Neujahrsempfang

Heimattage in Weinheim mit Knall und neuer Hymne eröffnet

„Weg von der Krise, hin zur Chance!“ - so feierlich war die Eröffnung der Heimattage. Mit Video der Weinheim-Hymne

Jetzt geht’s los! Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just eröffnete die Heimattage gemeinsam mit Ministerialdirektor Reiner Moser. Foto: Thomas Rittelmann
Jetzt geht’s los! Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just eröffnete die Heimattage gemeinsam mit Ministerialdirektor Reiner Moser.

Die Heimattage Baden-Württemberg sind eröffnet! Mit dem beherzten Druck auf einen roten Knopf gab Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just gemeinsam mit Ministerialdirektor Reiner Moser aus Stuttgart den Startschuss für das Großereignis, das die Stadt 2025 in den Fokus des ganzen „Ländles“ rückt. Unter dem Jubel der Weinheimer in der vollbesetzten Stadthalle entzündete die Stadt zumindest auf der Leinwand ein symbolisches Feuerwerk und sorgte damit schon jetzt für Festtagsstimmung bei den Gästen des Neujahrsempfangs.

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Start mit Knall

Geknallt wurde schon zu Beginn der Traditionsveranstaltung durch die Bürgerwehr, auch wenn Feldwebel Ralf Ester zunächst mit Ladehemmungen seiner historischen Handböller-Waffe zu kämpfen hatte. Die drei lauten Schüsse wurden in Ton und Bild ins Innere der Stadthalle übertragen.

Emotionen weckt die neue Weinheim-Hymne, die gestern uraufgeführt wurde - komponiert von Chorleiter Norbert Thiemel und getextet von Manfred Maser. Foto: Thomas Rittelmann
Emotionen weckt die neue Weinheim-Hymne, die gestern uraufgeführt wurde - komponiert von Chorleiter Norbert Thiemel und getextet von Manfred Maser.

Vielfalt in Wort, Bild und Ton

Das kurze Video, in dem das Jahresmotto „Heimat ist ein Gefühl“ in den Mittelpunkt gerückt wird, steht für die Vielfalt der Stadt und ihrer Menschen und weckt Emotionen. Ebenso wie die neue „Weinheim-Hymne“. Komponiert von Norbert Thiemel, dem Leiter des Pop- und Jazzchores, wurde die Uraufführung zu einem ganz besonderen Erlebnis. Der Text stammt von Manfred Maser. Die Stadt hätte keinen Besseren für diese Aufgabe finden können als den waschechten Woinemer, der als Autor und Frontmann des Odenwälder Shanty Chors sowie als Texter der Weinheimer Spitzklicker seine Heimatkenntnis und seine Liebe zur Region immer wieder unter Beweis stellt. Als er am Ende der Hymne selbst zum Mikrofon griff, um den letzten Refrain in Dialekt zu singen, gab es auch für die Gäste im Saal kein Halten mehr. Sie stimmten mit ein: „Woinem, Woinem, ja Woinem is’ so schee.“ Selbst das „Badnerlied“ zum Abschluss der Veranstaltung konnte da nicht mithalten.

Zum Badnerlied, der Regionalhymne der südwestdeutschen Region Baden, erhoben sich Gäste in der Weinheimer Stadthalle von ihren Plätzen. Foto: Thomas Rittelmann
Zum Badnerlied, der Regionalhymne der südwestdeutschen Region Baden, erhoben sich Gäste in der Weinheimer Stadthalle von ihren Plätzen.

„Symbadisches“ Weinheim

Wie „symbadisch“ Weinheim und die Kurpfalz sind, das betonte Reiner Moser vom Ministerium des Innern, für Digitalisierung und Kommunen des Landes Baden-Württemberg. Er freute sich, dass in Weinheim schon zum Start des Heimattage-Jahres die Emotionen in der Luft lagen. Er war sich sicher, dass die Stadt als Ausrichterin der Heimattage die Aufgabe meistern wird. „Das ist ein Kraftakt, der nur mit der Hilfe der Bürger zu stemmen ist“, sagte der Ministerialdirektor. Er hob die Bedeutung der Heimattage hervor, die mehr seien als eine zwölfmonatige Veranstaltungsreihe um die beiden Großereignisse – den Baden-Württemberg-Tag am 17. und 18. Mai und die Landesfesttage vom 12. bis 14. September.

Moser: „Die Heimattage sind eine Gelegenheit, die Gesellschaft zusammenzubringen, sich zur Tradition zu bekennen und ein Wir-Gefühl zu entwickeln.“

Das erhofft sich auch OB Manuel Just. Er sieht in den Heimattagen eine Chance: „Nicht nur, weil wir glauben, dass diese unserer Außenwirkung unter touristischen Zwecken guttun, sondern weil von ihnen eine Stärkung der Stadtgesellschaft durch gemeinsame Projekte ausgehen kann, die über das Jahr 2025 hinauswirken.“ Just wünscht sich, dass dieses Heimattage-Jahr ein Wendejahr wird. „Weg von der Krise, hin zur Chance!“ An Moser wandte er sich mit einem Augenzwinkern: „Richten Sie den Schwaben in Stuttgart aus, Weinheim an der Badischen Bergstraße ist bereit für ein großartiges Jahr!“

Mit der Neujahrsbrezel machten die Vertreter der Innungen der Stadt ein schmackhaftes Geschenk. Foto: Thomas Rittelmann
Mit der Neujahrsbrezel machten die Vertreter der Innungen der Stadt ein schmackhaftes Geschenk.

Eine riesige Brezel, ein ganz besonderer Fastnachtsorden und Heimat im Glas

Was wäre ein Neujahrsempfang in Weinheim ohne eine „Brezel wie e Scheierdor“? Wohl kaum ein traditioneller. Doch gerade im Jahr der Heimattage, in dem Weinheim Tradition und Moderne verbindet, durfte das obligatorische Gebäck nicht fehlen, das die Vertreter der Weinheimer Handwerksinnungen überreichten. Schreinermeister Helge Eidt blickte – auch im Namen seiner Kollegen – auf ein schwieriges Jahr für das Handwerk zurück, trotz voller Auftragsbücher. Er plädierte dafür, die „Regulierungswut“ in Deutschland einzudämmen und Betriebsaufgaben entgegenzusteuern. Sein Fazit war dennoch: „Wir bleiben optimistisch!“

Für einen positiven Blick in die Zukunft plädierte auch Blüten-Prinzessin Danielle I.: „Wir feiern das Leben!“, verkündete die charmante Vertreterin der Weinheimer Karnevalisten – und das nicht nur während der Kampagne. Blütenpräsident Andreas Kränzle präsentierte als Überraschung den neuen Fastnachtsorden, der den Heimattagen gewidmet ist und – um den Hals von Ministerialdirektor Reiner Moser gelegt – den Weg nach Stuttgart antritt. Ihr Glas erhoben auch die Winzerhoheiten aus Lützelsachsen auf das neue Jahr. Winzerkönigin Jana Rauh war mit ihren Winzerprinzessinnen Amely Stevens und Michelle Hölzinger erschienen und griff das Motto der Heimattage auf. Die Heimattage seien wie die Krönung eines perfekten Jahrgangs.

Impulsrede von OB Manuel Just

Oberbürgermeister Manuel Just nahm in seiner Ansprache zum neuen Jahr kein Blatt vor den Mund, er prangerte Paragrafenreiterei an und die „lähmende Regulierung“ durch Gesetze. „Dieses Land braucht einen neuen Ruck!“ – so dennoch sein Plädoyer für Mut, Zuversicht und Veränderung. „Es ist mehr denn je die Zeit, die Zukunft zu gestalten, statt sie zu fürchten.“

In seiner Rede erinnerte Just an die berühmte „Ruck-Rede“ des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog aus dem Jahr 1997. Damals prangerte Herzog Mutlosigkeit und gesellschaftliche Lähmung angesichts von wirtschaftlichen Herausforderungen an. Heute seien die Probleme ähnlich: Arbeitskräftemangel, überbordende Bürokratie, weltweite Krisen und eine politische Landschaft, die immer stärker polarisiert.

Kein bloßes Verwalten

Just: „Die Zeiten verlangen mehr als ein bloßes Verwalten – sie fordern Mut, Zuversicht und den Willen zur Veränderung.“ Dabei kritisierte er die lähmende Bürokratie und verwies auf konkrete Beispiele wie die Grundsteuerreform oder Verzögerungen bei wichtigen Bauprojekten in der Stadt. Die Probleme reichen für den OB von leerstehenden Immobilien und fehlendem Wohnraum bis zu einer schleppenden Digitalisierung. Just mahnte an, dass nicht nur Politik und Verwaltung, sondern auch die Bürger Verantwortung übernehmen müssten. „Wir selbst müssen die Veränderung sein.“ Aufseiten der Politik und aufseiten des bürgerschaftlichen Engagements.

Weinheim voranbringen

Trotz der Herausforderungen sieht er Grund zur Zuversicht. Weinheim investiere 33 Millionen Euro in Bildung, soziale Projekte, Sport und Infrastruktur – mit einem klaren Bekenntnis zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Botschaft seiner Rede: nicht zurückschauen, sondern nach vorne blicken und handeln. Jetzt sei die Zeit für Veränderung – und Weinheim könne hier Vorbild sein.