Fünf Weinheimer Promis, die 2023 ihren Hut genommen haben
Der Chef des Weinheimer Polizeireviers, die evangelische Dekanin, der Chef der Stadtwerke Weinheim, die Bezirkskantorin an der Peterskirche und dann auch noch Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner. In diesem Jahr musste und muss sich Weinheim zumindest aus beruflicher Sicht von vielen Persönlichkeiten verabschieden, die die Stadt geprägt haben.
Was eine Stadt wie Weinheim ausmacht? Die schönen Häuser, Plätze und Parks, die Feste und Veranstaltungen? Auch - aber vor allem die Menschen, die das Leben der Bevölkerung - vom einfachen Arbeiter bis zum Vorstandschef - auf die eine oder andere Weise prägen, an denen man eigentlich nicht vorbeikommt. Der Bürgermeister, der Polizeichef, die Pfarrerin und der, der dafür sorgt, dass die Lichter niemals ausgehen, der Chef der Stadtwerke. Dass ausgerechnet diese wichtigen Positionen in nur einem Jahr neu besetzt werden, das gab es in Weinheim vermutlich noch nie. Grund genug, noch einmal an diejenigen zu erinnern, die in den Ruhestand gegangen sind, die Karriereleiter emporstiegen oder zu neuen Ufern aufbrechen. Danke für alles und "Tschö" mit "ö".
Der Herr der Fliege
Krawatte? Kann doch jeder. Das Markenzeichen von Peter Krämer, von 2006 bis Ende 2022 Chef der Weinheimer Stadtwerke, war hingegen die Fliege. Egal ob beim Ortstermin im Hallenbad Hawei, bei der Bilanzpressekonferenz oder beim Tag der offenen Tür, das Accessoire saß bei ihm immer perfekt. Und zu allen unternehmerischen Fähigkeiten kann man Peter Krämer auch schauspielerisches Talent bescheinigen. Kinogänger erinnern sich noch gerne an den witzigen Werbespot der Stadtwerke, in dem Krämer voller Entschlossenheit dafür sorgt, dass wieder Licht ins Weinheimer Dunkel kommt. Auch wenn strenggenommen seine Mitarbeiter und nicht er selbst dafür auf Fitnessrädern schwitzen müssen.
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Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen .Sein Nachfolger ist übrigens Alexander Skrobuszynski. Der 42-Jährige wuchs in Leutershausen und Hohensachsen auf, studierte Informationstechnik an der Dualen Hochschule Mannheim sowie anschließend an der Ludwig-Maximilians-Universität in München BWL, Politikwissenschaften und Philosophie. Erfahrungen in der Energiebranche machte er bei der MVV in Mannheim als Produktmanager und er war bis zu seinem Start bei den Stadtwerken Weinheim Vertriebsleiter im Regionalvertrieb. Bei einer MVV-Tochtergesellschaft war er in der Geschäftsführung tätig. Was ihm noch fehlt? Ein griffiges Markenzeichen. Keine Fliege - die ist schon vergeben.
Mister Sicherheit
Alles im Griff - wer Holger Behrendt, den früheren Leiter des Polizeireviers Weinheim bei großen Veranstaltungen, bei Kundgebungen und Demonstrationen traf, der hatte sofort ein gutes Gefühl. Besonnen und aufmerksam, nah dran an den Menschen - egal ob ihm Demo-Teilnehmer, Einsatzkräfte oder Pressevertreter gegenüberstanden -, klar und offen. So war das immer, so war er immer. Im Januar wurde Holger Behrendt nach acht Jahren als Revierleiter verabschiedet und ist nun im Polizeipräsidium Mannheim in leitender Position für die Digitalisierung der Polizei verantwortlich. Wie zu hören ist, macht ihm seine neue Aufgabe viel Spaß.
Für Recht und Ordnung in der Zweiburgenstadt sorgt seit Januar Dagmar Pfeil. Bevor sie die Leitung des Polizeireviers Weinheim übernahm, war sie persönliche Referentin von Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar.
Madame Musik
Zierlich, qurilig, wunderbar. Wer Bezirkskantorin Anne-Christine Langenbach jemals in Aktion erlebt hat, der weiß, was Weinheim mit ihr verliert. Zusammen mit ihrem Mann Simon Langenbach leistete sie 20 Jahre hervorragende Chorarbeit im hiesigen Kirchenbezirk Neckar-Bergstraße und speziell an der Weinheimer Peterskirche. Unter anderem gründete sie die dortige Singschule und begeisterte damit Tausende Kinder und Jugendliche für das gemeinschaftliche Singen und für die Musik. Dafür wurde Langenbach mit dem "Echo Klassik für Nachwuchsförderung" 2013 ausgezeichnet. Die Weinheimer haben dem Kantoren-Ehepaar großartige Konzerte und Aufführungen zu verdanken. Und nicht nur das: Dass die Peterskirche direkt an der Weschnitz für viele Menschen mehr ist als nur ein Gotteshaus, ist neben den haupt- und ehrenamtlich in der evangelischen Gemeinde Engagierten auch den Langenbachs zu verdanken. Die Nachricht, dass Anne Langenbach am 1. November eine neue Stelle in Kassel antritt, sorgt deshalb schon jetzt für Wehmut. Ihr Nachfolger steht noch nicht fest. Er oder sie tritt jedenfalls in große Fußstapfen.
Der singende Bürgermeister
Ja, es ging manchmal hoch her im Weinheimer Gemeinderat, vor allem in der guten alten Vor-Coronazeit, als das Gremium noch im großen Ratssaal im ersten Stock des Weinheimer Schlosses tagte. Einer, der dabei fast immer die Fassung behielt, war der Erste Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner, obwohl er als Baudezernent oft auch eine ziemlich undankbare Aufgabe hatte. Seine politische Heimat sind und waren die Grünen, die ihn auch gerne als OB-Kandidat gegen Manuel Just ins Rennen geschickt hätten. Doch Fetzner winkte ab. Erwischt hat es ihn dann doch - zumindest für ein Jahr. Während die unterlegene Kandidatin Fridi Miller gegen das Wahlergebnis klagte, könnte Just sein Amt nicht antreten und Fetzner sprang als "Amtsverweser" ein. Neben dem Naturschutz liegt Fetzner auch die Musik am Herzen und so hat er sich in den vergangenen Jahren einen Namen als singender und Gitarre spielender Bürgermeister gemacht und so bei vielen Vereinen und Gruppen - oft für einen guten Zweck - aufgespielt. Am Donnerstag (27. Juli) wurde er nach 18 Jahren aus dem Amt verabschiedet.
Sein Nachfolger ist Andreas Buske, der am 1. Oktober seinen Dienst aufnimmt. Buske ist in Lützelsachsen aufgewachsen und kennt Weinheim also ziemlich gut. Ob er auch gerne zur Gitarre greift, wissen wir noch nicht. Akkordeon wäre mal eine schöne Abwechslung - zur Not geht aber auch eine Triangel. Doch Buske schreibt gerne, 2018 erschien sein Buch "Der Rabe Konradin erklärt den Menschen".
Die Geistliche
Als sich Monika Lehmann-Etzelmüller im Jahr 2015 als neue Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Neckar-Bergstraße vorstellte, schrieb sie: "Eine Geschichte aus der Bibel, die mir besonders wichtig ist, ist die der Emmausjünger. Die Jünger erkennen nicht gleich, dass Jesus an ihrer Seite geht. Mir macht der Gedanke Mut, dass Jesus auf den Wegen meines Lebens an meiner Seite bleibt, manchmal anonym, manchmal mit einem ganz menschlichen Angesicht. Wie die Wege auch sind, es sind Wege, die Gott mit mir geht." Nun führt sie ihr beruflicher Weg weg von Weinheim, sie leitet ab September das Predigerseminar in Heidelberg. Ihre besondere Liebe und Leidenschaft gilt Gottesdiensten und Predigten, was viele Christen in Weinheim - egal ob katholisch oder evangelisch - sehr zu schätzen wussten. Wer Monika Lehmann-Etzelmüller als Dekan oder Dekanin nachfolgt, steht noch nicht fest.
HInweis: Der Artikel wurde korrigiert. In einer früheren Fassung hieß es, Andreas Buske tritt seinen Dienst als Erster Bürgermeister am 1. August an. Richtig ist, er beginnt am 1. Oktober.