Mehr als 100 Fälle: Plakate nicht nur in Weinheim zerstört
Das Polizeipräsidium Mannheim hat mehr als 100 beschädigte Plakate registriert. Die Dunkelziffer ist weit höher.
Wahlplakate, die mit schwarzer Graffiti-Farbe beschmiert werden, Transparente, die offenbar mit einem Messer zerstört wurden, Plakate, die komplett fehlen und ein Bundeskanzler, dem man mit Edding einen Hitlerbart gemalt hat: Die letzten Wochen im Kommunalwahlkampf in Weinheim scheinen von Zerstörungswut Unbekannter geprägt zu sein. Und nicht nur die Grünen und die SPD sind betroffen. Auch Matthias Hördt von WMD (Wählervereinigung Mehr Demokratie Weinheim) meldet sich zu Wort.
40 WMD-Plakate fehlen
"Bei uns wurden die Plakate zwar nicht beschmiert, allerdings sind rund 40 Plakate verschwunden", sagt Hördt. Beim Plakatieren habe sich die WMD vor allem auf die Innenstadt, die Weststadt und Lützelsachsen konzentriert. Das genaue Ausmaß des Plakatdiebstahls sei ihm jedoch nicht bekannt, sagt Hördt.
Anzeige hat Hördt nicht erstattet. "Das hat in der Vergangenheit nichts gebracht", sagt er. Überracht ist er von den Vorgängen nicht. "Seit ich politisch aktiv bin, also seit etwa 40 Jahren, passiert so etwas. Deshalb hänge ich meine Plakate immer so hoch auf, dass man auf jeden Fall eine Leiter bräuchte, wenn man sie abreißen wollte", sagt Hördt. Ein wenig ärgert ihn der Vandalismus allerdings schon. "Das ist ja auch ein Kostenfaktor - und wir haben nicht unbegrenzt Geld für den Wahlkampf", gibt Hördt zu Bedenken.
Grüne setzen ein Zeichen
Die Grünen, deren Plakate besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind, setzten ein Zeichen. Sie tauschten nicht alle Plakate aus, sondern beklebten sie mit dem Slogan "Nie wieder ist jetzt", der die Anti-Nazi-Demos im Winter 2023 - auch in Weinheim - prägten. Auch Elisabeth Kramer, die Chefin der Weinheimer Grünen, reagierte - angesprochen auf die Schmierereien - relativ gelassen.
Tatsächlich scheint es so, als hätten die Lokalpolitiker aller Parteien damit zu kämpfen, dass Wahlplakate beschmiert oder auch mal heruntergerissen werden. Bei den Freien Wählern beispielsweise halte sich der Schaden in Grenzen, sagt Dr. Günter Bäro, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Gemeinderat. Auch bei der CDU ist man eher gelassen. Fraktionschef Heiko Fändrich sagt: "Früher hatten wir öfters Probleme, weil unsere Wahlplakate beschädigt wurden. Diesmal scheint es bei uns aber nicht so viele zu treffen."
Anders bei der SPD. Weinheims SPD-Chefin und Fraktionsvorsitzende Stella Kirgiane-Efremidou sagt: "Nicht nur die großen Plakate mit Kanzler Olaf Scholz und Katharina Barley wurden beschmiert, auch die Plakate der kommunalpolitischen Kandidaten wurden mutwillig zerstört, in Stücke gerissen und geschnitten - das ist wilder Hass." Im Vergleich zu früheren Wahlkämpfen sei die Stimmung schon rauer, sagt Kirgiane-Efremidou. Wie viele Plakate tatsächlich beschädigt wurden, könne sie noch nicht sagen. 15 wurden registriert. "Aber es gibt auch viele Kandidat:innen, die ihre Plakate einfach ausgetauscht haben, ohne es zu melden", sagt sie.
Plakat der Hemsbacher Hoheit
Getroffen haben die Schmierereien auch eine Frau, die sich nicht in der Politik, dafür aber für Hemsbach ehrenamtlich als Botschafterin engagiert. Svenja Drücker, die amtierende Wein- und Blütenhoheit in Hemsbach. Ihr Plakat wurde ebenfalls beschmiert, über das Schild "Weinort Hemsbach" hat jemand offenbar mit schwarzer Graffiti-Farbe das Wort "Stirb" geschmiert. Der Post in einer Hemsbach-Facebook-Gruppe wurde fleißig kommentiert. Unter anderem, so schildert es der Admin, sei bereits Anzeige bei der Polizei erstattet worden.
Die Farbe, so schreibt ein User, sei der ähnlich, mit der auch Wahlplakate der SPD in Laudenbach beschmiert worden seien. "Respektlos", "Nichts im Kopf" - so urteilten die Facebook-User über die Schmierereien. Einer fordert: "Es gehört allgemein härter durchgegriffen."