Theater

"Pasta e Basta": Kulinarik auf der Bühne der Weinheimer Stadthalle

Gesang, Humor und der Duft frisch gekochter Pasta: Das Theaterstück "Pasta e Basta" verwandelte die Weinheimer Stadthalle in eine lebendige italienische Küche. Mit dabei – ein Weinheimer Koch am Bühnenherd.

Wenn Pasta auf Musik trifft, wird die Bühne der Weinheimer Stadthalle zur italienischen Küche. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Wenn Pasta auf Musik trifft, wird die Bühne der Weinheimer Stadthalle zur italienischen Küche.

Weinheim. Die Melodie der italienischen Sprache, der Zauber ihrer Musik und nicht zuletzt die so beliebte italienische Pasta haben den Tübinger Autor und Regisseur Dietmar Loeffler von jeher fasziniert. So entstand seine Idee, eine Komödie zu schreiben, die in einer italienischen Küche spielt, in der das Kochen ebenso wichtig ist wie die Musik. In Zusammenarbeit mit den Hamburger Kammerspielen wurde das amüsante Stück „Pasta e Basta“ umgesetzt, in dem die gesamte Küchenbrigade Gold in den Kehlen hat.

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Seit der Uraufführung im Jahr 2009 tourt das Ensemble mit der kulinarischen Komödie durch die deutschen Gastspieltheater. Dabei lässt es sich Dietmar Loeffler nicht nehmen, selbst als Mitglied der Küchenbrigade auf der Bühne zu stehen und neben dem Gemüseschnippeln in die Klaviertasten zu greifen – befindet sich das Piano doch direkt unter der Arbeitsplatte. Einer weiteren Idee zufolge steht an jedem Gastspielort ein echter Koch aus der Region am Herd.

Herbert Auer spielt sich nicht in den Vordergrund. Wenn er nicht gerade für Ordnung sorgt, kocht er auf dem Bühnenherd gefüllte Ravioli. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Herbert Auer spielt sich nicht in den Vordergrund. Wenn er nicht gerade für Ordnung sorgt, kocht er auf dem Bühnenherd gefüllte Ravioli.

Am Freitagabend gastierte die musikalische Küchen-Crew innerhalb der Reihe „Weinheim macht Theater“ in der Stadthalle. Beim Öffnen des Vorhangs lädt eine typisch italienische Küche (Bühnenbild: Thorsten Förster und Christoffer Osterloh) die Zuschauer in den musikalischen Feinschmeckerhimmel ein. Dort werden italienische Hits von Eros Ramazzotti über Toto Cutugno bis Rita Pavone aus voller Kehle geschmettert oder mehrstimmig im Ensemble gesungen.

Platzhirsch-Gastronom Auer

Am Herd steht beim Weinheimer Gastspiel Platzhirsch-Gastronom Herbert Auer und tut das, was er in seinem Restaurant am Marktplatz tagtäglich tut: die Pfannen schwenken und in den Töpfen rühren. Und dass der Bühnenherd, auf dem der Patron seine gefüllten Ravioli zubereitet, keine Attrappe ist, bemerken die Zuschauer spätestens dann, als köstliche Basilikum- und Parmigiano-Düfte durch den Theaterraum ziehen.

Mit dem Karotten- und Porreeschneiden nehmen es die beiden Assistenzköche Vico Torrone (Tim Grobe) und Paolo Checconte (Dietmar Loeffler) nicht so genau. Da fliegen schon mal ein paar Gemüsestücke auf den Boden oder landen im Zuschauerraum. Kellner Fred Buscalige (Andreas Bittl) lässt es hingegen gemütlich angehen. Viel lieber fährt er mit dem Kamm durch seine pomadisierte Haarmähne und singt dazu Ramazzottis Schmacht-Song Se Bastasse.

Klavier in der Küche

Als Tellerwäscherin Mina Mia (Lennora Esi) mit ihrer Soulstimme gerade den letzten Ton von Aretha Franklins „A Natural Woman“ verklingen lässt, stellt sich eine strenge Dame von der Gewerbeaufsicht vor. Kopfschüttelnd mustert sie den mit Lauch und Karotten garnierten Küchenboden. Nicht fassen kann sie, dass in einer Küche ein Klavier steht – obwohl sie die Ballade für Elise, die Dietmar Loeffler anstimmt, dann doch etwas besänftigt.

Stimmgewaltig, mit sprühendem Charme und dabei mitreißend komisch stellt die Hamburger Schauspielerin und Sängerin Carolin Fortenbacher die korrekte und gleichzeitig neurotische Behördenfrau dar. Wie sie mit ihrem hautengen Rock und den Stöckelschuhen über die Bühne watschelt, macht sie ihrem Doppelnamen „Wahl-Ente“ alle Ehre. Doch kleine Kostproben aus den Töpfen von Maître de Cuisine „Erberto“ Auer lassen sie schwach werden – was sie mit abenteuerlichen Grimassen und ruckartigen Schluckbewegungen darstellt.

Reizvoller Theaterabend

Auch der Restaurantkritiker zeigt sich über die exquisite Pasta amüsiert, wie Fred, der Mann vom Service, freudestrahlend verkündet. Für den Essenstester müsste sich der Regisseur allerdings einen anderen Namen einfallen lassen, denn Wolfram Siebeck, wie er genannt wird, ist bereits 2016 verstorben. Ansonsten sorgt „Pasta e Basta“ für einen außergewöhnlich reizvollen Theaterabend. Ob Titel von Mina, Ricchi e Poveri oder Adriano Celentano – die Canzone Italiana wird von der Küchenmannschaft als nationales Kulturgut präsentiert, ebenso wie die Pasta aus der Cucina Italiana, die dem Weinheimer Gastronomen Herbert Auer so perfekt gelingt, als käme er direkt aus dem Piemont. (tak)

Man kann es an den verzückten Gesichtern jener Zuschauer sehen, die eine Kostprobe abbekommen. Für die anderen bleibt nur der unwiderstehliche Duft – und der anschließende Besuch beim Italiener um die Ecke.

Herbert Auer spielt sich nicht in den Vordergrund. Wenn er nicht gerade – wie hier – für Ordnung sorgt, kocht er auf dem Bühnenherd gefüllte Ravioli.