteil Sulzbach wie der Topf zum Deckel. „Sie war durch und durch Sulzbacherin“, erinnert sich ihr Sohn.
Fast 70 Jahre führte seine Mutter das Geschäft, das weitaus mehr als nur Haushaltswaren anbot: Postkarten, Geschenkartikel, Spielsachen, Schreibutensilien, Dekoartikel, Einkochtöpfe, Bälle – kurzum, es gab (fast) alles für den täglichen Bedarf. Doch das ist längst nicht alles, was das Geschäft und Hella Farrenkopf ausmachten. „So mancher hat sich hier auch festgequatscht. Wenn man zu meiner Mutter ins Geschäft kam, musste man viel Zeit mitbringen. Sie war besonders gesprächig und kontaktfreudig und hatte auch ein Ohr für die Probleme anderer.“ Für Hella Farrenkopf war das Geschäft, das über zwei Stockwerke ging, mehr als nur Arbeit – es war eine Berufung, der sie sechs Tage die Woche nachging und sich bei all der Arbeit selbst keinen Urlaub gönnte. Kai Farrenkopf: „Es könnte ja jemand aus dem Ort dringend etwas brauchen, sagte sie immer.“ Und in der Tat, so manchem konnte sie schon aus der Patsche helfen. Ihr Sohn erinnert sich, „dass ein Kunde einmal dringend eine Christbaumspitze suchte, bei meiner Mutter wurde er fündig. Sie hatte sie sogar in unterschiedlichen Farben vorrätig.“
Konkurrenz von Amazon und Co.
Einst als Schmiede und später als Sanitärgeschäft genutzt, wurden hier um 1955 Landmaschinen verkauft. Man richtete sich stets nach den aktuellen Bedürfnissen der Kunden, ehe das Haushaltswarengeschäft endgültig gegründet wurde. Nun schließt der „Birkenmeier von Sulzbach“ – genannt nach dem alteingesessenen und mittlerweile abgerissenen Kaufhaus in der Weinheimer Innenstadt, in dem es ebenfalls ein Sammelsurium an Artikeln gab – in Kürze ebenso. Für Sulzbachs Ortsvorsteher Frank Eberhardt war der Laden „eine wichtige Institution und ein sozialer Treffpunkt“. Er findet es „besonders bedauerlich“, dass das Geschäft nun schließt, hat aber auch größtes Verständnis für die Entscheidung des Besitzers. Kai Farrenkopf hat sich in den vergangenen Wochen viele Gedanken gemacht. Doch muss er sich auch eingestehen, dass das Geschäft einfach aus der Zeit gefallen ist. Amazon und Co. hätten diesen Einzelhandelsläden das Leben schon viele Jahre schwer gemacht. Die Folge seien zahlreiche Schließungen gewesen. „Überall werden derzeit Geschäfte geschlossen. Das ist sehr schade und eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft“, so Farrenkopf, der in Sulzbach als Ortschaftsrat rund ein Jahrzehnt die Geschicke des Stadtteils mitgestaltete. Während der benachbarte Friseur und die gegenüberliegende Metzgerei schon lange geschlossen haben, folgt jetzt mit dem Geschäft seiner verstorbenen Mutter ein weiteres Einzelhandelsgeschäft im alten Sulzbacher Ortskern.
INFO: Am Donnerstag, 14. November, Freitag, 15. November und letztmals am Samstag, 16. November (jeweils von 10 bis 17 Uhr), findet der Räumungsverkauf in der Nördlichen Bergstraße 22 in Sulzbach statt. Danach ist das Geschäft geschlossen.