Digitale Stadtführung

Rundgang "Woinemer Gschischde" ist nun offiziell eröffnet

Mit Witz, Herz und Kurpfälzer Dialekt führt Stadtführer Dietmar Spicker durch neun historische Stationen rund um den Weinheimer Marktplatz – digital, kurzweilig und „uff Woinemerisch“.

Cornelia Eicher, Oberbürgermeister Manuel Just, Dietmar Spicker und Ada Götz (von links) präsentieren den neuen digitalen Rundgang „Woinemer Gschischde“. Foto: Fritz Kopetzky
Cornelia Eicher, Oberbürgermeister Manuel Just, Dietmar Spicker und Ada Götz (von links) präsentieren den neuen digitalen Rundgang „Woinemer Gschischde“.

Weinheim. „Mir sinn jetzt am Marktplatz vorm Alte Rathaus. Do is net nur Handel getriebe worre. Weinheim war nämlisch früher auch eeine Blutsgerichtsstädde“, erzählt Dietmar Spicker mit seiner ruhigen, melodischen Stimme. Der erfahrene Stadtführer präsentiert in kurzen Audioaufnahmen neun unterhaltsame Anekdoten aus der Vergangenheit Weinheims – und zwar charmant „uff Woinemerisch“. Am Donnerstag wurde die digitale Erlebnistour offiziell eröffnet.

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Impressum

Die Idee zu „Woinemer Gschischde“ dazu entstand im Rahmen der Weinheimer Heimattage. „Wir wollten etwas Bleibendes schaffen, das die Heimatverbundenheit stärkt“, sagt Oberbürgermeister Manuel Just. Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Die digitale Tour soll Appetit auf mehr machen – wer danach keine Lust auf weitere Entdeckungen verspürt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.“

„Hervorragendes Beispiel“

Alles, was Besucher für diese besondere Entdeckungsreise brauchen, ist ein Smartphone und ein offenes Ohr für unterhaltsame Geschichten. Ada Götz, Beauftragte der Heimattage, ist überzeugt: „Digitale Angebote werden immer wichtiger. Und bei Spicker wussten wir sofort: He’s the man. Er gibt diesen Erzählungen genau den richtigen Charme und bringt Geschichte lebendig rüber.“

Über den QR-Code kann man sich die jeweilige "Gschischde" anhören. Foto: Fritz Kopetzky
Über den QR-Code kann man sich die jeweilige "Gschischde" anhören.

Warum Dünnbier früher als Grundnahrungsmittel geschätzt wurde, oder weshalb ausgerechnet Sankt Laurentius der Schutzpatron der Köche ist – Spicker nimmt seine Zuhörer mit auf eine abwechslungsreiche Reise in die Vergangenheit, mal humorvoll, mal tiefgründig.

Im Tonstudio benötigte der erfahrene Stadtführer dafür nur wenige Anläufe. „Ich habe einfach die Augen geschlossen und mir vorgestellt, mitten auf dem Marktplatz zu stehen. Für mich war das keine Arbeit, sondern echtes Vergnügen.“ Dabei achtete Spicker darauf, nicht zu tief ins „Woinemerisch“ abzudriften.

„Ich bin beim Kurpfälzer Dialekt geblieben, denn damit können auch Gäste von weiter weg den Rundgang problemlos genießen. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in den Vokalen: In Heidelberg sagt man zum Beispiel ‚have‘, bei uns in Weinheim heißt es ‚heve‘ für ‚wir haben‘“, erklärt er lächelnd.

„Brunne der hässlisch Magdt“

Die letzte Station führt zum „Brunne der hässlisch Magdt“ in der Obergasse. Man erzählte sich, eine erschöpfte Magd sei von ihrem Esel in den Brunnen gefallen und würde seitdem immer noch dortunter sitzen. Wenn ein junger Mann vorbeikommt, würde sie verzweifelt rufen: „Holt mich nuff! Holt mich nuff! Doch niemand eilt ihr zu Hilfe. Warum? „Weil sie sehr hässlich war“, erzählt Spicker schmunzelnd.

Jede einzelne der kurzen Episoden basiert auf einem historischen Kern. Auf die Frage, wie viel Fiktion in seinen Geschichten steckt, antwortet Dietmar Spicker geheimnisvoll lächelnd: „Ma waas es net...“