Hirschberg: Gedenkkreuz für überfahrenen Radfahrer gestohlen
Im August 2023 wurde der ehemalige Posaunenchorleiter Großsachsens Otfried Schmitt überfahren. Jetzt wurde sein Gedenkkreuz rausgerissen. Entsetzen über diese sinnlose Tat und warum Ehefrau Elsa keine Sonntage mehr erträgt.
Hirschberg. Die 84-jährige Elsa Schmitt muss sich an diesem Tag immer bewusst beschäftigen. Für sie dürfte es eigentlich keine Sonntage mehr geben. Denn am Sonntag,13. August, genau um 15.05 Uhr, wurde ihr geliebter Mann Otfried von einem Autofahrer auf der Straße nach Muckensturm überfahren. Seither muss sie an diesen Tagen raus, Luft schnappen, sich ablenken. Der Schmerz über den überraschenden Tod ihres Mannes, der als Gründer und langjähriger Leiter des evangelischen Posaunenchors im Hirschberger Teilort Großsachsen bekannt war, sitzt nach wie vor tief. Dies hört und spürt man am Telefon.
Als ob die Trauer nicht schon schlimm genug wäre, da kam um die Weihnachtszeit eine weitere, sehr traurige Nachricht hinzu. Gert Wagenbach, der selbst als 15-Jähriger bei Schmitt Posaune spielte, und Freund Thomas Thünker hatten an der Todesstelle Schmitts ein Gedenkkreuz aus Holz errichtet. Der Großsachsener Wagenbach, der als Polizist in Viernheim arbeitet, fährt morgens an dieser Stelle oftmals mit dem Rad vorbei. Plötzlich stand das im November aufgestellte Holzkreuz nicht mehr. Es wurde herausgerissen, lediglich die Verankerung aus Metall fand er noch im Boden vor. Den Vorfall vom 27. Dezember zeigte der Polizist beim Polizeiposten Heddesheim natürlich an. „Dass da jemand mit dem Auto oder mit dem Traktor zufällig drübergefahren ist, halte ich für unrealistisch. Es steht ja“, glaubt Wagenbach. Eine völlig sinnlose und verwerfliche Tat.
Spontane Idee
Wagenbach ist genauso entsetzt wie die Witwe. Der verstorbene Otfried Schmitt war für ihn ein Vorbild: „Ich kannte Schmitt vom Posaunenspiel und vom Konfirmandenunterricht.“ Wagenbach schaute noch wegen eines anderen Punktes zu Schmitt auf, der gemeinsamen Leidenschaft fürs Radfahren. „Der Otfried war bekannt, weil er im Ort alles mit dem Rad zurücklegte. Das gehörte zum Ortsbild.“
Mit ihm habe er sich immer sehr angeregt unterhalten, wenn er ihn auf seinem Grundstück, einem naturnahen Garten zwischen Leutershausen und Schriesheim, angetroffen hatte. Sie verstanden sich sehr gut, hatten viele Gesprächsthemen. Irgendwie wollte der Polizist diese Zuneigung nach dem Unglück auch dokumentieren. Kurzerhand fragte er seinen Kumpel Thomas Thünker, der sich mit seinen Wegzeichen aus Holz einen Namen gemacht hat.
Der war sofort Feuer und Flamme für die Gedenkaktion zugunsten des einstigen Posaunenchorleiters. „Wir haben das Aufstellen des Kreuzes natürlich mit der Witwe und der Verkehrsbehörde abgeklärt“, ergänzt Wagenbach.
Witwe ist geschockt
Witwe Schmitt hat das Holzkreuz mit Posaune und Fahrrad sehr gut gefallen. Angesichts der mutwilligen Sachbeschädigung zweifelt sie aber an der Welt: „Wer macht so etwas?“, ist sie bis heute schockiert über diese Tat. Als sie das erfahren hatte, konnte sie die Nacht nicht schlafen: „Da fährt mein Mann dreimal mit dem Rad nach Sylt, legte im Jahr locker 10 000 Kilometer zurück, und dann wurde er von einem Betrunkenen totgefahren, der auch noch Fahrerflucht begeht“, erzählt die 84-Jährige mit belegter Stimme. Sie erinnert sich noch heute ganz genau an diesen 13. August im Sommer 2023: „Mein Mann sagte: Ich muss raus. Ich will noch ein bisschen Rad fahren.“ Komm nicht zu spät, habe sie ihm nachgerufen. Später klingelte es und die Polizei stand vor der Tür.
Eine Welt brach für sie zusammen, als sie vom Tod ihres Mannes erfuhr, dem Musik, Natur und Radeln alles bedeuteten. Seit dieser Zeit sind ihr Sonntage ein Graus. Hoffentlich gehen sie schnell vorbei, sagt sie sich immer wieder. Aber ihr Leben müsse schließlich weitergehen. Folglich sucht und wird sie sich auch weiterhin für diesen Tag eine Beschäftigung suchen, um sich von der Trauer abzulenken.