Hirschberg: Auf Acker "gestrandeter" Lkw geborgen
Wegen der Bergung musste die L541 ab 9 Uhr am Dienstag voll gesperrt werden. Die Kosten der Bergung bewegen sich im mittleren fünfstelligen Bereich.
Hirschberg. Es knarzt, Äste krachen und auf einmal schwebt der zwölf Tonnen schwere Lastwagen, der vergangene Woche in ein Feld bei Hirschberg gekracht ist, in der kalten Luft. Er schaukelt ein wenig nach links, ein wenig nach rechts, aber nie mehr als ein paar Zentimeter. Dort oben wirkt der Zwölftonner, als wäre er federleicht. Doch von der zerstörerischen Kraft des Lkw zeugt die Spur der Verwüstung, die er bei seiner Bruchlandung in das Feld hinterlassen hat. Verformte Leitplanken, eine Schneise in der Böschung und im Feld ein kleiner Krater, wo sich das Führerhaus einige Zentimeter tief in den Boden grub.
Fahrer kommt von Straße ab
Vergangenen Mittwoch, gegen 7.15 Uhr, ist der Lkw auf der L541 durch die Leitplanke gekracht und die Böschung hinunter gerauscht. Wie die Polizei mitteilte, soll der 21-jährige Fahrer zuvor beim Verlassen des Kreisels gegen die Verkehrsinsel geprallt sein. Der Fahrer konnte seinen Lkw eigenständig und unverletzt verlassen. Seitdem stand sein Fahrzeug gestrandet auf dem Feld neben der A5.
Für Disponent und Bergungsleiter Stefan Cornely von der Karlsruher Pannen- und Abschleppdienst Auto-Bissinger ist so ein Anblick nichts Ungewöhnliches. "Früher kam so etwas öfters vor. Heutzutage passiert das vielleicht ein- bis zweimal im Monat." Trotzdem: "Routine gibt es bei diesem Job nie", gibt Cornely zu. So auch in diesem Fall. Bereits am Unfalltag war der Bergungsleiter vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Zuvor hatte ihn der Spediteur mit der Bergung beauftragt.
Boden ist zu weich
Das Problem auf dem Hirschberger Acker war der weiche Boden. "Normalerweise hätten wir den Lkw mit einem Unterfahrlift ganz einfach da hinten rausziehen können", erklärt der Disponent und zeigt mit dem Finger Richtung Hirschberg, wo die L541 leicht zum Kreisverkehr hin ansteigt. "Dafür ist der Boden aber zu weich. Wäre es jetzt Hochsommer oder wäre der Boden circa 40 Zentimeter tief gefroren, wäre das kein Problem." Dann muss der Zwölftonner eben den Weg zurück, über den er vor fast einer Woche auf dem Feld gelandet war: über die Böschung.
Mit einem einzelnen Lkw-Schlepper hätte das Unfallfahrzeug den Weg nach oben nicht wieder gefunden. Deswegen waren am Dienstagmorgen zusätzlich ein Werkstattwagen, ein Lkw mit Ladekran sowie Autokran im Einsatz, um den Zwölftonner wieder auf die Landstraße zu hieven. Die Arbeiten begannen für die Mitarbeiter von Auto-Bissinger bereits um fünf Uhr morgens. Die Umfahrung der Bergungsstelle musste weiträumig in Hirschberg und Heddesheim ausgeschildert werden. Um halb zehn war die siebenköpfige Bissinger-Crew zwar vollzählig, loslegen konnten sie aber noch nicht. Zunächst musste die Böschung großflächig von Gestrüpp und Bäumen befreit werden: "Aus dem Fahrzeug sind beim Unfall keine Flüssigkeiten gelaufen. Die Bäume müssen weg, damit das auch bei der Bergung nicht passiert."
Noch während der Gehölzarbeiten am Hang, konnten die Mitarbeiter von Auto-Bissinger den zwischen Lkw und Böschung festsitzenden Gabelstapler befreien, die Aluminium-Planken von der Ladefläche abladen und an den Rädern des gestrandeten Lastwagen die Halterungen für den Kran anbringen. Jeder Handgriff saß - es gab keine Überraschungen. "Der Plan ist, den Lkw mit dem Kran anzuheben und mit der Winde des Unterfahrlifts in Richtung der Straße zu ziehen", erklärt Cornely, während der Rest seines Teams entspannt die letzten Vorbereitungen trafen. Gesagt, getan. Vorsichtig straffte sich das Kabel des Krans, während der Unterfahrlift den Lkw Stück für Stück aus dem Matsch zog. Keine drei Minuten später schwebte das Unfallfahrzeug gut zehn Meter in der Luft und wurde anschließend sanft auf die L541 abgelassen. "Das hat alles reibungslos funktioniert", freut sich Cornely, "die Jungs haben wieder grandiose Arbeit geleistet". Um kurz vor 13 Uhr war die Bergung somit abgeschlossen. Die Vollsperrung der Landstraße musste aber noch einige Stunden bestehen bleiben, da das Straßenbauamt direkt im Anschluss die Leitplanken erneuerte.
Landstraße voll gesperrt
Diese Arbeit hat ihren Preis. Allein für die Bergung muss sich der Spediteur auf eine Rechnung von über 30.000 Euro einstellen. Tendenziell eher mehr. "Allein für die Einsatzfahrzeuge rechnen wir mit etwa 3.500 Euro die Stunde", erklärt der Bergungsleiter. Hinzu kommen Rechnungen für das Unternehmen, das die Bäume gefällt hat, und die beschädigten Leitplanken. Und der Unfall-Lkw? Vergangene Woche wurde der Schaden am Fahrzeug noch auf etwa 9.000 Euro geschätzt. "Es kann sein, dass das Gestell vielleicht verzogen ist. Das ist aber ein Scania, da ist das Fahrgestell robuster als bei anderen Marken", befindet Cornely.