Weinheim

Flüchtlingsunterbringung am WHG: Eltern melden sich zu Wort

„Schüler sollen nicht erneut das Nachsehen haben“, findet der Elternbeirat des Weinheimer Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Er hält eine Flüchtlingsunterkunft an der Schule nicht für angebracht. Welche Argumente er ins Feld führt.

Am Werner-Heisenberg-Gymnasium könnte eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden. Daran übt der Elternbeirat Kritik. Foto: Philipp Reimer Photography
Am Werner-Heisenberg-Gymnasium könnte eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden. Daran übt der Elternbeirat Kritik.

Jetzt äußert sich der Elternbeirat des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) auch öffentlich zur geplanten Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in unmittelbarer Nähe der Schule. „Bei allem Verständnis für die Situation der Stadt Weinheim, wie auch der von allen anderen Kommunen, dass die vom Land zugewiesenen Flüchtlinge untergebracht werden müssen, sind wir als Elternvertreter jedoch der Ansicht, dass die Einrichtung einer Anschlussunterbringung über viele Jahre hinweg auf dem Gelände des WHG nicht angebracht ist“, heißt es vonseiten der Eltern.

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Wie berichtet, hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch drei Standorte für Anschlussunterbringungen priorisiert, darunter auch das Nachbargrundstück am WHG. Entscheidet sich der Gemeinderat dafür, könnte dort ein Neubau für 32 geflüchtete Menschen entstehen. Im Vorfeld der Sitzung, in der die Priorisierung beschlossen wurde, hatte der Elternbeirat die Gelegenheit, sich zu äußern.

Auf dieser Fläche zwischen dem Hausmeisterhäuschen des Gymnasiums und der Wohnbebauung in der Friedrichstraße 3 könnte ein Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen entstehen. Das Schulgebäude ist kaum zehn Meter entfernt. Foto: Iris Kleefoot
Auf dieser Fläche zwischen dem Hausmeisterhäuschen des Gymnasiums und der Wohnbebauung in der Friedrichstraße 3 könnte ein Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen entstehen. Das Schulgebäude ist kaum zehn Meter entfernt.

Entfaltung eingeschränkt

Er führt mehrere Argumente gegen eine Bebauung am WHG ins Feld: Zum einen sei bei einem befürchteten Wegfall eines Teils der Sportanlage, der Sportunterricht nicht mehr gewährleistet. „Gerade in den Sommermonaten ist dieses Außengelände von besonderer Bedeutung, da die Sporthalle nicht adäquat belüftet werden kann und an heißen Tagen in der Sporthalle kein Unterricht stattfinden kann“, heißt es in der Stellungnahme. Kritisch gesehen wird auch der Wegfall eines Teils des Schulhofes. Hier befinden sich aktuell die Fahrradstellplätze, deren Kapazitäten bereits jetzt an ihr Limit stoßen.

Eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit der rund 800 Schüler und 100 Lehrer durch Verkleinerung des Schulhofes hält der Elternbeirat für bedenklich. „Dies dient nicht der notwendigen Entfaltungsmöglichkeit der Schüler“, schreibt der Elternbeirat mit Hinweis auf die schwierige Coronazeit. „Jetzt ist es unserer Meinung nach umso wichtiger, dass sie sich wieder frei bewegen und entfalten können und dürfen. Wir halten es für wichtig, dass die Schüler nicht erneut das Nachsehen haben. Die Kinder sollen in einem Umfeld lernen und ausgebildet werden, in dem sie sich wohlfühlen“, so der Elternbeirat.

Außerdem finden die Eltern, dass es angesichts des Klimawandels nicht zeitgemäß ist und auch nicht zu den von der Stadt Weinheim formulierten Klimaschutzzielen passt, Innenstadtflächen zu versiegeln und bestehende Grünflächen zu entfernen. Zu bedenken geben die Eltern auch die räumlichen Gegebenheiten in der Friedrichstraße. Der Schulhof des WHG werde tagsüber unter anderem für die Kita in der Nachbarschaft als Durchgang und als Abkürzung genutzt. Schon jetzt komme es während des Nachmittagsunterrichts hier zu Einschränkungen.

Bedenken wegen Sicherheit

Nicht zuletzt seien aus Teilen der Elternschaft auch Bedenken, Sorgen und Ängste bezüglich der Sicherheit ihrer Kinder zum Ausdruck geäußert worden. „Die Nähe zu einer Flüchtlingsunterkunft könnte bei einigen Eltern und Schülern Bedenken bezüglich der Sicherheit und des Wohlbefindens hervorrufen. Eine solche Situation kann Unruhe stiften und dem Lernumfeld unserer Schüler schaden“, heißt es weiter. Je nach Gestaltung der Anlage, könnten sich Probleme hinsichtlich der Sicherheit oder Privatsphäre ergeben, insbesondere wenn verschiedene Altersgruppen und Kulturen zusammenleben.

Weitere Gebäude?

„Und nicht zuletzt stellt sich uns Eltern die Frage, was passiert, wenn die Notlage sich vergrößert? Werden dann doch weitere Gebäude auf diesem Grundstück gebaut?“, fragt der Elternbeirat.

Von den Entscheidungsträgern wünschen sich die Eltern, dass sie die Schüler als Zukunft ansehen und in diesem expliziten Fall deren Ausbildung, Entfaltung und die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen vorne anstellen.