Weinheim

Kurz vor Bürgerentscheid Weinheim: Seite von BI Waidsee verschwindet von Facebook

Miramar-Chef Marcus Steinhart warf der Bürgerinitiative Verleumdung in Facebook-Beiträgen vor. Die Spuren wurden von Social Media gelöscht. Aber das Netz vergisst nicht ...

Beiträge und die offizielle Seite der BI Waidsee verschwinden kurz vor Bürgerentscheid von Facebook. Foto: Pixabay / LoboStudioHamburg
Beiträge und die offizielle Seite der BI Waidsee verschwinden kurz vor Bürgerentscheid von Facebook.

Der Ton zwischen Befürwortern und Gegnern des Hotel- und Parkdeckbaus durch das Miramar wird schärfer. Dessen Geschäftsführer Marcus Steinhart wirft der Bürgerinitiative (BI) Naherholung Waidsee vor, im Netz Falschinformationen zu verbreiten und ihn zu diffamieren. Auch Oberbürgermeister Manuel Just spricht von „ehrverletzenden“ Äußerungen. Gemeint sind Beiträge der BI-Seite und von BI-Mitgliedern in der Kommentarspalte auf Facebook. Und die Bürgerinitiative? Die BI erklärt auf Anfrage, dass der Vorwurf der Verleumdung selbst eine Verleumdung sei.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

So schreibt die BI Waidsee in einer Mitteilung, die unter mehreren führenden Mitgliedern abgestimmt wurde, sie sei verwundert über die Vorwürfe so kurz vor dem Bürgerentscheid. Und die Initiative meint: „Die BI lehnt grundsätzlich verunglimpfende Kommentare ab. Sei es über andere oder über die BI selbst.“ Falls tatsächlich unangebrachte Äußerungen in den sozialen Medien aufgetreten sein sollten, so von Personen, die nicht der BI angehörten.

Das Netz vergisst nicht


Aber was stimmt jetzt eigentlich? Unsere Redaktion begibt sich in die Kommentarspalten der Facebook-Beiträge. Aufgeheizt: ja. Desinformation: mitunter. Verleumdung: Fehlanzeige. Die offizielle Seite der BI „Bürgerinitiative Naherholung Waidsee Weinheim“ ist nicht mehr erreichbar. Kurz vor dem Bürgerentscheid gelöscht.

Apropos ...


Stichwort gelöscht: Unter den Beiträgen, die eigentlich aus dem Netz entfernt wurden, werden die WN dann doch fündig. Unsere Redaktion bekommt Screenshots einiger jener Kommentare zugeschickt, die es laut BI nie gegeben haben soll. In einem dieser Beiträge gibt es einen direkten, ehrverletzenden Angriff auf ein verstorbenes Familienmitglied von Steinhart.
Auch eine ehemalige Vertrauensperson des Bürgerbegehrens hat ihre Spuren in den Kommentarspalten hinterlassen. Unter seinem privaten Account unterstellt er Steinhart und vor allem Oberbürgermeister Manuel Just unter anderem: „Ihnen ist es egal, ob den betroffenen Weinheimern geholfen wird, dass ihre Probleme gelöst werden.“

„Es war beidseitig“

Unsere Redaktion fragt bei der BI an. Es wird zurückgerudert: Ja, solche Beiträge hat es gegeben, räumt eine Sprecherin ein. Es habe sich aber in allen Fällen, auch als mit der offiziellen Facebook-Seite kommentiert wurde, um die Vertrauensperson gehandelt, die nun keine mehr sei. Auf eigenen Wunsch oder wurde sie gegangen? „Es war beidseitig“, so die Sprecherin. Die zuvor geäußerte Aussage, man distanziere sich grundsätzlich von verunglimpfenden Kommentaren, wird im Gespräch also ergänzt. Deshalb distanziere man sich ausdrücklich von den Kommentaren der ehemaligen Vertrauensperson.

Also stimmt es doch?

Aber hat die BI nicht wenige Stunden zuvor geschrieben, die Vorwürfe von OB und Miramar-Geschäftsführer seien „unangebracht“? „Da wusste ich ja nicht, dass Sie Screenshots zugeschickt bekommen“, entgegnet die Sprecherin. Und sie betont erneut, dass diese Beiträge alle gelöscht wurden.

„Unsachlichkeit schadet Sache“

OB Just äußerte sich zum Diskussionsniveau bereits früher an diesem Tag. Er wolle sich als „Oberbürgermeister und oberster Repräsentant des Wirtschaftsstandortes Weinheim klar distanzieren“. Manche Aussagen in der aktuellen Debatte seien dem wichtigen basisdemokratischen Instrument des Bürgerentscheides nicht angemessen.
Just: „Das ist sehr bedauerlich und sicher keine Werbung für den Umgang mit Bürgerentscheiden.“ „Man hat leider das Gefühl, es geht im Moment mehr um die Diskreditierung von Personen als um die Sache selbst“, findet der OB. Aber, so Just, „Unsachlichkeit schadet nur der Sache“.
Die Öffentlichkeit ist bei der Infoveranstaltung der BI Naherholung Waidsee am heutigen Samstag um 18 Uhr im Versammlungsraum des Kindergartens Waid, Hammerweg 7, eingeladen. Dort werden auch die unterstützenden Gruppierungen zu Wort kommen. Auch aus dem Publikum sind Fragen erwünscht.